22.01.2015

Lärm an der B3: Der Aktionsplan "ist ein stumpfes Schwert"

Eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Bundesstraße B 3 in Hirschberg, Schriesheim und Dossenheim könnte mit der Funktion als Umleitungsstrecke kollidieren

Von Stefan Zeeh

Hirschberg/Bergstraße. "Der Lärmaktionsplan befindet sich derzeit noch im Entwurfsstadium, so dass noch Verbesserungsvorschläge möglich sind", wies gestern Hirschbergs Bürgermeister Manuel Just bei einem Pressegespräch nachdrücklich auf die heutige Informationsveranstaltung zum Lärmaktionsplan im Schriesheimer Rathaus hin. Ab 19 Uhr wird dort das Karlsruher Ingenieurbüro Modus Consult, das die Untersuchungen zum Lärmaktionsplan für die drei Bergstraßengemeinden Dossenheim, Hirschberg und Schriesheim vornahm, das Konzept des Plans sowie das weitere Verfahren erläutern.

"Die Erstellung eines Lärmaktionsplans geht auf eine Richtlinie der Europäischen Union zurück, mit der der Umweltlärm bekämpft werden soll", ging Just auf die Hintergründe ein. Zur Umsetzung dieser Richtlinie sind die Kommunen gefordert, zunächst eine Bestandsanalyse zur Lärmbelastung der Einwohner vorzunehmen. Daraus sollen entsprechende Vorschläge zur Reduzierung des Lärms erarbeitet werden.

In größerer Runde hätten sich vor rund zwei Jahren bereits verschiedene Gemeinden aus der Region, darunter auch Ladenburg oder Hemsbach, zusammengesetzt, um ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Dabei habe sich rasch gezeigt, dass es Sinn mache den Lärmaktionsplan in einzelne regionale Abschnitte zu unterteilen. Da die Gemeinden Dossenheim, Schriesheim und Hirschberg gemeinsam vom Lärm der Bundesstraße B 3 und der OEG-Linie betroffen seien, habe man sich entschlossen, zusammen einen Lärmaktionsplan zu erstellen, so Just. Der Entwurf zum Lärmaktionsplan liege nun seit Ende vergangenen Jahres vor und könne in den Rathäusern der Gemeinden eingesehen werden.

In dem gemeinsamen Vorgehen beim Lärmaktionsplan sahen die drei Bürgermeister Hans Lorenz (Dossenheim), Hansjörg Höfer (Schriesheim) und Manuel Just (Hirschberg) ein Beispiel für eine gelungene interkommunale Zusammenarbeit. "Die Vorstellung des Lärmaktionsplans in den drei Gemeinderäten dürfte ziemlich ähnlich abgelaufen sein", wusste Lorenz. Dabei habe sich gezeigt, wie wichtig das Thema Lärmbelastung sei. Rasch sei aber auch die Problematik um die Finanzierung des Lärmschutzes deutlich geworden.

So ist die B 3, die in allen drei Gemeinden einen Schwerpunkt des Lärms darstellt, im Eigentum des Bundes, der für den Lärmschutz bisher aber keine Gelder bereitgestellt habe.

Zwar würden die vorgeschlagene Geschwindigkeitsreduzierung und das Aufbringen eines sogenannten Flüsterasphalts keine großen Summen kosten, wenn der Straßenbelag sowieso erneuert werden müsste, jedoch sei mit weiteren Kosten zu rechnen, wenn die Diskussion um die Lärmbelastung erst richtig anlaufe, nahm Lorenz an.

"Der Lärmaktionsplan ist ein relativ stumpfes Schwert", verdeutlichte Just darüber hinaus, dass mit diesem Plan andere Regelungen nicht außer Kraft gesetzt werden.

So kollidiert die vorgesehene Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 auf der B 3 in den Ortsdurchfahrten möglicherweise mit der Funktion der B 3 als Umleitungsstrecke für die Autobahn A5. "Wir werden die Geschwindigkeitsreduzierung erst einmal vorschlagen und dann sehen, was das Regierungspräsidium unternimmt", machte sich Höfer angesichts der möglichen Unvereinbarkeit von Tempo 30 auf einer Umleitungsstrecke erst einmal keine weiteren Gedanken dazu.

Trotz dieser möglichen Probleme sah Manuel Just in dem Lärmaktionsplan ein gutes Instrument, um ein Bewusstsein für die Lärmbelastung bei den Bürgern zu schaffen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung