10.11.2014

"Rock n' Riesling" in Schriesheim: "Rockmusik muss laut sein"

Die Fans waren aus dem Häuschen: 26. Auflage von "Rock'n'Riesling" mit den "South West Allstars" brachte Zehntkeller zum Beben

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Haarzellen heißen die kleinen Nervenzellen im Innenohr, die am Samstagabend vermutlich zu Tausenden gestorben sind - je nachdem, wie nah ihre Besitzer beim Konzert der "South West Allstars" den Boxen gekommen sind. "Ach, was!", winkt Konzert-Mitorganisator Wolfgang Amann am Ende des Abends ab: "Rockmusik muss laut sein." Als Kopf der "T-Band" weiß er, wovon er spricht. Außerdem hat er mit der Winzergenossenschaft (WG) jetzt das 26. Mal "Rock'n'Riesling" auf die Bühne gebracht.

Dort steht ganz vorne Marion LaMarché, an deren spektakulären Auftritt 2006 sich noch viele im Publikum erinnern. Ein weiteres bekanntes Gesicht der "Allstars" ist Gitarren-Artist Christian Gasch, in Schriesheim aufgewachsen und bekennender Fan der "Rock'n'Riesling"-Nächte. Die übrigen Musiker sorgen dafür, dass man sie im Laufe des Abends kennenlernt. Wie die gut gelaunte Sängerin Bernadette Ahl, die mit unermüdlicher Energie über die Bühne fegt, die Hände zum Klatschen hochreißt und den Abend mit einer fetzigen Version von Christopher Cross' "Ride like the wind" eröffnet. Keyboarder Robert Ahl übernimmt das Mikro, Bassist Steffen Kistner und Drummer Patrick Metzger bilden das Klangfundament, das die Combo den ganzen Abend über trägt: Großartig beide, blind auf einander eingespielt. Sie begeistern mit "Samba Pa Ti": Das Santana-Instrumental trifft den Geschmack des Publikums ebenso wie die Achtziger-Hits - "Tainted Love" oder "Eye of the tiger" -, die einen in die Discos der Teenagerzeit zurückversetzen, als man mit cooler Miene erste Tanzschritte versuchte.

Die Coolness hat man mittlerweile abgelegt, singt unbefangen die Refrains mit, Ehrensache ist nach wie vor aber die Lautstärke: wummernder Bass, kräftiges Schlagzeug.

Viele im Publikum waren klein oder noch gar nicht geboren, als Janis Joplin ihre großen Hits herausbrachte. Wie Marion LaMarché, die gleichwohl selbstbewusst ankündigt: "Ihr könnt mich alles fragen über sie." Damit begeistert man noch keinen. Es ist vielmehr ihre Art, sich die Stücke zu eigen zu machen, mit der die Sängerin das Publikum völlig für sich einnimmt. "Piece of my heart" - "Ein Stück meines Herzens" - das ist Joplins Musik wohl tatsächlich für LaMarché.

Sie flüstert, schreit, weint ins Mikro, sie tobt und flucht ganz so wie ihr Vorbild, und im Zuschauerraum stehen die Fans dicht gedrängt, feiern oder staunen einfach mit großen Augen. Etwa bei "Cry Babe": Mit ihrer Wahnsinns-Stimme reißt LaMarché jeden mit, selbstvergessen klatschen und singen die Besucher, während die Boxen im Takt vibrieren und die Bässe im Zwerchfell kitzeln. Nach dem unglaublichen "Bobby McGee" fragt man sich: Wie will die Band jetzt weiter machen? Aha, ein Keyboard-Intro, die Sängerin zückt eine Querflöte, und es funktioniert: mit "Locomotive Breath" von Jethro Tull. Dann noch "Purple Rain", und der Abend schwenkt ein auf die Sechziger und Siebziger: "Smoke on the water", "Satisfaction", und die Lautsprecher werden bis zum oberen Ende der Skala aufgedreht.

In der letzten Pause trifft sich noch einmal alles im kleinen Probierkeller, holt sich ein Glas kühlen Weißwein, und WG-Geschäftsführer Harald Weiss stößt tiefenentspannt an: "Ich bin sehr zufrieden, wir haben genau 268 Karten verkauft." Heißt: Zu 90 Prozent ausverkauft. Zu 100 Prozent begeistert sind wohl alle nach der letzten Zugabe. "Simply the Best" ist für sie das Fazit des Abends. Trotz des mutmaßlichen Haarzellenverlustes.
Genau 268 Karten verkauft, tolle Band engagiert: Die Winzergenossenschaft konnte am Samstagabend mit 'Rock'n'Riesling' zufrieden sein. Foto: Dorn

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"Rock n' Riesling" in Schriesheim: "Rockmusik muss laut sein"-2

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung