23.12.2014

Schriesheims Evangelische Stadtkirche wieder eingeweiht

Schriesheim. (sk) Dass am kürzesten Tag des Jahres wieder Kerzen in der Kirche angezündet wurden, hätte man symbolträchtiger nicht planen können. Das Entzünden der Altarkerzen war das liturgische Kernstück, als am gestrigen vierten Advent die Wiedereinweihung der evangelischen Stadtkirche gefeiert wurde.

So gut wie alle, die in den vergangenen Monaten in und um die Kirche gearbeitet hatten, saßen entweder auf den voll besetzten Bänken oder rings um den Altar, um den Festgottesdienst mit zu gestalten. Kirchenchor, Instrumentalkreis, Musikteam und Posaunenchor in großer Besetzung steuerten mit ihren Beiträgen weit mehr bei als die klassische "musikalische Umrahmung". Sie ließen vergessen, dass die historische Orgel in ihren vielen Verpackungsschichten noch oben auf der Empore schlummerte, als der "Hausherr" Einzug hielt: In einer feierlichen Prozession wurde das Kruzifix zu seinem neuen Platz vor dem Fenster getragen. Der davor aufgestellte Altar wirkte wie ein Weihnachtsgeschenk, an dem nur noch die Schleife fehlte: ein Betonquader mit rotem Filzband, auf den nach und nach Bibel, Kerzen, Blumen und Taufschale gestellt wurden. Schräg davor am neuen Rednerpult wurden die Predigt gehalten und von den Pfarrern Suse Best und Lothar Mößner sowie von Diakon Klaus Nagel die Bibelstellen des Tages verlesen.

"Der Himmel ist mein Thron, und die Erde ist der Schemel meiner Füße" aus dem Buch der Könige als Bezug zum Bau des Salomonischen Tempels und, im Gebet, die Bitte darum, das Böse von der Kirche fern zu halten und viel Gutes geschehen zu lassen, führten Dekan Rainer Heimburger direkt zu einem Brief, den Paulus an die Gemeinde in Philippi schrieb: "Freuet euch in dem Herrn allewege", forderte der Apostel seine Glaubensbrüder auf, was Heimburger skeptisch kommentierte: "Kann man das so befehlen, einen Schalter umlegen, sich drauflos freuen?". Mit Sport, Sex und der richtigen Ernährung schütte das Hirn Endorphine aus, zitierte er eine Empfehlung des Magazins "fit for fun". Paulus sei es aber eher um die Freude an seinen Mitmenschen und an seinem Gott gegangen, bei dem man, wie Dietrich Bonhoeffer dichtete, "von guten Mächten wunderbar geborgen" sei. Die Freude an der Nähe Gottes verbinde gerade an Weihnachten alle christlichen Gemeinden auf der Welt.

Freude empfand man auch beim Anblick der Kirche, durch die noch immer eine Spur von Farb- und Lackgeruch zog. Der Weinheimer Restaurator, Hans Dieter Zopf, förderte Reste alter Bemalungen zutage, die zum Teil in ähnlicher Form wieder aufgelegt wurden, etwa das leuchtende Blau an der Decke des Vorraums. Ansonsten hieß das Prinzip "den Himmel in den Raum holen", was durch immer hellere Farbnuancen ausgedrückt wurde. Die Kassettenfüllungen der Emporen mit goldenen, schilfgrünen und cremefarbigen Absetzungen, hellgraue Fenster-Umrahmungen und die zarte Marmorierung des großen Steinbogens wirkten, als hätten sie nie anders ausgesehen. Neue Bauelemente wie die großen Bodenplatten aus Kalkstein, die farblich abgestimmten Regale und Bänke oder die viereckigen Lampen unter den Emporen wurden zurückhaltend geplant - nach dem oft zitierten Motto der behutsamen Renovierung.

Hypocausten-Heizung und Soundanlage brachten die Kirche auch technisch auf den neuesten Stand, per Beamer wurde das Geschehen am Altar an die Wand rechts daneben geworfen. Nach dem Ende der Feier mit Abendmahl gab es den ganzen Tag über Kirchenführungen, aber auch die Möglichkeit des stillen Verweilens in der eigens geschaffenen Meditationsecke. An der Stelle des früheren Taufsteins konnten die Besucher am Ende der langen Bauzeit noch einmal alles auf sich wirken lassen - und zu guter Letzt auch selbst eine Kerze anzünden (weiterer Bericht).



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Schriesheims Evangelische Stadtkirche wieder eingeweiht

Evangelische Stadtkirche wurde nach umfassender Innenrenovierung und Neugestaltung mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht

22.12.2014, 06:00

Die Vorfreude der evangelischen Christen auf ihre sanierte Stadtkirche war spürbar groß. Der Einweihungsgottesdienst hielten am neu gestalteten Altar Dekan Rainer Heimburger aus Weinheim, Diakon Klaus Nagel aus Altenbach sowie die beiden Schriesheimer Pfarrer Suse Best und Lothar Mößner. Fotos: Peter Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung