27.04.2015

Branichtunnel: Ab Sommer wird die Tunneltechnik eingebaut

Mit Bauleiter Ralph Eckerle auf der Baustelle des Branichtunnels - Arbeiten derzeit vor allem außerhalb der 1796 Meter langen Röhre

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Im Branichtunnel passiert gerade mal nichts. In Ruhe kann man von West nach Ost mit Bauleiter Ralph Eckerle durch die 1796 Meter lange Röhre fahren. Inzwischen muss man sich geradezu in Erinnerung rufen, dass die Mineure zwischen Februar 2012 und August 2013 rund 180 000 Kubikmeter Gestein aus dem Branich gesprengt haben. Denn der Tunnel sieht irgendwie schon so fertig aus. Und gar nicht mehr nach schwerem Baugerät. Die Außenwände sind sauber grau verschalt, der Fahrbahnasphalt ist eingebaut. Ohne die kleinste Bodenwelle geht die Fahrt dahin.
Das hätte dem Ehrenbürger sicher auch gefallen. Peter Hartmann wurde ja zu seinem 100. Geburtstag am 21. Oktober vergangenen Jahres als erster durch den Berg chauffiert, und da schaukelte der geländegängige Wagen noch ganz ordentlich auf dem erdigen Untergrund. Auch damals saß Eckerle am Steuer, und Hartmann wünschte sich, zur Eröffnung im Frühjahr 2016 doch noch einmal durch den Tunnel zu fahren. Inzwischen ist klar, dass sich der Ehrenbürger etwas länger gedulden muss, aber wirklich nur etwas.

"Sommer 2016 wird’s werden", sagt Eckerle. Bei sechs Jahren Bauzeit sind zwei, drei Monate Verzug auch noch eine Punktlandung. Zumal bei einem solchen Projekt. Also hält sich Eckerle damit auch nicht auf und kommt zu den nächsten Aufgaben: "Ab Mai werden die Tunnelwände gestrichen. Sie lassen sich danach besser reinigen, und es ist außerdem heller." Im Moment dominiert noch das Grau des Betons im Schein der Neonröhren.

Ab Sommer geht dann der technische Ausbau los. Dazu gehören etwa die Beleuchtung, die gesamte Elektrik, die Sicherheitstechnik mit Fluchtwegkennzeichnung, Funk, Halbschranken, Videoüberwachung und Rauchmeldern oder die sieben großen Ventilatoren an der Decke, unweit des Ostportals. Momentan läuft die Planung dafür. Doch auch schon jetzt ist Sicherheit im Tunnel sichtbar.

Es gibt Gehwege an der Straße für den Notfall, zudem Pannenbuchten und Nischen für Notrufstationen. Eckerle weist auf die Hydranten hin. Alle 120 Meter steht einer. Sie werden verbunden mit einem Löschwasserbecken, das derzeit am Ostportal abgedichtet und an den Rändern verfüllt wird. Darin ist so viel Wasser, dass die Feuerwehr zwei Stunden lang jede Sekunde 20 Liter entnehmen kann. An das normale Wassernetz hätte man die Hydranten nicht anschließen können. Das hätte im Ernstfall zu Überlastungen geführt. An den wenigen Stellen, wo der Tunnel noch die Form eines Gewölbes hat, ist er 7,20 Meter hoch. Im weitaus längsten Abschnitt ist eine Zwischendecke eingezogen, was eine Höhe von 5,10 Metern ergibt. Auch der Hohlraum darüber hat eine Funktion.

An 23 Stellen im Tunnel sind Lamellen in die Zwischendecke eingebaut. Zudem wird es Detektoren zur Temperaturmessung sowie optische "Sichttrübesensoren" geben. Sollte es im Tunnel brennen oder zu einer anderen Rauchentwicklung kommen, werden über die Sensoren die Lamellen geöffnet. Und zwar ausschließlich in unmittelbarer Nähe zu der Stelle, an der der Tunnel verqualmt ist. Mit enormen Lüftern im Betriebsgebäude am Westportal wird der Rauch angezogen, durch den Hohlraum über der Zwischendecke des Tunnels geleitet und über den offenen "Abluftkamin" im Betriebsgebäude nach draußen befördert. Dieses kann man besonders gut von der Brücke an der Leutershäuser Straße aus sehen.

Wie ein grauer Kasten steht es da und wird später noch teilweise unter der Geländemodellierung verschwinden. In der "Tunnelwarte" des Betriebsgebäudes wird die ganze Technik der Tunnelsteuerung zusammengeführt - zwei Stockwerke mit Räumen voller Hightech, also Generatoren, Rechnern, einer Bildschirmwand, Schalldämpfern und besagten Lüftern. Noch wirkt der Betonkasten wie ein Labyrinth aus Wänden, rechteckigen Nischen und Treppen.

Draußen im Freien entstehen zurzeit direkt neben dem Betriebsgebäude die letzten 36 Meter des 1200 Meter langen Fluchtstollens. Später wird nur noch der Ausgang im neu gestalteten Hang zu sehen sein. Fünf Notausgänge wird der Tunnel insgesamt haben. Auch sie liegen lang, grau und noch neonbeleuchtet hinter den Schleusen, die sie vom Tunnel trennen werden. Dessen Fahrbahn ist 7,50 Meter breit, 3,75 Meter je Richtung also. Spürbar von West nach Ost ist die Steigung: 38 Meter höher kommt man am Ostportal an. Sie sorgt für eine natürliche Belüftung des Tunnels, was man schon am kühlen Luftzug merkt: "Kamineffekt", lächelt Eckerle. Doch dieser funktioniert in Schriesheim offenbar auch bergab.

Und sollte wegen Abgasen doch mal dicke Luft sein, wird es ja noch die Ventilatoren an der Tunneldecke geben.

Hintergrund

2004: Planfeststellungsbeschluss für den Branichtunnel

Januar 2008: Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) kündigt ein Sonderprogramm für den Landesstraßenbau an, darin: der Branich-tunnel

November 2008: Innenminister Heribert Rech (CDU) setzt den ersten Spatenstich

2009: Die Brücken an der Leutershäuser Straße und in Verlängerung der Schönauer Straße werden gebaut

2010/2011: Die Zufahrt zum Branichtunnel, die L 536 neu, wird von Westen her gebaut, zudem das neue Brückenbauwerk für die B 3 und die RNV-Trasse der Linie 5

Dezember 2011: Am Westportal beginnt der Sprengvortrieb für den Fluchtstollen

1. Februar 2012: Bürgermeister-Ehefrau und Tunnelpatin Birgit Ibach-Höfer zündet beim Tunnelanstich die erste Sprengung

1. August 2013: Die Mineure sind durch den Berg: Am Ostportal wird der Tunneldurchstich gefeiert

Herbst 2014: Die Betoninnenschale des Tunnels ist fertig

Februar 2015: Die Fahrbahn ist fertig

Sommer 2015: Der technische Ausbau der Tunnelröhre soll beginnen

Sommer 2016: Der Branichtunnel soll fertig sein und seiner Bestimmung übergeben werden cab

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung