12.01.2015

Partnerschaftsverein Schriesheim: Neujahrsmatinee stand im Zeichen des Pariser Anschlags

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Vor dem Rathaus wehten Schwarz-Rot-Gold und die Tricolore auf Halbmast. Im Historischen Rathaus trugen die französischen neben den deutschen Farben Trauerflor. Die Neujahrsmatinee des Partnerschaftsvereins gestern Vormittag hatte zwar ihren lieb gewonnenen Rahmen - dieses Mal mit jungen "Schriesheimer Köpfen" und wieder mit den "Heidelberg JazzMen". Doch im Kern war es die Stunde, in der Schriesheim zeigte, dass die Stadt nach dem Attentat auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" an der Seite der französischen Freunde steht. Bürgermeister Hansjörg Höfer wünschte sich, dass dieses Zeichen von den Mitgliedern des Partnerschaftsvereins gerade auch in die Partnerstadt Uzès getragen wird, wo es gestern Nachmittag ebenfalls einen Trauermarsch im Gedenken an die Opfer des 7. Januar gab.

Der Terroranschlag sei ein "Attentat auch auf unsere Werte" gewesen, sagte Höfer, "denn wir haben die gleichen Werte wie unsere französischen Freunde." Es gelte, "die Geschlossenheit der Völker" zu demonstrieren. Wie wichtig deren Partnerschaft sei, zeige sich gerade vor dem Hintergrund einer solchen Tat. Und geradezu kämpferisch fügte Höfer an: "Wir lassen uns von den Attentätern die Lebensfreude nicht nehmen, und ich bin überzeugt, dass die Menschen in Uzès genauso empfinden."

In seinem Dank an die Aktiven des Partnerschaftsvereins zeigte sich Höfer gespannt darauf, was dieses Jahr für die Städtepartnerschaft bringen werde.

Das noch so junge Jahr habe auf entsetzliche Art bereits seine Unschuld verloren, sagte die Vorsitzende des Förderkreises Partnerschaft, Claudia Ebert, zu Beginn des Gesprächs mit den "Schriesheimer Köpfen". Bevor sie in das Interview mit Jugendgemeinderäten und mit Schulsozialarbeiterin Denise Gehrig einstieg, erhoben sich alle zu einer Gedenkminute für die Pariser Terroropfer. "Je suis Charlie, nous sommes Charlie": Auch die Neujahrsmatinee war eine Demonstration der Solidarität. Und ein Zeichen der Hoffnung. Schließlich sei "die Jugend unsere Zukunft", so Ebert.

Sie hatte zum Talk die Vorsitzende des Jugendgemeinderats, Sofia Hartmann, ebenso eingeladen wie deren Mitstreiter im jungen Gremium, Lion Thurecht, Sophie Koch, Niklas Binder und Johannes Schwegele. Mit ihnen sprach Ebert über die Arbeit des Jugendgemeinderats, die Ziele der Jugendlichen und ihre Motivation, sich für ihre Altersgenossen einzusetzen. Und natürlich durfte die Frage nicht fehlen, wer von den jungen Leuten denn schon mal in Uzès gewesen sei. Da gibt es offensichtlich Nachholbedarf...

Jedoch wurde die Wichtigkeit des aktuellen Schüleraustauschs des Kurpfalz-Gymnasiums mit der Partnerstadt hervorgehoben - als gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und die Sprachen zu vertiefen, wie Johannes Schwegele meinte. Jedenfalls hätten die Schüler aus Uzès gut Deutsch gesprochen, so sein Eindruck von deren Besuch in Schriesheim. Sofia Hartmann, die Enkelin von Ehrenbürger Peter Hartmann, sah auf Nachfrage schon aufgrund ihres familiären Hintergrunds die Chance, selber etwas bewegen zu können. Es gelte, den Jugendgemeinderat (JGR) für Gleichaltrige attraktiver zu machen, auch durch Veranstaltungen. An Unterstützung des Gemeinderats und der Verwaltung fehle es nicht: "Das muss aus der Jugend selbst kommen", meinte Sophie Koch. So wünschte sich Lion Thurecht, dass der JGR selbst mehr Sportveranstaltungen organisiert. Andererseits, ergänzte Hartmann, sei es schon wichtig, dass auch umgesetzt werde, was der JGR beschließt: "Wir wünschen uns einfach, dass wir da etwas ernster genommen werden." Dem pflichtete auch Niklas Binder bei. Denise Gehrig, die Schulsozialarbeiterin der Kurpfalz-Real und -Werkrealschule, machte den Jugendlichen Mut: "Ihr müsst einfach mal machen! Alle sind auf Eurer Seite. Ihr seid die Jugendvertreter." Positives Beispiel mochte hier sein, dass der JGR einbezogen wird, wenn es darum geht, in den Weinbergen neue Bänke aufzustellen. Sei es für Spaziergänger oder als Treffpunkte für Jugendliche.

Auf Nachfrage von Ebert fiel auf, dass keiner der Jugendlichen Kontakt zu muslimischen Gleichaltrigen hat - weder in Schule, noch Verein. Gehrig, die zuvor ihre Tätigkeit am Schulzentrum erläuterte, nahm den Faden auf und erinnerte an das ganzjährige Antirassismusprojekt an der Realschule, das um den Aspekt der Vielfalt erweitert wurde.

Die Schulsozialarbeiterin und die Jugendgemeinderäte bekamen zum Dank fürs Mitmachen bei den "Schriesheimer Köpfen" von Ebert "Schriesemer Strahler". Diese sollen auch die in der Stadt lebenden Flüchtlingsfamilien bekommen. Zu diesem Zweck sammelte der Partnerschaftsverein bei der Neujahrsmatinee Geldspenden, mit denen die Einkaufsgutscheine besorgt und danach mit Hilfe des städtischen Sozialamts an die Familien verteilt werden sollen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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