15.01.2015

Demnig verlegt fünf weitere "Stolpersteine" in Schriesheim

Von Carsten Blaue

Schriesheim. In den Gassen und in den Gehwegen der Altstadtstraßen liegen bereits 21 "Stolpersteine". Am Donnerstag, 5. Februar, wird der Kölner Künstler Gunter Demnig nachmittags fünf weitere "Mahnmale von unten" in Schriesheim verlegen. Darauf wies gestern die Arbeitsgruppe "Initiative Stolpersteine für Schriesheim" gemeinsam mit Bürgermeister Hansjörg Höfer in einem Pressegespräch hin.

Jeder "Stolperstein" erinnert an ein Schicksal. An einen Menschen, der während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgrund seiner Rasse, Religion und Weltanschauung, wegen Behinderung oder psychischer Erkrankung zum Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung wurde. Auch derjenigen, die verfolgt wurden, aber fliehen konnten und überlebten, wird mit "Stolpersteinen" gedacht.

"Wir haben alle angeschrieben"

Zehn Zentimeter Kantenlänge hat jeder der Würfel aus Beton. Eine Seite besteht aus einer Messingplatte samt Inschrift. Demnig verlegt seine "Stolpersteine" zumeist beim letzten frei gewählten Wohnsitz des Opfers oder an dessen ehemaliger Arbeitsstätte. In Schriesheim aber nur dann, wenn die Hausbesitzer auch zustimmen. Diese Regelung gibt es nicht in vielen Kommunen; sie ruft aber in Erinnerung, wie hoch manche Hürde war, die die Arbeitsgruppe zu nehmen hatte, bis Demnig vor drei Jahren mit den ersten "Stolpersteinen" in die Stadt kommen konnte. Auch jetzt gibt es noch Vorbehalte bei manchem Hauseigentümer, wie aus dem gestrigen Gespräch hervorging. Höfer formulierte es positiv: "Wir habe alle angeschrieben, und aufgrund der Rückmeldungen wissen wir, wo wir die nächsten 'Stolpersteine' verlegen können." Professor Joachim Maier ergänzte, das nach der diesjährigen Aktion noch fünf Adressen fehlen. Er sprach von einem vorläufigen Abschluss der Aktion, wobei ja nicht auszuschließen sei, dass sich Meinungen mal ändern. So wollte es auch Höfer sehen, der das Ende der "Stolperstein"-Aktion in Schriesheim daher auch noch nicht sah: "Das Thema ist zeitlos und immer aktuell. Es wird in Zukunft neue Versuche geben, auf die Hauseigentümer zuzugehen und ihre Bereitschaft zu bekommen."

Solange könnte man die übrigen "Stolpersteine" an einer Stelle zentral verlegen. Monika Stärker-Weineck erinnerte daran, dass das so auch in anderen Städten und Gemeinden gehandhabt werde. Der Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats, Detlev Aurand, schlug dafür den Pfarrer-Eberhard-Platz vor - in der Hoffnung, dass die Steine dann doch eines Tages noch zu den richtigen Adressen "wandern".

In der Oberstadt 12, der Kirchstraße 8 und der Mannheimer Straße 2 gab es keine Vorbehalte. Hier kann Demnig in drei Wochen weitere "Stolpersteine" einsetzen. Dafür bedurfte es allerdings auch noch ganz anderer organisatorischer Vorbereitungen. Einer frühzeitigen Planung etwa. So hatte die Arbeitsgruppe Anfang vergangenen Jahres bei Demnig angefragt und erst im November Antwort erhalten: "Man kann ja froh sein, wenn man überhaupt einen Termin bekommt", so Stärker-Weineck. Gemeinsam mit Maier hat sie auch wieder die weiterführenden Schulen des Bildungszentrums auf die diesjährige Aktion aufmerksam gemacht. Aus Werkrealschule, Realschule und Gymnasium gab es positive Reaktionen.

Schon an der zweiten Verlegung im Juni 2013 hatten sich Schüler des KGS beteiligt und an die Schicksale von "Euthanasie"-Opfern erinnert. "Sehr erfreulich" fand Monika Stärker-Weineck darüber hinaus die enorme Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung. Wie bereits im Vorfeld der ersten beiden Aktionen war auch jetzt wieder auf die Möglichkeit hingewiesen worden, sich an der Finanzierung zu beteiligen: "So groß wie dieses Mal war die Resonanz aber noch nie". Besonderes Interesse hätten die Bürger an den "Stolpersteinen" gezeigt, die Gunter Demnig am 5. Februar für Maria Katharina Fürderer und Valentin Bock verlegen wird (siehe weiteren Bericht und Kasten).
Gisela Reinhard, Monika Stärker-Weineck, Prof. Joachim Maier, Bürgermeister Hansjörg Höfer und Detlev Aurand (v. l.). Foto: Peter Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung