06.10.2014

Edle Turnierpferde und kostümierte Kutscher

Eine einmalige Unternehmung zum dreifachen Jubiläum: die historische Kutschfahrt von Schriesheim nach Weinheim und Lorsch

Von Sarah Khouri

Weinheim/Schriesheim/Lorsch. Für Kinder ist es ein Ereignis, wenn eine Kutsche am Fenster vorbeifährt. Wenn zehn Gespanne unterwegs sind, stehen auch Erwachsene erwartungsvoll am Straßenrand. Um gemeinsam Jubiläum zu feiern - Weinheim wird 750, Schriesheim und Lorsch jeweils 1250 Jahre alt - luden die drei Städte zu einer Fahrt auf ihren ländlichen Wegen ein, in Kutschen, die sonst im Museum stehen.

"Um alle drei Orte miteinzubeziehen, wollten wir eine mobile Feier", erklärte Roland Kern, Pressesprecher der Stadt Weinheim. Mit acht von Heinz Scheidel und zwei von Andreas Huben zur Verfügung gestellten historischen Kutschen habe sich eine Lösung ergeben, die besser nicht hätte passen können. Die von 30 edlen Turnierpferden gezogenen Wagen, alle um 1900 gebaut, suggerierten tatsächlich eine Reise zurück in die Vergangenheit.

Gesteuert wurde der "Kutschen-Convoy" von Fahr- und Reitsportlern wie Thomas Kreidler und Regine Wolf aus Lampertheim, die entsprechende Kutscherkostüme trugen.

Ebenfalls stilsicher gekleidet, in aufwändigen schwarzen Trachten, kletterten die Bürgermeister von Schriesheim und Lorsch, Hansjörg Hofer und Christian Schönung, sowie der Weinheimer Oberbürgermeister Heiner Bernhard am Startpunkt Schriesheim in das Prachtexemplar: die gelb, grün und schwarz lackierte "Walther Coach" wurde von jeher nur zu feierlichen Anlässen ausgefahren. "Die Rathauschefs wurden daher gebeten, sich besonders galant anzuziehen", verrät Kern. Dennoch haben auch die übrigen Passagiere auf angemessene Kleidung geachtet: ohne Hut oder Stiefel reiste kaum jemand.

Aufsehen erregten auch die Landräte Stefan Dallinger (badischer Rhein-Neckar-Kreis) und Matthias Wilkes (hessischer Kreis Bergstraße) in einem neu restaurierten Jagdwagen. Pferde- und Kutschenexperte Manfred Beier, der Interessierten in Schriesheim, Weinheim und Lorsch die einfahrenden Wagen vorstellte, machte darauf aufmerksam, dass bei den Reparaturen nach streng traditionellem Handwerk gearbeitet wird.

Auch im Weinheimer Schlosspark, wo die Mittagsrast stattfand, gab man sich Mühe mit dem Dresscode: Rudolf Large, Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Weinheim, kam in einem Sanitäterkittel aus den 1950er Jahren. "Der älteste, den wir haben", entschuldigte er.

Zu den jüngsten Kutschenpassagieren gehörten die Reiterinnen Liliana (11) und Sophie Hutter (17). "Wir lieben die alten Kutschen. Die Fahrt über die Weinfelder war wunderschön", beschrieben sie die erste Etappe.

"Die Leute sind begeistert", bemerkte Torsten Filsinger, Beauftragter für das Stadtjubiläum, zufrieden, "wir haben gar nicht genug Kutschen für all die Leute, die spontan noch mitfahren wollen."

Die zweite Etappe, von Weinheim zum Kloster in Lorsch, war die längere. Insgesamt legten die Kutschen eine Strecke von 28 Kilometern zurück. "Für die Pferde und Kutschen ist das im Rahmen", bestätigte Kutscherin Regine Wolf. Trotzdem sei die Fahrt in dieser Form eine seltene, womöglich einmalige Unternehmung. Also genau das Richtige für das dreifache Stadtjubiläum.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung