22.09.2014

Syrische Flüchtlinge in Schriesheim angekommen

Seit gestern sind die fünf syrischen Flüchtlingsfamilien in Schriesheim. Jetzt soll die Unterstützung für sie koordiniert werden.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die fünf syrischen Flüchtlingsfamilien sind gestern in Schriesheim angekommen und haben das Haus im Kleinen Mönch 5 bezogen. An der Eingangstür wurden Namensschilder an die Klingeln geklebt. Wo gestern noch totale Stille war, sind jetzt von drinnen leise die Stimmen zu hören. Von Erwachsenen und von Kindern. "Es sind alle da", sagt Grünen-Stadt- und Kreisrätin Fadime Tuncer, die sich nach Rücksprache mit dem Rhein-Neckar-Kreis vor Ort ehrenamtlich um die Asylbewerber kümmert.

Diese werden zuerst aber unter Federführung Landratsamtes unterstützt, zum Beispiel von Sozialpädagoge Herbert Eppel. Er begleitete die Syrer gestern auf ihrer letzten Etappe über Karlsruhe und Mannheim an die Bergstraße. Eppel ist Ansprechpartner für die Flüchtlinge in allen Fragen. Zum Beispiel auch, wenn es darum geht, einen Arzt aufzusuchen. Tuncer wird ihm über das Wochenende eine Liste der niedergelassenen Mediziner in Schriesheim zusammenstellen. Es geht darum, den Syrern ihr Ankommen in Schriesheim zu erleichtern. Deswegen ist auch Tuncer da.

Für die "Erstausstattung" in den drei Wohnungen des Hauses hat der Rhein-Neckar-Kreis gesorgt. Dennoch geht Tuncer mit einigen der Familienmitglieder am Freitagnachmittag erst mal in den Supermärkten an der Robert-Bosch-Straße einkaufen.

Schon das ist nicht so leicht: "Aus religiösen Gründen dürfen sie gar nicht alles essen", erklärt Tuncer. Die größte Barriere beim Helfen ist die Sprache. Es geht nur auf Englisch, und das ist auch nicht immer leicht. Aber mit etwas Geduld und ein paar Anläufen klappt es. So fragt der Vater einer der Familien nach einem "Samowa" zum Teekochen. Auch da wird sich eine Lösung finden.

Was auffällt, ist die Aufgeschlossenheit der Ankömmlinge. Sie lächeln, versuchen sich verständlich zu machen und grüßen zurück, als ihnen Nachbarn von einem Balkon in der Panoramastraße zuwinken.

Die Kinder der Familien sind zwischen acht Monaten und 16 Jahren alt. Noch weiß man nicht, was sie und ihre Eltern durchmachen mussten. Nach Aussage des Rhein-Neckar-Kreises kommen sie direkt aus den Bürgerkriegsgebieten in ihrer Heimat. Über Libyen und Italien führte ihr Weg nach Deutschland, wie einer der Väter sagt. So, wie es aussieht, wird der Kleine Mönch 5 in Schriesheim für die nächsten zwei Jahre ihr Zuhause sein. Solange dauere es laut Landratsamt, bis das Asylverfahren abgeschlossen sei. Bis dahin haben die Flüchtlinge den Status von Asylbewerbern mit Aufenthaltsgestattung.

Zunächst geht es aber darum, die Unterstützung für sie in Gang zu bringen, und das solle koordiniert ablaufen, sagt Tuncer: "Man sollte also nicht einfach etwas hier vorbeibringen". Man wolle erst in Ruhe schauen, was die Flüchtlinge brauchen. Dann werde man sich an die Stadt und Institutionen wenden, wohl auch an die Kirchengemeinden. Hier und im Rathaus warte man bereits auf entsprechende Informationen, freut sich Tuncer. Die Hilfe läuft an.

Derweil hörte man in Schriesheim Mutmaßungen, der Rhein-Neckar-Kreis könne auch seine Immobilie des ehemaligen Kreisaltenheimes in der Strahlenbergerstraße als Flüchtlingsunterkunft im Auge haben. Kreissprecher Thomas Rohleder sagt dazu gestern auf Anfrage: "Diese Möglichkeit wurde bereits überprüft. Mit dem Ergebnis, dass eine solche Nutzung derzeit nicht in Frage kommt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung