14.09.2014

Die Kinder wollen schaukeln, dürfen aber nicht

Schriesheim. Im August sollte der Spielplatz in der St.-Wolfgang-Straße eigentlich wieder öffnen - Jetzt hat die Stadt Rasen gesät, der erst anwachsen muss

Von Laura Geyer

Schriesheim. Vera Gebhard ist sauer. Mit ihrem dreijährigen Sohn Anton und dem einjährigen Emil steht sie vor dem Absperrgitter am Spielplatz in der St.-Wolfgang-Straße. Der neue Spielturm und die Schaukeln sind fertig, rein dürfen die Kleinen trotzdem nicht. Und das, obwohl es bei einer Baustellen-Begehung mit Bürgermeister Hansjörg Höfer und Bauamtsleiterin Astrid Fath vor einigen Wochen hieß, noch im August könnte der Platz wieder bespielt werden.

"Wir warten, dass der Rasen angeht", sagt Patrick Schmidt vom städtischen Bauamt auf RNZ-Anfrage, "wenn die Kinder jetzt drüberlaufen, sieht es aus wie Kraut und Rüben." Eigentlich war die Begrünung erst später geplant, dann habe man das Glück gehabt, einige Pflanzen früher zu bekommen. Und den Rasen gleich mit ausgesät. Wann genau das war, kann Schmidt nicht sagen; "vor ein paar Wochen", weiß er nur. 21 bis 28 Tage brauche das Gras, bis es eine Narbe bilde. "Demnächst" werde auch noch der Zaun lackiert, und dann könne "bald" aufgemacht werden, sagt Schmidt.

Vera Gebhard schüttelt den Kopf. "Wieso konnte man auf den paar Quadratmetern keinen Rollrasen nehmen?", fragt sich die 31-Jährige. Dann hätte man den seit Anfang Juli geschlossenen Spielplatz zumindest die letzten Sommertage noch nutzen können. Und sie müsste ihren Kindern nicht erklären, warum sie nicht schaukeln dürfen, obwohl alles fertig aussieht.

Und noch etwas ärgert sie. "Ich bin mit dem Spielplatz aufgewachsen", sagt die Schriesheimerin. Er sei nie "besonders" gewesen, habe sich aber im Sommer durch den Schatten ausgezeichnet, den die großen Bäume spendeten. Im Februar wurden sie gefällt - "da waren Viele schockiert", erzählt Gebhard. Jetzt knallt die Sonne direkt auf die Spielflächen, auch am späten Nachmittag beim RNZ-Gespräch vor Ort. "Man hat einen super Strahlenburg-Blick, und die Mütter können sich bräunen", versucht Gebhard es mit Humor zu nehmen. Das sei aber auch schon alles.

Im vorderen Bereich würden wieder Bäume gepflanzt, sagt Schmidt, allerdings nur kleinkronige. Ob die Stadt in Erwägung gezogen habe, die Eltern mit einem Schild am Gitter über den Stand der Dinge auf dem Spielplatz zu informieren? "Nein." Also werden Vera Gebhard und ihre Kinder wohl weiter täglich durch die St.-Wolfgang-Straße laufen und gucken, ob sie ihren Spielplatz endlich wieder erobern können.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung