07.12.2014

Schriesheimer Volksbank plant Abriss und Neubau ihrer Filiale

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Normalerweise lädt Bürgermeister Hansjörg Höfer im Vorfeld von Sitzungen des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) nicht zur Präsentation einzelner Bauprojekte ein. Schon gar nicht, wenn die Stadt nicht selbst die Bauherrin ist. Gestern machte er eine Ausnahme: "Dieses Vorhaben ist von solch städtebaulicher Bedeutung, dass es vorgestellt werden sollte." Vor allem ist es auch von gewerbepolitischer Bedeutung für die Stadt. Die Volksbank Kurpfalz H+G Bank möchte ihre Filiale in der Bismarckstraße abreißen und an gleicher Stelle neu bauen - verbunden mit einem erheblichen Anteil an Wohnungen und einer Tiefgarage.

Dem ATU liegt am Montag die Bauvoranfrage vor, mit der es zunächst um die grundsätzliche Position des Gremiums zu diesem Projekt geht. In die verbindliche Planung würde es erst zu einem späteren Zeitpunkt in einem Bauantrag münden. "Der Ausschuss hat in jedem Fall das letzte Wort", betonte Höfer, der den gestrigen Termin keinesfalls als Vorgriff auf die ATU-Entscheidung verstanden wissen wollte. Für die Volksbank erläuterten deren Vorstandssprecher Friedrich Ewald sowie Regionalleiter Nord, Jürgen Seib, die Entwürfe und wie es zur Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat kam, einen Neubau ins Auge zu fassen: "Wir haben das Gebäude von Experten auf den Reparatur- und Sanierungsbedarf hin untersuchen lassen", so Ewald. Danach war klar, dass eine größere Baumaßnahme nötig ist: "Und wir haben mehr Probleme erkannt als erwartet." Heizung und Klimaanlage sind kaputt. Da ein Teil der Wärme aus einer Fußbodenheizung kommt, wäre alleine hier der Austausch eine größere Sache. Dazu mangelt es dem Gebäude an Wärmeschutz und Barrierefreiheit für Kunden und Mitarbeiter: "Das Haus ist eben von 1980", so Ewald. Das rückwärtige Gebäude, heute Sitz der bankeigenen Kurpfalz-Immobilien GmbH, ist noch älter.

Also blieb nach allen Expertisen nur die Entscheidung für den Abriss und den Bau eines Hauses, "das allen zeitgemäßen Anforderungen entspricht", so Ewald. Und zwar sowohl baulich als auch in Bezug auf das Bankgeschäft. Geplant ist ein in sich zusammenhängender, dreigliedriger Neubau. Aus dem Erdgeschoss erwächst demnach entlang der Bismarckstraße ein dreigeschossiger Baukörper mit Satteldach und einer Gesamthöhe von 14,5 Metern. Von diesem gehen im rechten Winkel zwei separate, durch einen Lichthof getrennte Gebäudeteile ab, die mit Flachdach eine Höhe von 10,8 Metern aufweisen würden. Zu acht oberirdischen Parkplätzen käme eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen. Stadtbaumeisterin Astrid Fath unterstrich, dass sich das neue Gebäude laut Baurechtsparagraf 34 in die Umgebung einpassen würde. Die Volksbank-Filiale liegt nicht in einem Bebauungsplangebiet.

Die momentan kalkulierten Baukosten würden bei 6,4 Millionen Euro liegen, so Ewald. Dazu würden weitere 1,6 Millionen Euro für die Bankeinrichtung kommen. Das Geldinstitut wäre froh, wenn es vorbehaltlich aller kommunalpolitischen Gremienentscheidungen im ersten Halbjahr 2015 mit dem Abriss beginnen könnte. Mit einer Bauzeit unter zwei Jahren ist nicht zu rechnen. Solange müsste der Geschäftsbetrieb in einer sogenannten Übergangsfiliale weitergeführt werden. Aus Sicht der Bank wäre dafür der Bereich beim Rathaus-Vorplatz ideal: "Wir wären dankbar, wenn das gehen würde", so Ewald, der unterstrich, dass das Projekt auch ein "Bekenntnis zum Standort Schriesheim" sei. Dieser für die Volksbank Kurpfalz H+G Bank kein gewöhnlicher: "Denn er ist Sitz eines unserer drei Regionalleiter", unterstrich der Vorstandssprecher mit Blick auf Seib.

Zwar soll die Gesamtfläche der Bank in ihrer neuen Filiale kleiner sein: "Aber nicht für die Kunden. Alle unsere Dienstleistungen würden bleiben. Zudem würden wir eine erheblich größere Kunden-SB-Zone einrichten", so Ewald. Das heißt auch: Mehr Terminals zur Erledigung der Bankgeschäfte. Zudem würde die Kurpfalz-Immobilien GmbH unter das Dach des Neubaus ziehen. Nach Heidelberg verlagert würden dagegen die Personalabteilung, die Innenrevision sowie das Qualitätsmanagement der Bank, alles in allem etwa 15 Arbeitsplätze: "Hier haben wir noch räumliche Kapazitäten", so Ewald. Auf Nachfrage zeigte sich Höfer von den ersten Entwürfen überzeugt: "Das Gebäude fügt sich ein und ist städtebaulich gelungen. Und sehr wichtig ist auch, dass die Filiale in Schriesheim bleibt." Er könne dem ATU daher die Zustimmung zur Bauvoranfrage empfehlen.

Fi Info: Sitzung des ATU am Montag, 8. Dezember, 17.30 (!) Uhr, Rathaus. Darin auch: Bauantrag für das Ärztehaus mit Tiefgarage auf dem Gelände des Hotels "Zur Pfalz".
'Ein Vorhaben von solch städtebaulicher Bedeutung sollte zunächst vorgestellt werden': Bürgermeister Hansjörg Höfer (M.) empfing den Vorstandssprecher der Volksbank Kurpfalz H+G Bank, Friedrich Ewald (2. v. l.), und deren Regionalleiter Nord, Jürgen Seib (l.), gestern im Beisein von Stadtbaumeisterin Astrid Fath im Rathaus. Fotos: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung