10.03.2015

Wolf bleibt beim Schriesheimer Mathaisemarkt zahm

Der CDU-Fraktionschef überzeugt auf seine Art bei der BDS-Mittelstandskundgebung und auch beim Rundgangüber den Mathaisemarkt

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der Bund der Selbstständigen (BDS) wollte den direkten Vergleich. Vergangenes Jahr sprach der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der BDS-Mittelstandskundgebung auf dem Mathaisemarkt. Gestern hält sein CDU-Herausforderer für die Landtagswahl, Landtagsfraktionschef Guido Wolf, die Festrede. Das Ergebnis unterm Strich: Punktsieg für Wolf. Über den Ausgang des Urnengangs im März kommenden Jahres sagt das natürlich nichts. Aber immerhin.
Für gut 30 Minuten Rede bekommt Wolf 64 Sekunden stehenden Applaus vom vollen Festzelt. Ein guter Wert in Schriesheim. Wolf hat dafür die Themen gewählt, die das Festzelt hören will. Baden-Württembergs "Herzstück", den Mittelstand, zurück an die Spitze bringen, die "digitale Revolution" vorantreiben, Schulden in guten Zeiten wie jetzt abtragen, das duale Ausbildungssystem stärken gegen die Akademisierung der Bildung, die Gründerkultur wieder auf den Weg bringen, den Mindestlohn auf den Prüfstand stellen, in die Infrastruktur investieren (er nennt den Branichtunnel): Die Schnittmengen mit dem BDS sind deutlich, Wolf paart sie mit Witz und etwas Kritik an der eigenen Partei. Dafür verschont er die Landesregierung weitgehend, bis auf ein paar kleine Spitzen. Eher harmonisch geht es zu - Wolf bleibt zahm und dichtet sogar auf die Weinhoheiten. Überhaupt ist er gut auf "Schriese" vorbereitet. So dankt er einem, der gar nicht da ist, für seine Verdienste um den Mathaisemarkt: Ehrenbürger Peter Riehl hätte es sicher gerne gehört. Den Weinbau in Schriesheim nennt Wolf ein "Aushängeschild". Auch da weiß er, dass er nicht falsch liegen kann.

Vielleicht hat er diesen Eindruck aber auch zuvor beim Rundgang durchs Gewerbezelt gewonnen, wo er am Stand des Weinguts Jäck einen Grauburgunder probiert: "Frühlingsstimmung", lobt Wolf. Auf viele Aussteller geht er zu, plaudert kurz und aufmerksam. Am Stand der Nähgalerie nimmt er einen Aufnäher des Tabellenletzten VfB Stuttgart in die Hand und lächelt spitzbübisch: "Na, die kommen schon wieder."

Nur bei den "Montagsmädels" tut er sich etwas schwer mit dem Lockermachen. Zwar schmeißt er eine Runde (und das als Oberschwabe!). Aber das Schunkeln zum "Schriesemer Lied" will nur pflichtbewusst gelingen. Die Wolfskappe aus Plüsch (auch so was gibt es auf dem Krammarkt) will er partout nicht aufsetzen. Dafür stülpt er sie später auf der Festzeltbühne über eine Wasserflasche. Die lässt Wolf ebenso unberührt wie Kaffee und Kuchen in den "Weinstuben Hauser", wo der Besuch des BDS-Festredners stets beginnt. Wahlkampf sei sein Auftritt beim BDS nicht, beteuert er schon hier. Eher politische Auseinandersetzung, die immer ihren Platz haben müsse. Auch zugespitzt.

Zudem brauche er sich als CDU-Politiker bei aller Selbstkritik sicher nicht verstecken. Woraufhin sich BDS-Präsident Günther Hieber zu etwas Motivation veranlasst sieht: "Wer nach Schriesheim kommt, der kann nur aufsteigen." Zu Kretschmann hat er das nicht gesagt. Denn der ist ja schon da, wo Wolf erst noch hin will. > w. Berichte, Kasten, "Metropolregion"
Hintergrund

> Gerhard Kleinböck, Landtagsabgeordneter (SPD): Es war nichts Neues, alles ist im Ungefähren geblieben. Er hat kein eigenes Konzept und keine eigenen politischen Vorstellungen, die einen Regierungswechsel begründen könnten.

> Uli Sckerl, Landtagsabgeordneter (Grüne): Ich habe bei ihm ein Programm vermisst. Was er fordert in der Wirtschaftspolitik, das machen wir längst. Er kann Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht das Wasser reichen.

> Georg Wacker, Landtagsabgeordneter (CDU): Guido Wolfs Rede war ein Dreiklang aus Kompetenz, Überzeugungskraft und Humor. Es war eine hervorragende Rede, er konnte das Festzelt mit diesen drei Eigenschaften überzeugen.

> Stefan Dallinger, Landrat (CDU): Endlich einmal wieder eine Rede, die dem Mathaisemarkt und dem Festzelt angemessen war. Guido Wolf hat gezeigt, warum er der richtige Spitzenkandidat für Baden-Württemberg ist. Er hat alle wichtigen Wirtschafts-Themen angesprochen, besonders gut haben mir die leicht selbstkritischen Untertöne gefallen, die immer wieder dabei waren.

> Rolf W. Edelmann, BDS-Vorsitzender Schriesheim: Eine emotionale, zukunftsweisende Rede, die deutliche Akzente setzt.

> Hansjörg Höfer, Bürgermeister: Es war eine sehr launige Rede von einem Oberschwaben. Mit seinen Themen hat er die Mitte der Gesellschaft angesprochen.

> Wolfgang Renkenberger, Stadtrat (FDP): Ich sage nur so viel: Es gibt halt nur eine Partei, die die Forderungen des BDS zu 100 Prozent vertritt. Grundsätzlich war ich sehr positiv überrascht von Guido Wolf.

> Guido Wolf, Festredner: Ich hatte den Eindruck, dass es durchaus gelungen ist, die Probleme des Mittelstands anzusprechen mit einer gesunden Mischung aus Kritik an der Landesregierung, aber auch Kritik an der eigenen Partei. sk

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung