30.01.2015

Inklusion in Schriesheim:Es bleibt noch viel zu tun

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Die Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben ist seit geraumer Zeit ein wichtiges Thema, nicht nur in den politischen Gremien. In verschiedensten Bereichen machen sich Verantwortliche Gedanken darüber, wie Menschen mit Behinderung geholfen werden kann das tägliche Leben zu bewältigen. Nicht immer mit Erfolg "Der Duft der Inklusion wird oft versprüht, aber deren Umsetzung ist schwierig", wusste Idil Reineke, die Inklusionslotsin der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar, beim "Ersten Netzwerktreffen" rund um Inklusionsprojekte in Schriesheim, zu dem Vertreter von Vereinen, der evangelischen Kirchengemeinde, der Stadtverwaltung, des Gemeinderats sowie Betroffene selbst gekommen waren. "Die Idee zu diesem Treffen entstand bereits im vergangenen Jahr bei einem Gespräch mit Dr. Barbara Schenk-Zitsch", erläuterte Idil Reineke über das Zustandekommen der Veranstaltung. In diesem Gespräch habe man gemerkt, dass in Schriesheim bereits einige Strukturen vorhanden seien, diese aber zusammengeführt werden müssten.

Dass in Schriesheim tatsächlich einiges für die Inklusion getan und überlegt wird, zeigte sich bereits bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer am Netzwerktreffen. So will man etwa beim Minigolf-Club die Anlage barrierefrei gestalten oder beim TVS "ein offenes Ohr" für die Bedürfnisse von behinderten Menschen haben. Bei der evangelischen Kirchengemeinde steht schließlich die Eröffnung des Begegnungszentrums bevor, das barrierefrei zugänglich sein soll.

Ebenso ist man in der Stadtverwaltung aktiv. So wurde dort bereits überlegt, wie man das Rathaus barrierefrei gestalten kann, wie die Schriesheimer Familien- und Integrationsbeauftragte Karin Reichel erläuterte. "Auch die Barrierefreiheit in den Schulen kommt auf uns zu", nannte sie noch anstehende Aufgaben. Angesichts der Möglichkeiten, die etwa Sportvereine haben, um ihr Angebot barrierefrei zu gestalten, wurde auch der Begriff "Barrierefreiheit" noch einmal von den Diskussionsteilnehmern geklärt.

"Die Barrierefreiheit hängt von der Art des Handicaps ab", betonte Karin Reichel und nannte als Beispiel eine völlig ebenerdig gestaltete Innenstadt Schriesheims ohne Bordsteine, die ideal für Rollstuhlfahrer wäre. "Das wäre aber schlecht für sehbehinderte Menschen, die sich etwa mit einem Blindenstock gerade an derartigen Hindernissen orientieren", wusste sie. "Eine komplette Barrierefreiheit gibt es nicht, daher ist es besser zu sagen was vorhanden ist", gab Idil Reineke zu Bedenken.

Trotz aller guten Absichten und Verbesserungen bleibt immer noch viel in Schriesheim für Menschen mit Behinderung viel zu tun, wie sich in der weiteren Diskussion rasch herausstellte. So seien etwa die Geschäfte in Schriesheim keineswegs barrierefrei gestaltet. "Manche Schilder in den Straßen hängen zu tief, so dass sich sehbehinderte Menschen daran stoßen", wusste zudem Schenk-Zitsch. Auch die Parksituation in der Innenstadt sei problematisch, werden doch häufig die Gehwege zugeparkt. Ebenso sei das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt für Menschen, die Rollatoren benutzen, nicht geeignet. Ganz konkret bemängelte eine Bewohnerin des Neubaus "Am Schillerplatz 18", wo mehrere Wohnungen für Betreutes Wohnen vorhanden sind, dass Parkplätze für die Bewohner direkt am Hauseingang fehlten. Die Folge sei, dass Einkäufe relativ weit getragen werden müssten. Fehlende Anlagen für schwerhörige Menschen wurden zudem von einer Betroffenen im Rathaus, der Volkshochschule oder in der Schriesheimer Mehrzweckhalle angemahnt.

Trotz dieser Hinweise einiger Menschen mit Behinderung war man bei dem Netzwerktreffen darüber besorgt, möglicherweise an ihren Bedürfnissen vorbei zu agieren. Daher möchte man versuchen, zukünftig mehr Behinderte in das entstehende Netzwerk "Inklusionsprojekt Schriesheim" einzubinden.

Info: Weitere Informationen zum Netzwerk "Inklusionsprojekt Schriesheim" sind unter idil.reineke@awo-rhein-neckar.de zu erhalten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung