23.03.2015

Schriesheim: Grünen-Fraktion schlägt Wald als Begräbnisstätte vor

Die letzte Ruhe unter einem Baum finden: Schriesheim eignet sich als Standort für einen Friedwald

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Ein Friedwald in Schriesheim? Für den Grünen-Stadtrat Heinz Waegner ist eine solche Begräbnisstätte, in der die Asche der Verstorbenen an den Wurzeln eines Baumes ruht, durchaus vorstellbar. "Die Friedhofskultur in Deutschland wandelt sich", betonte er dieser Tage bei einem Pressegespräch.

Es nehme nicht nur die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen zu, auch die Globalisierung liefere ihren Beitrag zur Beliebtheit von Friedwäldern in Deutschland. So gestalte sich zum Beispiel die Grabpflege aufwendig oder teuer, wenn die Angehörigen des Verstorbenen weit entfernt von der Begräbnisstätte leben. Aber nicht nur deshalb sehen Waegner und seine Fraktion Schriesheim als geeigneten Standort für einen Friedwald.

"Schriesheim hat einen sehr großen Waldbesitz", erläuterte Waegner. In Absprache mit den Schriesheimer Revierförstern habe er bereits drei Flächen im Stadtwald ausfindig gemacht, auf denen ein Friedwald eingerichtet werden könnte. Diese drei etwa 26 Hektar umfassenden Flächen liegen in dem Waldgebiet zwischen Altenbach und Wilhelmsfeld, am Oberen und Unteren Schleichwaldweg sowie am Wäldchenweg.

Warum diese Gebiete als Begräbnisstätte geeignet sind, erklärte Stephan Martini von der "FriedWald GmbH" , einem möglichen Betreiber eines zukünftigen Friedwalds in Schriesheim. "Hier befinden sich sehr viele Laubbäume, und die Menschen suchen gerade nach langlebigen Baumarten als Bestattungsbaum", wusste Martini. Immerhin kann eine Ruhestätte an einem Baum für eine Dauer von bis zu 99 Jahren erworben werden. Dazu sind die drei Gebiete über Wege gut erreichbar, und Parkmöglichkeiten sind bereits vorhanden.

"Die Asche wird nicht verstreut, sondern in einer biologisch abbaubaren Urne an einem vorher ausgesuchten Baum vergraben", ging Stephan Martini näher auf das Konzept des Friedwalds ein. Den gewünschten Baum kann man sich bereits zu Lebzeiten aussuchen, das können im Nachhinein aber auch noch die Angehörigen des Verstorbenen übernehmen.

Dabei gibt es unterschiedliche Begräbnisbäume, um die herum sich jeweils bis zu zehn Urnen in einer Tiefe von 80 Zentimetern befinden können. Wie die Bezeichnung "Familien- oder Freundschaftsbaum" bereits ausdrückt, werden an einem derartigen Baum nur Familienangehörige oder Menschen aus einem Freundeskreis beigesetzt. Ganz anders bei einem "Gemeinschaftsbaumplatz", an dem nicht miteinander verwandte oder bekannte Menschen ihre letzte Ruhestätte finden. Mit 150 bis 200 Bestattungen pro Jahr rechnet Stephan Martini in einem Friedwald auf Schriesheimer Gemarkung.

Dabei sollen nicht nur Schriesheimer Bürger hier ihre letzte Ruhestätte finden. Auch aus den Nachbargemeinden besteht Interesse an einem Friedwald: So berichtete der Hirschberger SPD-Gemeinderat Dr. Horst Metzler, dass man in der Tabakgemeinde bereits vor einiger Zeit an die Einrichtung eines Friedwalds gedacht hatte. Jedoch habe sich herausgestellt, dass im Hirschberger Wald keine geeigneten Flächen vorhanden seien. Angesichts dessen, dass die Kapazität der Friedhöfe in Hirschberg in den nächsten Jahren erschöpft sei, würde ein solcher Friedwald zu einer Entlastung der traditionellen Friedhöfe führen, so Metzler.

"Ein Friedwald soll keine Konkurrenz zu den bestehenden Friedhöfen sein, sondern eine Ergänzung", betonte Heinz Waegner. Bevor ein Friedwald im Schriesheimer Wald eingerichtet werden kann, muss der Gemeinderat dies genehmigen. Den Antrag dafür wolle die Grünen-Fraktion bald stellen, die Vorsitzenden der anderen Fraktionen habe man diesbezüglich bereits informiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung