12.03.2015

Manche gewähren auf dem Mathaisemarkt sogar "Regenrabatt"

Auf dem Krammarkt gibt es Nützliches und Skurriles - und die Freundlichkeit der Händler gratis dazu

Schriesheim. (sk) Es sind solche Dinge, die ein wenig vom Standardprogramm in Supermärkten und Haushaltsgeschäften abweichen, die längst einen festen Kundenstamm haben: die Bratpfanne mit der besonderen Beschichtung, der Fensterwischer, der das Glas besonders sauber macht, und der unverwüstliche Allesschneider. Auf dem Krammarkt bekommt man all das, und die Käufer wissen zum Teil aus jahrelanger Erfahrung, wo genau.

Der Stand mit den Gewürzen ist an seinem üblichen Platz, das Zelt mit dem Orangenreiniger und den Putzlappen ebenfalls, und auch die warmen Wolldecken und Kissen findet man wieder, ohne lange suchen zu müssen. Mancher Verkäufer ist seit Jahrzehnten hier, andere sind zum ersten Mal beim Mathaisemarkt. Seit drei Jahren kommt Werner Alessandri von dem Mannheimer Gardinengeschäft, das seinen Nachnamen trägt. Er hat Plauener Spitzen im Sortiment, was seine Kunden ebenfalls sehr genau wissen. Er schätzt die Freundlichkeit, mit der man ihm hier in der Kleinstadt begegnet und ist dankbar für das schöne Wetter am ersten Wochenende: "Da war tagsüber viel los." Am Sonntag wurde es ab 18 Uhr schlagartig weniger, und bei Regen bleiben nur wenige stehen. Egal, wie das Wetter ausfällt, hat er aber eine Beobachtung gemacht: "Manchmal herrscht viel Betrieb, aber man macht trotzdem weniger Umsatz als noch vor ein paar Jahren. Die Leute haben einfach weniger Geld." Sein Standnachbar, bei dem es bunte Tücher und Aluminium-Bilder gibt, nickt dazu: Auch er spürt zum Teil eine nachlassende Kaufbereitschaft.

Manche lösen den Konflikt, indem sie zusätzliche Anreize schaffen: An einem Stand läuft den Tag über ein Flachbildfernseher. Indiomusik erklingt, dazu sieht man Naturbilder oder bunt gekleidete Menschen im Wald. Passend zum Indianerthema hängen an seinem Stand Traumfänger in allen Farben und Größen; sogar Modelle mit plastisch ausgearbeiteten Adler- und Indianerköpfen gibt es. Andere geben am Schlechtwettertag "Regenrabatt". "Zehn Euro für jeden Ring", wirbt der Verkäufer an einem Schmuckstand, und sofort schaut man sich die glitzernden Preziosen etwas genauer an. Freundlich wird man überall behandelt: Am Stand mit den Hirschtalg-Cremes und den duftenden Stutenmilch-Seifen verwickelt einen ein gut gelaunter Süddeutscher ins Gespräch, es wird gelacht und gescherzt. Und die Schmuckverkäuferin am Nachbarstand kramt mit Engelsgeduld in ihren Beuteln und Tüten, um die passende Ringgröße herauszufinden. Ihr Rezept für klamme Temperaturen: "Ein Heizkissen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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