11.09.2014

Weinlese startet mit geringer Menge, aber guten Werten

Gestern begann bei der WG die Weinlese 2014 - 28 Bottiche Dornfelder gingen noch am Abend zum Ausbau nach Breisach

Von Laura Geyer

Schriesheim. Randvolle Bottiche stehen vor dem Kelterhaus der Winzergenossenschaft Schriesheim (WG), prall und tiefblau glänzen die Trauben darin in der Sonne. Nach einer vorgezogenen Minilese beim Dornfelder (die RNZ berichtete) beginnt gestern das eigentliche Herbsten. Für WG-Geschäftsführer Harald Weiss zum 19. Mal, und heuer gut zehn Tage früher als im vergangenen Jahr. "Wir mussten reagieren, die Kirschessigfliege drohte, die Trauben zu schädigen", erklärt Weiss.

Gut 30 Prozent weniger als sonst hat man trotzdem schon wegen der "Mopedfliege", schätzt Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Krämer. Gestern ist der Rest der Rotweintraube dran, 28 Bottiche à 500 bis 550 Kilo sollen mit dem Lkw nach Breisach zum Badischen Winzerkeller gehen und dort noch am Abend entrappt, gequetscht und erhitzt werden.

Abgesehen von der Menge ist Weiss mit dem Lesegut zufrieden. Mit einem langen Stab sticht er dreimal in einen vollen Bottich hinein und lässt den Traubensaft auf sein Refraktometer tropfen. Auch die RNZ-Mitarbeiterin darf einmal hindurchsehen: 75 Grad Öchsle sind abzulesen. "Das ist für Dornfelder absolut brauchbar", meint Weiss zufrieden.

Mit der ersten Rotweintraube startet die Genossenschaft langsam in den diesjährigen Herbst. "Nur fünf, sechs Winzer haben Dornfelder", sagt Weiss. Heute kommt St. Laurent dazu, außerdem Müller-Thurgau bei dringendem Bedarf: "Wegen des vielen Regens haben wir hier mit Fäulnis zu tun", erklärt der WG-Geschäftsführer. Die Kirschessigfliege ist dagegen bei der Weißweintraube kein Problem.

Auf einer kleinen Tour durch die Weinberge zeigt er verschiedene Anlagen. In manchen Reihen sind viele braune Beeren an den Reben zu sehen, andere hängen "prachtvoll" da und bieten keinerlei verfrühten Handlungsbedarf, so Weiss: "Die kann man ruhig noch reifen lassen." 75 bis 80 Öchsle sind das Ziel.

Weiter oben zeigt der Weinbau-Ingenieur auf einen Elektrozaun, der einen Wingert abgrenzt. "Der schützt gegen Wildschweine", erklärt er, "die essen besonders gerne Sauvignon Blanc, weil der super lecker schmeckt". Begeistert ist der WG-Geschäftsführer dieses Jahr vom Spätburgunder. Dunkel und "wunderbar gefärbt" hängen die kleinen Trauben da, bis sie mindestens 100 Öchsle erreicht haben - in etwa zwei Wochen.

Bei einem Weinberg mit Grauburgunder möchte Weiss eine Probe entnehmen. Der Blick gleitet über die Spaliere, die perfekte Linien in die Landschaft zeichnen, und bleibt an den intensiv rötlich leuchtenden Trauben hängen. Weiss läuft durch eine Reihe, pickt einzelne Beeren heraus und lässt sie in einen Plastikbeutel fallen. "So eine Probe muss repräsentativ sein, damit der Öchslewert realistisch ist", erklärt er. Dann zerdrückt er die Beeren und lässt den Saft wieder aufs Refraktometer tropfen: 85 Grad. "Für den jetzigen Zeitpunkt ist das hervorragend", meint Weiss. Gelesen wird aber erst, wenn es Richtung 100 geht.

Im Kelterhaus ist inzwischen der gesamte Dornfelder da. Tobias Rell sitzt am Computer und erfasst jeden einzelnen Bottich: "Nummer 41, vom Ölberg", ruft sein Sohn Michael und hilft, das über der Waage baumelnde Gefäß abzustellen. 562 Kilo. Der Edelstahl glitzert in der Sonne, über den Trauben surren Bienen und Wespen. Schon wird der Bottich wieder angehoben und zur Seite gefahren, Lieferschein drauf, nächster Trog.

Richtig los geht es aber erst im Laufe der Woche, wenn die weiteren Rebsorten hinzukommen, 80 statt 28 Bottiche am Tag geliefert werden und im Kelterhaus die Pressen anfangen zu laufen - denn nur die Rotweintrauben gehen im Ganzen nach Breisach. Dann gibt es hier Schichtbetrieb und alles muss Hand in Hand gehen. Aber da macht sich Harald Weiss keine Sorgen: "Wir sind ein gutes, eingespieltes Team."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung