09.05.2015

Dossenheim: Linie 24 fährt jetzt in Stoßzeiten bis Schriesheim

Gemeinderat stimmte Verlängerung der Linie 24 zu - Anbindung an Heidelberger Hauptbahnhof

Von Doris Weber

Dossenheim. "Mit Speck fängt man Mäuse", so würde es der Volksmund bezeichnen. Stephan Heidenreich, bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH zuständig für die Angebots- und Betriebsplanung, sprach lieber von Strategie und Taktik. Egal wie man es nennt: Die RNV-Idee, eine quasi inoffizielle Zusatzfahrt der Linie 24 von Heidelberg bis nach Schriesheim auf eigene Kosten zu organisieren, war von Erfolg gekrönt. Nach hartnäckigem Widerstand aus Schrieshheim hatte der dortige Gemeinderat mit knapper Mehrheit der Verlängerung der Bahnlinie zugestimmt. Daher konnte der Gemeinderat in Dossenheim jetzt geschlossen dem zustimmen, was man sich hier schon seit Urzeiten wünscht: eine direkte Anbindung über Handschuhsheim und Neuenheimer Feld an den Heidelberger Hauptbahnhof.

Schon zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember, so Heidenreich, wolle man den Service regulär anbieten. Für die RNV ist die Linienverlängerung eine elegante Möglichkeit, dem gestiegenen Fahrgastaufkommen - sprich überfüllten Zügen - Herr zu werden. Daher ihr Interesse.

Über die Notwendigkeit als solche war also hier nicht mehr diskutiert worden. Es ging vielmehr um die Frage, warum man nicht informiert und erst aus der Zeitung von der bevorstehenden Verlängerung der Linie erfahren habe. In der Vergangenheit sei der schon vor "Jahrzehnten", so Bürgermeister Lorenz, und seither immer wieder geäußerte Wunsch aus verschiedenen Gründen abgelehnt worden. In den letzten Jahren scheiterte der Vorstoß am nördlichen Nachbarn, den man aus technischen Gründen aber braucht. Eine Fahrt nur bis zur Haltestelle "Dossenheim Nord" sei nicht möglich, eine Fahrt bis "Bahnhof Schriesheim" zwingend notwendig.

Hier war also keine Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Gemeinde sei deshalb bewusst nicht in den Prozess eingebunden worden, sagte Heidenreich. Der Schachzug sah vor, durch eine Fahrt der Linie 24 zur morgendlichen Stoßzeit den Bedarf nachzuweisen beziehungsweise den Kapazitätsengpass teilweise aufzufangen. Seit Oktober 2012 mache die Bahn das. Und zwar "ohne besondere Kommunikation", wie Heidenreich in seiner Präsentation nun den Zuhörern erklärte. Und siehe da, die "Geister-Bahn", die nach Fahrplan gar nicht existierte, wurde genutzt. Besonders viele Einsteiger gab es an der Haltestelle "Schriesheim Bahnhof" sowie an allen drei örtlichen Haltestellen. Am "Bunsen-Gymnasium" und am "Heidelberger Hauptbahnhof" werde vornehmlich ausgestiegen.

Die "Pilot-Fahrt" war noch auf RNV-Kosten gerechnet worden. Das jetzt beschlossene Paket ist natürlich zu bezahlen. Für die Dossenheimer sind das 29 700 Euro. Die "Linie 24" soll zwischen 7 und 9 Uhr und zwischen 16 und 18 Uhr im 20 Minutentakt fahren. Das sind mit der existierenden Fahrt insgesamt zehn zusätzliche Fahrten.

Das wecke bei Autofahrern berechtigt die Sorge, ob die Gleise überhaupt noch in zumutbarer Wartezeit überquert werden könnten, sagte Cornelia Wesch (FW). Heidenreich wählte die schöne Formulierung "weitgehend ausoptimiert", um zu verdeutlichen, dass sich an der Schließdauer der Schranken wohl letztlich wenig ändern lassen werde. Er wisse, dass das ein wichtiges Thema sei und wolle den Hinweis "gern noch mal mitnehmen". "Ich will aber keine Hoffnung machen", dämpfte er zugleich die Erwartungen.

Eugen Reinhard (FDP) fragte nach einer solchen Anbindung zur Mittagszeit, die für Teilzeitkräfte interessant sein könnte. Das würde zusätzlich wohl rund 10 000 Euro kosten, so Heidenreich. Und Bürgermeister Lorenz meinte, dass mit diesem Beschluss das Thema sicherlich nicht abgeschlossen sei.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung