08.10.2014

Schriesheimer Delegation feierte in Uzès 30 Jahre Partnerschaft

am 3. Oktober reiste eine Delegation aus Schriesheim anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft nach Uzès.

Von Carsten Blaue

Uzès. Über dem Rathaus von Uzès steht in großen Lettern "Willkommen Schriesheim". Darüber wehen drei Fahnen, die französische, die deutsche und die europäische. Es ist Freitag, der 3. Oktober. Eine von Bürgermeister Hansjörg Höfer und dessen Frau Birgit angeführte 80-köpfige Delegation ist aus Schriesheim angereist, um mit den französischen Freunden das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu feiern. Die Stimmung ist prächtig, der Empfang warmherzig. Die Franzosen haben sich ins Zeug gelegt bei der Organisation dieses Jubiläumstags. Er ist der protokollarische Höhepunkt einer rundum gelungenen, fünftägigen Reise (siehe weiteren Bericht).

Dass die Feierlichkeiten in Uzès mit dem Tag der deutschen Einheit einhergehen, findet die gebührende Beachtung und Würdigung. Vor allem aber ist es die Herzlichkeit, die diesen Tag in Uzès ausmacht. Denn es geht nicht nur hoch offiziell zu, sondern auch südfranzösisch ungezwungen. Tanz, Musik, Spiel und interessante Entdeckungen stehen ebenso im Programm. Und natürlich kommt - eine Ehrensache für Uzètiens - auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Die Schriesheimer wissen es zu schätzen. Zunächst werden sie in der Salle Malraux, dem Trausaal des Rathauses, empfangen und von Bürgermeister Jean-Luc Chapon begrüßt. Höfer gratuliert ihm zur Wiederwahl und hofft auf Besuche seines Kollegen in Schriesheim in dessen weiterer Amtszeit. Höfers erstes Geschenk mag Chapon diese Entscheidung erleichtern: eine enorm große Flasche Williams vom Obsthof Jäck samt Gläsern. Auch der Präsident des Comité de Jumelage, Gérard Bonneau, bekommt Schnaps im Magnum-Format. Es sollten nicht die letzten gewichtigen Geschenke dieses Tages sein, der für die Schriesheimer mit kleinen Exkursionen weitergeht. Vier stellen die Gastgeber zur Auswahl, interessant sind sie alle.

Eine Gruppe macht sich auf den Weg, um Sehenswürdiges anzusteuern, das man sonst bei keinem Stadtrundgang zu Gesicht bekommt. Andere widmen sich bedeutenden Bürgern der Stadt im Musée Georges Borias oder den handwerklichen Arbeiten von Schülern des Lycées Guynemer. Wer es kulinarisch mag, besucht das Atelier de café, eine Kaffeerösterei. Danach treffen sich alle wieder in der "Passage de Schriesheim". Diese verbindet etwas außerhalb des Altstadtrings die Avenue Jean Jaurès und einen Parkplatz. Ein Waschsalon und ein Fachgeschäft für Hundebedarf sind an der "Passage" zu finden. In diesem Umfeld räumt Uzès also der Städtepartnerschaft ihren Platz ein.

Hier plätschert der Brunnen, der zum 20-Jährigen der Jumelage eingeweiht wurde. Nicht weit daneben findet am Freitag ein großer Granitstein seinen Platz in einem frisch angelegten Blumenbeet. Schriesheims Steinmetz Herbert Wink hat ihn gestiftet, enthüllt wird das Gastgeschenk von den beiden Bürgermeistern. Die Gravur "860 Kilometer Schriesheim" belegt höchstens die räumliche Distanz zwischen den Städten. Zwischen die Freundschaften insbesondere derjenigen, die die Jumelage in Schriesheim und Uzès tragen, passt hingegen nicht mal ein Blatt. Das merkt man den ganzen Tag und erkennt man schon an kleinen Gesten, wie den Tannenhoniggläschen aus der "Partnerschaftsernte", die beim Mittagessen in der "Salle de 'Ancien Evêché" unweit des Bischofspalastes an jedem Platz stehen. Auch Stadtbaumeisterin Astrid Fath und die mitgereisten Stadträte freuen sich darüber: Heinz Waegner (Grüne), Rainer Dellbrügge (SPD), und Wolfgang Renkenberger (FDP) mit ihren Frauen sowie Karl Reidinger (CDU). Auch Alt-Stadtrat Hans-Jürgen Krieger (SPD) unterbricht mit seiner Gattin den Burgund-Urlaub, um diesen Tag zu erleben. Dass kein Stadtrat der Freien Wähler dabei ist, wird in der Schriesheimer Reisegruppe registriert. Die Wählervereinigung verpasst zum Beispiel auch den Auftritt der Tänzerinnen der Gruppe "Tierra Sevillana" in der warmen Nachmittagssonne auf der "Place aux Herbes". Viel Beifall für die spanische Folklore. Doch zum Mittanzen lassen sich die Wenigsten hinreißen. Weinkönigin Lena gehört zu den Mutigen, die beim spontanen Crashkurs im Sevillanas-Tanzen mitmachen.

Inzwischen haben sich viele Bürger vor der Bühne eingefunden - nicht nur, um den Apéritiv zu genießen, zu dem die Stadt ihre Bevölkerung eingeladen hat, sondern auch, um den Reden zu folgen, die an die Anfänge der Jumelage erinnern und ihre Zukunft beschwören. Chapon blickt zurück auf die Initiative des heutigen Ehrenvorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Horst Schütze, die die Städtepartnerschaft überhaupt erst möglich machte.

Höfer unterstreicht, wie wichtig es ist, dass die Städtefreundschaft lebendig bleibt, "damit auch unsere Kinder wissen, dass Deutsche und Franzosen Freunde und die Stabilisatoren Europas sind." Bei Weinkönigin Lena ist diese Botschaft längst angekommen. Sie hält ihre Rede tadellos auf französisch und zeigt darin ihren Stolz, "dass Schriesheim eine so freundliche und schöne Partnerstadt hat". Dass man in 30 Jahren viel voneinander gelernt habe, betont Bonneau: "Hier sind Freundschaften und Familien entstanden." 30 Jahre Partnerschaft, das seien auch 30 Jahre ihres Lebens, so Claudia Ebert, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins. Dankbar sei sie, an der Jumelage von Anfang an mitgearbeitet zu haben. Ebert ist es auch, die im Rahmen des Abendessens in der "Salle de l'Ancien Evêché" eine besondere Auszeichnung vornimmt. Sie verleiht Bonneau und Schütze für ihren Einsatz zugunsten der Partnerschaft den Deutsch-französischen Freundschaftspreis im Namen des Badisch-Elsässischen Freundschaftsbundes. Die beiden Jumelage-Motoren dürfen sich nun "Brückenbauer Europas" nennen.

Es ist einer der Höhepunkte an einem geselligen Abend, der von der städtischen Musikschule umrahmt wird. Deren Akteure hatten kräftig geübt - auch für die Gestaltung des Mittagessens oder der Zeremonie am Nachmittag auf der "Place aux Herbes", wo die Nationalhymnen und sogar das Schriesheimer Lied erklangen. Die Musiker können nach ihren gelungenen Auftritten durchatmen. Die Schriesheimer haben am Abend jedoch noch eine gewichtige Aufgabe vor sich. Sie werden im Bus eine enorm große Tonvase sicher und unbeschadet nach Hause bringen müssen - das Geschenk der Gastgeber zum 30-jährigen Jubiläum der Jumelage, dessen Feier in Uzès ein weiterer Meilenstein in der Chronik dieser Jumelage ist.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung