19.09.2014

Schriesheim: 25 Syrer beziehen den Kleinen Mönch 5

Nachbarn wurden erst am Mittwoch informiert und fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt - Kreis begründet schnelles Handeln

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am heutigen Freitag werden 25 Asylbewerber aus Syrien das Haus im Kleinen Mönch 5 beziehen. Das gab der Rhein-Neckar-Kreis gestern bekannt.

Es handelt sich um fünf jeweils fünfköpfige Familien, die für längstens zwei Jahre in Schriesheim unterkommen werden. Solange dauere es, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen sei, sagt Kreissprecher Thomas Rohleder gestern auf Anfrage. Zurzeit hätten die Flüchtlinge den Status als Asylbewerber mit Aufenthaltsgestattung. Wie Rohleder zudem mitteilt, habe der Kreis das Anwesen mit seinen drei Wohnungen zunächst für drei Jahre angemietet. Die Anwohner wurden am Mittwochnachmittag in einer gemeinsamen Postwurfsendung von Stadt und Kreis über ihre künftigen Nachbarn informiert. Viele der Bürger finden die Mitteilung erst gestern morgen und sind entsprechend überrascht.

Das Haus im Kleinen Mönch 5 liegt ruhig in bester Wohnlage und mit freiem Blick auf die Strahlenburg. Es wirkt nicht mehr ganz frisch, der Vorgarten wurde schon länger nicht gemacht. Am Balkon, über dem eine Satellitenschüssel montiert ist, heben sich die Fliesen. Schon lange habe die Eigentümerin versucht, das Haus zu verkaufen, sagen Nachbarn. Seit Jahren stehe das Objekt leer. Ende August wurde es dem Rhein-Neckar-Kreis angeboten, der es nun dringend für die Unterbringung brauchte. Gestern Morgen, sagen Anwohner, seien Lastwagen mit Möbeln für die Syrer gekommen. Es ging alles sehr schnell.

Die befragten Nachbarn, die anonym bleiben wollen, fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Alle, mit denen man spricht, betonen, dass sie die Hilfe für die Flüchtlinge begrüßen: "Die Menschen müssen ja irgendwo unterkommen", heißt es. Oder: "Es kann jeder verstehen, dass die Leute untergebracht werden müssen." Aber die Bürger im Kleinen Mönch sagen auch: "Wir können nichts mehr tun und wurden nicht mal so frühzeitig informiert, dass man noch einmal darüber sprechen kann. So geht man mit Bürgern einfach nicht um." Die Behörden wollten doch nur verhindern, dass sich hier eine Bürgerinitiative gründet, glaubt ein Nachbar.

Die Stimmung schwankt zwischen Skepsis und Offenheit. Eine Frau sagt: "Ich fühle mich jetzt etwas unwohl. Vielleicht ist die Sorge ja unbegründet. Aber es sind nun mal Fremde." Ihr Nachbar ist gelassener: "Wenn es nur vorübergehend ist, dann ist es ja gar nicht so schlimm. Ich denke, die Menschen werden sich in unserer Nachbarschaft wohl fühlen. Das Hauptproblem wird sicherlich die Sprache sein."

Die Betreuung der Asylbewerber übernehme vor Ort der Rhein-Neckar-Kreis, informiert Pressesprecher Rohleder. Außerdem würden derzeit "Bemühungen laufen", ein Netzwerk für ehrenamtliche Helfer aufzubauen. Darüber hinaus wirbt Rohleder für Verständnis für das Timing der Unterbringung: "Es herrscht derzeit eine sehr angespannte Zugangssituation. Die untere Aufnahmebehörde des Rhein-Neckar-Kreises hat Anfang dieser Woche die Mitteilung erhalten, dass noch in der laufenden Woche 60 Personen unterzubringen sind. Diese Aufgaben können nur dann bewältigt werden, wenn eine zeitnahe und umgehende Belegung erfolgt, wie jetzt auch in Schriesheim." Der Kreissprecher ergänzt darüber hinaus: "Nach Paragraf 8 Flüchtlingsaufnahmegesetz erfolgt die vorläufige Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften und in Wohnungen. Da die vorhandenen Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber im Rhein-Neckar-Kreis derzeit nicht mehr ausreichen, den Unterbringungsbedarf zu decken, ist der Rhein-Neckar-Kreis nach wie vor auf der Suche nach geeigneten Wohnungen im Kreisgebiet." Insofern könne er nicht ausschließen, dass weitere Flüchtlinge nach Schriesheim kommen. Aktuell sei das aber nicht geplant, so Rohleder.

Dieser teilt auf Anfrage mit, der Kreis habe die Stadtverwaltung bereits am vergangenen Freitag darüber informiert, dass das Landratsamt die Anmietung des Kleinen Mönch 5 und die Unterbringung der Asylbewerber plane. Schon deshalb wundern sich die Bürger darüber, dass sie so spät informiert wurden. Dazu Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern: "Mir gegenüber wurde am Freitag mitgeteilt, dass der Mietvertrag erst in dieser Woche unterzeichnet wird. Ich bat darum, mich sofort zu informieren, wenn das geschehen ist. Meines Wissens wurde der Vertrag am Dienstag unterschrieben. Daraufhin habe ich sofort die Postwurfsendung an die Haushalte in der Nachbarschaft veranlasst."

Am Mittwochabend wurde zudem der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung über die Ankunft der Asylbewerber informiert: "Ich hätte mir auch mehr Zeit gewünscht", so Höfer: "Aber wir sollten jetzt das Beste aus der Situation machen." Zumal auch der Rhein-Neckar-Kreis in der Frage der Flüchtlingsunterbringung "ein Getriebener" sei. Außerdem seien hier alle Kommunen betroffen: "Es war nur eine Frage der Zeit, wann es auch in Schriesheim soweit ist."

Der Bürgermeister erinnert an das Schicksal der Asylbewerber und die daraus folgende Verpflichtung: "Die Betroffenen kommen direkt aus der Bürgerkriegsregion in Syrien und wurden zur Flucht gezwungen. Daraus erwächst unsere Verantwortung, schnell zu helfen und sie mit offenen Armen zu empfangen. Das ist eine wichtige Grundhaltung. Hier bei uns können sie sicher leben."




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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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