16.01.2015

Langsam kehrt die Orgel auf die Empore zurück

Die Waldkircher Firma Jäger & Brommer hat mit dem Aufbau des Instruments in der evangelischen Stadtkirche begonnen - Am 12. April ist der Festgottesdienst zur Orgelweihe

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Betritt man das sanierte und umgestaltete evangelische Gotteshaus in der Kirchstraße, dann duftet es darin immer noch neu, also nach frischer Farbe vor allem. Die Lichter sind an. Auch am späten Nachmittag. Vor der Tür parkt der rote Transporter der Waldkircher Orgelbaufirma Jäger & Brommer. Somit ist klar, was zurzeit auf der Empore im Inneren geschieht. Die Orgelbauer geben der Stadtkirche ihr Instrument zurück - nach dessen umfassender Überarbeitung.

Der technische Aufbau ist in diesen Tagen in vollem Gange. Danach werden die 32 Register nach und nach eingebaut. Orgelbauer Andreas Reinbold sagt gestern, dass es um die 1400 Pfeifen seien. Jede werde einzeln im Klang an den Raum angepasst. Die Intonation werde um die drei Wochen dauern, das Stimmen gehe dann in zwei Tagen vergleichsweise schnell. Im August 2013 hatte Jäger & Brommer die Orgel in Schriesheim abgebaut. Am Sonntag, 12. April, um 10 Uhr ist der Festgottesdienst zur Orgelweihe.

Bis dahin wird jedes Einzelteil wieder an seinem Platz sein. Und für den Laien grenzt schon das an ein Wunder. Gehe deren Zahl doch in die Zehntausende, schätzt der Orgelbauer: "Alleine jede Taste besteht ja aus zehn Teilen." Bei zwei Manualen mit je 56 Tasten kommt da alleine schon am Spieltisch was zusammen.

Auf allen Bänken der Empore liegen Dinge, die nach Orgel aussehen: Holzpfeifen etwa und sogar elektronische Bauteile. Dazu jede Menge Werkzeug. Für Reinbold und seine vier Kollegen hat das alles System. Die Konstruktionspläne haben sie zwar, aber: "Eigentlich bauen wir hier alles aus dem Gedächtnis auf."

Das unter Denkmalschutz stehende Vordergehäuse, ein Teil der früheren Stumm-Orgel aus dem Jahr 1786, steht an Ort und Stelle - und im Kontrast zum neuen Schwellwerkgehäuse dahinter: "Das alte war zu eng und technisch nicht mehr einwandfrei", so Reinbold. Alt und neu gehen am Instrument, das 1977 von der Firma Weigle aus Leinfelden-Echterdingen errichtet wurde, auch jetzt eine Symbiose ein. Der vordere Teil der Orgel bis zur Hinterkante des Hauptwerks wurde grundsätzlich erhalten und technisch sowie klanglich überarbeitet. Für den hinteren Teil erneuerte Jäger & Brommer zudem die Kleinpedallade und das Windsystem. "Es ist auch der Spagat zwischen traditioneller Arbeit und Hightech", sagt Reinbold.

Die Übertragung von den Tasten des Spieltisches, den man auch schon sehen kann, zu den Pfeifen erfolge rein mechanisch. Der Organist müsse "den Weg zum Ventil spüren", beschreibt es der Orgelbauer sympathisch. Im nicht nur äußerlichen Kontrast dazu steht die moderne elektrische Anlage zur Steuerung der Register mit Setzerkombination. Die Register wurden zudem ergänzt - im Schwellwerk um eine Oboe, im Pedal durch eine Trompete. Das erweitert die musikalischen Möglichkeiten und macht Vorfreude auf die Konzerte im April. Auf diese weist Heidi Kreuzwieser hin, die Schriftführerin des Orgelfördervereins. Dieser trägt zwei Drittel der Kosten in Höhe von rund 150.000 Euro vor allem über Spenden, die noch immer willkommen sind. Ein Drittel steuert die Landeskirche bei.

Kreuzwieser dokumentiert auch gestern die Arbeiten mit ihrer Kamera und freut sich einfach über das, was gerade auf der Empore der Kirche geschieht. Eine Freude, die man teilt, während man den Orgelbauern dabei zusieht, wie dieses Wunderwerk von Instrument Stück für Stück errichtet wird. Eine Festschrift zum Orgelprojekt sei in Arbeit, die bis zur Weihe fertig sein soll, sagt die Schriftführerin. Sie berichtet zudem, dass auch Organist Dr. Martin Fitzer jeden Tag vorbeischaut. Wie sehr muss er sich erst darauf freuen, die neue Orgel im April erstmals spielen zu können!

Fi Info: Eine Konzertreihe schließt sich an die Orgelweihe im April an: Am Sonntag, 12. April, um 18 Uhr, spielt in der Stadtkirche Christoph Schoener, der Organist der St-Michaelis-Kirche, Hamburg. Johannes Michel, Organist der Christuskirche Mannheim, gibt sein Konzert am Sonntag, 19. April, um 18 Uhr auf der "neuen" Orgel. Deren Einweihungskonzerte rundet Dr. Martin Fitzer am Sonntag, 26. April, 18 Uhr, ab.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung