30.09.2014

In Schriesheim steht der Minigolf-Europacup an

In Schriesheim steht der Minigolf-Europacup anHeute Gruppenauslosung im Zehntkeller

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Im Vereinsheim des Minigolfclubs (MCS) stehen Transportkartons von der Größe kleiner Tigerkäfige, in denen große Bildschirme auf ihren Einsatz warten. Draußen ist alles auf Hochglanz poliert, die Grünanlagen in Schuss, die Bahnen frisch hergerichtet und erweitert: Die Vorbereitungen für den Minigolf-Europacup liegen in den sprichwörtlichen letzten Zügen. Vom 2. bis 4. Oktober wird auf den Eternitbahnen der Anlage gespielt, bereits am Donnerstag sind die ersten Teilnehmer angereist. Erwartet werden fünf Damen- und sieben Herrenmannschaften aus Schweden, Finnland, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Portugal, Italien, den Niederlanden und Deutschland -mit Freunden, Familien, Trainern und Betreuern knapp 150 Besucher.

Untergebracht sind sie in Hotels in Großsachsen und Hirschberg oder in einer Ferienwohnung in Heiligkreuzsteinach. "Das ist ein sehr prestigeträchtiges Turnier", sagt Pressewartin Nassim Alizadeh, die zu den 20 Helfern des MCS gehört, die die Großveranstaltung organisieren. Los geht es am heutigen Dienstag mit dem Eröffnungsabend im Zehntkeller, an dem die Auslosung der Startgruppen vorgenommen wird. Für die anschließenden Spieltage hat sich Sport-Prominenz wie DOSB-Präsident Alfons Hörmann angekündigt.

Schon vor zehn Tagen trainierten hier schon die Mitglieder der schwedischen Mannschaft. Ihre Coaches, berichtet Alizadeh, hätten danach eine Palette mit 2000 Bällen geschickt, die auf der Anlage "eingespielt" werden. Dann werden Listen angelegt, welche Bälle für welche Bahnen am besten geeignet sind. Ein Trainer hütet und temperiert die Bälle dann beim Spiel.

Denn nicht jeder Ball ist ideal für jede Bahn, und manche ändern ihre Lauf-Eigenschaften je nach Temperatur. Manche Spieler schwören auf Bälle mit Körpertemperatur. "Man erkennt einen Profi-Minigolfer oft daran, dass aus seiner Hosentasche eine Socke herausschaut", weiß Alizadeh. Dort darf der Ball dann verweilen, bis sein Einsatz gekommen ist. Die quietschbunten Farben und Muster mancher Socken, vermutet sie, sind wohl Glücksbringer.

Sie weiß auch, dass es verschiedene "Rituale" gibt, wenn es ernst wird: "Manche Spieler suchen sich eine ruhige Ecke, wollen mit niemandem mehr reden, andere haben Kopfhörer auf und hören Musik." Hinter den meisten liegen intensives Training und viele Wettkämpfe. "Sie haben vermutlich alle tolerante Arbeitgeber, die ihnen immer wieder frei geben." Was die einzelnen Teilnehmer beruflich machen, weiß Alizadeh nicht. Nur so viel: Nach wie vor ist Minigolf eine "Randsportart", Spieler, die von ihrem Sport leben können, gibt es nicht. Auch kein ideales Alter. Es gibt Spitzenspieler mit 25, aber auch mit 50 Jahren. Viele trainieren bereits seit Jahrzehnten zusammen und sind eng befreundet. Deshalb haben sie auch gemeinsame Unternehmungen geplant. Die Finnen etwa haben Karten für ein Spiel der Mannheimer "Adler" gebucht.

Wer jetzt anreist, trainiert bereits auf der Anlage. Zaungäste sind dazu willkommen, auch bei den Wettkämpfen. Dann darf man von der Terrasse oder den Böschungen aus zuschauen. Vor dem Vereinsgelände ist ein "Spielerdorf" mit Zelten aufgebaut, an allen Tagen sorgt der Verein für Verpflegung, bereitet Tagesessen und kleine Gerichte zu. Die Bildschirme, die dann ebenfalls installiert sind, zeigen die Spielstände. Zur Anlage hat Alizadeh auch noch etwas zu sagen: "Profis empfinden sie manchmal als zu ,leicht'". Das wiederum mache die Wertung schwer. Bei den zuvor in Schriesheim ausgetragenen Bundesligaspielen habe nämlich kaum ein Spieler schlechter gespielt als 20 Punkte: "Und dann entscheidet der kleinste Fehler über Sieg oder Niederlage."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung