16.03.2015

Mathaisemarkt: Agrarminister Bonde besucht "Marktgespräche"

Agrarminister Bonde (Grüne) punktet bei den "Marktgesprächen" mit der Regierungsbilanz - Attacken auf den reimenden CDU-Kandidaten

Von Sören S. Sgries

Schriesheim. Sie formulieren klare Ansprüche an ihre "Marktgespräche", die Schriesheimer Grünen. "Wir machen heute einen Vergleich", sagt der Landtagsabgeordnete Uli Sckerl, "das wollen wir genau so". Einen Vergleich mit dem CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf, der wenige Tage zuvor die große Bühne der Mittelstandskundgebung für seinen Auftritt nutzen durfte. 1500 Menschen im Publikum, Festzeltatmosphäre, ein Hauch von Wahlkampf. Der Redner jetzt, bei der grünen Gegenveranstaltung im Traditionslokal "Zum Goldenen Hirsch": Alexander Bonde, Landwirtschaftsminister - "einer der erfolgreichsten Minister der Regierung", wie Sckerl den Parteifreund den knapp 90 Gästen anpreist.
Richtig wäre auch: ein Minister, der wie kaum ein anderer zu polarisieren weiß und einige herzhafte Schlachten schlagen musste. Die Durchsetzung des Nationalparks im Nordschwarzwald gilt für Bonde als großer Erfolg. Der Weg dahin war jedoch hart. Die Ausarbeitung des neuen Jagdgesetzes brachte regelmäßig die Waidmänner vor den Landtag, in lautstarkem Protest. Und gerade erst musste Bonde auch eine innerparteiliche Schlappe hinnehmen, seine Bewerbung für die Landtagskandidatur zurückziehen.

Doch das alles ist hier, an der politisch immer mehr ergrünenden Bergstraße kaum ein Thema, vor den zahlreichen grünen Gemeinderäten und dem grünen Bürgermeister Hansjörg Höfer. Hier präsentiert Bonde sich - vor allem aber die grün-rote Regierungspolitik der letzten Jahre. Gespickt mit vielen, vielen Spitzen auf den schwarzen Gegner.

"Was nützt der schönste Reim, wenn der Dichter nichts zu sagen hat", geht Bonde gleich in die Vollen. Attackiert wird ein Guido Wolf, der "in direkter Tradition" von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus und dessen "rechter Hand", Ex-Fraktionschef Peter Hauk, stehe. Der in der Haushaltspolitik "bei den Grundrechenarten noch nicht einmal angekommen" sei, viel fordere und wenig finanzieren könne. "Wer sich so auf dem Markt aufführt, hat nicht lange seinen Stand, sein Geschäft", wettert Bonde.

Seine Regierung hingegen agiere ehrlich, führt er aus. "Grüne haben den Anspruch, zu gestalten und gleichzeitig zu konsolidieren", sagt er. Milliarden wurden in Bildung und Hochschulen investiert. Er habe gar das Gefühl, die Wirtschaft habe "darauf gewartet", dass die Grünen mit ihren Vorstellungen von Ressourceneffizienz Impulse setzen, so Bonde.

Aus seinem Fachbereich verspricht er das Nein zu "Risikotechnologien" wie Fracking und Gentechnik. Betont bei der Agrarförderung: "Wenn Deutschland weniger Geld bekommt und Baden-Württemberg mehr, kann man nicht schlecht verhandelt haben." Und kritisiert insbesondere die FDP, wenn es um die Rückabwicklung des Jagdgesetzes geht. Innerhalb von 100 Tagen? "Belogen" werde man da.

Nach 40 Minuten Rede klingt der Abend in einer kleinen Fragerunde aus. Um Bürokratie im landwirtschaftlichen Familienbetrieb geht es da, um Grünlandumbruch und Bio-Förderung. "Es kann sein, dass Ihnen an einigen Stellen eine leichte Antwort, das nette Gedicht lieber wäre", hatte Bonde zwischendurch gewarnt, "aber das gibt die Situation nicht her". Eine unnötige Warnung, zumindest an diesem Abend. Wirklich herausgefordert, so der Eindruck nach zwei Stunden, wurde Bonde nicht.


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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung