22.05.2015

Schriesheim ist in Sachen Kinderbetreuung "gut aufgestellt"

Schriesheimer Gemeinderat würdigt Ausbau der Krippenplätze in den vergangenen Jahren und billigt Zuschüsse

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Sebastian Cuny (SPD) gab die Stimmung der Aussprache treffend wieder: "Selten haben wir eine so euphorische Diskussion über Zahlen erlebt." Obwohl: Eine Diskussion war es gar nicht. Eher ein Ausdruck von Zufriedenheit quer durch die Reihen des Gemeinderats. Es ging um die Zuschüsse für den Waldkindergarten "Purzelzwerg" sowie für die Krippen von "Purzelzwerg", "Postillion", "Tausendfüßler" und Arbeiterwohlfahrt. Tagesordnungspunkte, die getrennt abgestimmt, aber in einer Aussprache reflektiert wurden. Die Kernaussage: Bezüglich der Kleinkindbetreuung hat Schriesheim in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht. Und das sowohl konzeptionell, als auch in Bezug auf die akribischen Berechnungen der Zuschussbedarfe. Entsprechend einhellig fiel das Lob für Hauptamtsleiter Edwin Schmitt und seinen Mitarbeiter Robert Eszterle aus.

Um die erfreuliche Lage darzustellen, hatte Schmitt eingangs Euro-Beträge sprechen lassen. Die Stadträte haben am Mittwoch Zuschüsse mit einem Gesamtvolumen von 1,65 Millionen Euro gebilligt - 30.000 Euro weniger als im Haushalt 2015 veranschlagt. Dafür stiegen die Einnahmen durch Zuschüsse vom Land für die Zahl der betreuten Kinder von erwarteten 1,04 auf über 1,5 Millionen Euro. Unterm Strich stand hier ein Plus von rund 543.000 Euro. Das sorgt dafür, dass im laufenden Haushaltsjahr tatsächlich nicht mehr als sieben Prozent des Zuschussbedarfs durch die Stadt gedeckt werden müssen. Im Rhein-Neckar-Kreis rangiert Schriesheim auf dem vierten Platz, was die Zahl der betreuten Kinder angeht. "Was wir beschlossen haben, trägt Früchte", sagte Schmitt in Bezug auf den Ausbau der Krippen in den vergangenen Jahren: "Und die Einrichtungen sind gut ausgelastet." Von den 170 Betreuungsplätzen sind nur elf frei.

Sabine Fath (Grüne) verwies zwar darauf, dass die Stadt verpflichtet sei, Krippenplätze vorzuhalten. Aber auch sie sah die Stadt hier "gut aufgestellt". Man müsse aber darüber nachdenken, mehr Plätze für Schriesheimer Kinder anzubieten als für den Nachwuchs von auswärts. Momentan werden in den Krippen der Stadt 27 Kleinkinder aus anderen Orten betreut.

Dass er damals skeptisch gewesen sei, als es um den Ausbau der Krippenplätze ging, gestand Michael Mittelstädt (CDU): "Aber es hat funktioniert." Er dankte Schmitt, dass er den Gemeinderat seinerzeit "auf den Weg geschoben" habe. Das Hauptamt sei für die Einrichtungen ein verlässlicher Partner.

Auf den Zustand noch im Jahr 2012 ging Dr. Wolfgang Metzger (FW) ein: "Da war nichts da. Schriesheim ist dann gerade noch rechtzeitig konkurrenzfähig geworden. Die Richtung stimmt jetzt, und die Entscheidungen waren richtig." Cuny nannte die Kleinkindbetreuung einen "wichtigen Teil der Bildung". Auf Schriesheims Position im kreisweiten Vergleich könne man stolz sein. Es gebe ein Angebot unterschiedlicher Betreuungszeiten in der Stadt, "und wir machen eine gute Familienpolitik". Aber: Dadurch entstünden enorme finanzielle Herausforderungen, die die Stadt allein nicht stemmen könne.

Auch Wolfgang Renkenberger (FDP) stimmte den Bezuschussungen der Einrichtungen uneingeschränkt zu: "Die Schulstadt Schriesheim hat eben nicht nur Schulkinder." Schließlich ergriff auch noch Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf das Wort: "Ich dachte ja damals, die Krippenplätze gehen am Bedarf vorbei, und wir bleiben auf den Kosten sitzen." So sei es zwar nicht gekommen, aber elf freie und 27 durch Kinder von auswärts belegte Plätze seien immerhin ein Viertel des Gesamtangebots: "Also war die Aussage damals nicht ganz falsch, dass der Bedarf in Schriesheim gar nicht so groß ist." Schmitt erwiderte, dass es auch immer noch Schriesheimer Kinder gebe, die in den Nachbarorten betreut würden. Und wenn es mit der Nachfrage so weitergehe, "werden wir keine auswärtigen Kinder mehr aufnehmen können."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung