Besucherbergwerk "Grube Anna Elisabeth"

Das 500 Jahre alte Silber- und Vitriolbergwerk ist ein interessanter Anziehungspunkt für die gesamte Region. Der Besucher erhält Einblicke in Teile des mittelalterlichen Silberbergwerks und in die riesigen Abbauweitungen der Vitriolzeit.

Nach Erwerb Schriesheims durch den Kurfürsten von Heidelberg wurde ca 1473 ersmals ein Stollen in den Branich eingetrieben, zum Abbau von Silbererzen.

Da der Betrieb eines Bergwerks die Möglichkeiten eines einzelnen überstieg wurde hier die früheste Form der kapitalistischen Wirtschaftsweise herausgebildet: Die Gewerkschaft. Die Inhaber besaßen normalerweise 32 Bergwerksanteile die ja nach Zahl Ihrer “Stämme” ihre” Zubußen”(Zuschüsse)  leisteten und im gleichen Verhältnis ihre Erträge erhielten. Die Kaufmännische Leitung lag in den Händen eines Schichtmeisters, die technische in den Händen  eines Bergmeisters.

Vorläufig eingestellt wurde der Abbau  erstmals nach 1494 (aus Fahrlässigkeit und Unfleiß, vielleicht auch aus Mangel bergwerksverständiger Leute).

Von einem zweiten Vesuch ist ausser einem Fragment einer gedruckten Bergwerksverordnung von von 1507 nichts überliefert. 1509 ließ sich Gregor Hirsch aus Schneeberg das freigewordene Bergwerk neu übertragen, nachdem er neue Erzgänge entdeckte. Streitigkeiten zwischen Hirsch und den Gewerken beendet auch diesen dritten Versuch. 1527 unternahm Michael Reyn einen erneuten Versuch, doch auch dieser Versuch wurde bald aufgegeben. 

 
Besuchereingang im Stollen

150 Jahre lang war es still um Stollen und Halden. 1698 interessierte sich Heinrich Stirezy durch von Staatsbehörden aufgebauschten Berichten für das Bergwerk und stellte zwei Bergleute ein, die das versprochene Eisenerz zu fördern. Immerhin wurde bei diesen Versuchen offenbar, das sich nur der Abbau von Vitriol und Alaun betrieben werden mußte. Mehrmals lockte es noch Interessenten an, aber zu verdienen war nicht viel.

Erst Eugen Schulmeister entdeckte auf der Such nach Bleiglanz und Kobalt auf das alte Silberbergwerk. Allerdings fand er nur Vitriolerz in abbauwürdiger Menge.

Je mehr der Ertrag stieg, desto mehr versuchten die reichen Frankfurter Gewerken, die Einheimischen aus der Gewerkschaft hinauszudrängen: sie trieben den Ausbau ohne Rücksicht auf Gewinn so schnell voran, daß den weniger vermögenden Mitgewerken infolge der wachsenden “Zubusen” der Atem ausgehen, mindestens der Besitz Ihrer “Stämme” und “Kuxen” Viertelstämme verleidet werden sollte. Dies führte wieder mal zu Streit bis der pfälzische Staat eingriff.

Ende 1799 stürzte der hintere Teil der Förderstrecke ein und der Kurs der Stämme viel von 600 Gulden auf 60-140 Gulden. Es folgte ein letztes Aufbäumen mit einer technischen Sanierung, aber wieder verwurstelte sich die Geschäftsführung und so kam es 1816 zu dem Vorschlag das Bergwerk durch eine Lotterie auszuspielen. Doch auch hier wurde solange gestritten, bis die Bergwerksanlagen vollends verfielen. So endete der Schriesheimer Vitriolbergbau im Jahre 1822.

Öffnungszeiten:
Von April bis einschl. Oktober an Sonn- und Feiertagen (außer Karfreitag) von 10.00 - 17.00 Uhr. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.

Information:
Besucherbergwerk "Grube Anna Elisabeth"
Talstraße 157 · 69198 Schriesheim
Tel. 06203 / 68167
Fax 06203 / 660186

Artikel und Bericht Udo Rauh

Homepage des Bergwerksvereins www.bergwerk-schriesheim.de.