16.09.2014

Weinjahrgang 2014: "Ein Jahrhundertjahrgang wird′s sicher nicht"

Winzer zwischen Heppenheim und Wiesloch über den Start der Weinlese - Etwas mehr Menge, bislang gute Qualitäten bei frühen Sorten

von Carsten Blaue: Schriesheim/Wiesloch/Leimen. Im Hintergrund dröhnen die Keltern des Weinguts Adam Müller in Leimen, die den Saft aus den Trauben vom Müller-Thurgau pressen: "Es sieht gut aus. Zwar unterdurchschnittliche Menge, aber überdurchschnittliche Qualität", übertönt Markus Müller den Krach durchs Telefon. "Ich hoffe, dass wir den ganzen Herbst jetzt so nach Hause bringen." So sehen es auch Müllers Kollegen zwischen Heppenheim und Wiesloch. Hier bringt es der Kellermeister des Winzerkellers, Jürgen Knopf, auf den Punkt: "Ein Jahrhundertjahrgang wird's sicher nicht, aber ein anständiger."

Die Wieslocher haben die frühen Sorten reingeholt. Regent mit bis zu 85 Grad Öchsle, Portugieser mit 75, den Müller-Thurgau bislang mit bis zu 80 Grad Öchsle Mostgewicht: "Das ist sehr ordentlich bis jetzt", so Knopf. Er rechnet unterm Strich mit etwa einem Drittel mehr Menge als voriges Jahr. Richtig viel ist das zwar auch nicht, aber immerhin. Mit 100 Kilogramm pro Ar kann er leben. Die Burgunder-Sorten kommen ja erst noch. Aber die sehen zumindest im Weinberg noch gut aus. Und in Sachen Drosophila Suzukii, der Kirschessigfliege, winkt Knopf ab: "Da wurde mehr Angst verbreitet als nötig. Wer übers Jahr guten Weinbau betrieben hat, der kam zurecht."

Zwar nimmt auch der Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG in Heppenheim, Otto Guthier, für seine Winzer in Anspruch, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben, aber: "Die Fliege hat uns gerade beim Dornfelder massive Probleme bereitet." Die durchschnittlich 77 Grad Öchsle bei seinem Müller-Thurgau findet er ordentlich, und die Menge sei bislang die größte seit 2010, unterstreicht er. Die Winzer sind da bescheidener geworden. Das Wetter spielt ihnen momentan in die Karten, mal abgesehen vom verregneten Samstag. Ansonsten ist es trocken, tagsüber nicht zu warm und auch nachts kühl genug. Aroma-Nächte, die zudem auch beginnende Fäule, etwa beim Riesling, nicht noch beschleunigen.

Und während Jürgen Knopf in Wiesloch davon ausgeht, dass auch die Weine des Jahrgangs 2014 den Verbrauchern "Spaß machen" werden, trauert Guthier den verheißungsvollen Monaten des Jahres etwas nach: "Frühe Blüte, früher Austrieb, und dann haben uns die verregneten Monate Juli und August eines Besseren belehrt. Die großen Potenziale dieses Jahrgangs wurden da verspielt." Es werde also ein Durchschnittsherbst.

Optimistischer klingt Harald Weiss, der Geschäftsführer der Schriesheimer Winzergenossenschaft: "Naja, natürlich hatten wir die nassen Monate, und auch bei uns hat die Fliege beim Dornfelder je nach Winzer 30 bis 50 Prozent kaputtgemacht. Aber wir haben auch noch große Chancen, wenn ich mir die Burgunder-Anlagen heute anschaue. Da hängt noch ordentliches Lesegut an den Stöcken. Entsprechend ist hier jetzt regelmäßige Kontrolle gefragt." Die Kunden würden sowieso nichts hören wollen über die Probleme: "Sie wollen ordentliche Weine, und momentan ist die Lage wirklich gut. Wenn wir alles so reinbringen wie den Müller-Thurgau mit seinen 80 Grad Öchsle im Schnitt, dann sind wir zufrieden. Aber hinterher werden wir dann wieder schlauer sein als jetzt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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