30.05.2015

Die Schriesheimer Bar von Udo Rauh hat eine wechselvolle Geschichte

Die Bar von Udo Rauh ist ein beliebter Treffpunkt für Musiker, andere Künstler und Stammgäste

"Mit Bier Ausschenken allein ist es nicht getan", sagt Udo Rauh (rechts) am Tresen seiner Kneipe. Deshalb gibt es im Kakadu auch "DJ-Nächte", Konzerte, Hochzeiten mit handgemachten Tapas oder auch mal eine "Youtube-Night", bei der das Publikum seine persönliche Hitliste diktiert.

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Der Kakadu, den Udo Rauh jahrzehntelang seinen treuen Begleiter nannte, ein "gelehriges Miststück", wie sein einstiges Herrchen meint, war Namensgeber für das Café, das Rauh am 11. Mai 1985 in der Talstraße eröffnete. Aus einem Wohnhaus wurde ein beliebter Szenetreff, die erste Kneipe in Schriesheim, in der sich junge Leute treffen konnten.

Probleme gab es bei der Umwidmung nicht: Das Ganze war von der Stadt gewollt, zumal es seinerzeit das erste Haus war, das von privater Seite bei der Altstadtsanierung umgebaut und auf sein früheres Aussehen zurückgeführt wurde.

Das "Haus Rauh" liege ihm am Herzen, sagte jüngst Stadtplaner Professor Lothar Götz, dem das Projekt Altstadtsanierung oblag. Die Bereitschaft der Besitzer zur Veränderung und Investition habe den Anstoß für weitere Privatinitiativen gegeben.

"Das Kakadu war von Anfang an ein Glücksfall und wurde vom Start weg gut angenommen", sagt Udo Rauh. Das lag nicht nur an der coolen Einrichtung im Bistro-Stil, sondern auch am Konzept mit Abenden voll Live-Musik, Lesungen, Kleinkunst, Themenveranstaltungen oder gar einem Flamenco-Abend mit einer Dozentin aus Mannheim und Tänzerinnen. Dazu servierte Rauh selbst gemachte Tapas, die von Spaniern hoch gelobt wurden. Dann gab es über zehn Jahre immer sonntags das legendäre Frühstücksbuffet: "Das erste in der Gegend", stellt der Wirt fest.

In diesem Jahr wird das "Kakadu", heute eine Bar, 30 Jahre alt. "Mal war sein Gefieder eher gerupft, dann wieder glänzend", resümiert der Besitzer und umschreibt damit die wechselvolle Geschichte des beliebten Treffs für Gäste von Bensheim bis Bad Dürkheim, von Bruchsal bis sonst wohin.

Denn nach zehn Jahren hatte Rauh genug und zog mit seiner Frau und den beiden Kindern in die Karibik. "Zweieinhalb Jahre lang. Es war wirklich schön, aber mit Familie, vor allem mit Kindern doch ein wenig schwierig." Rauhs kamen 1996 zurück nach Schriesheim; das "Kakadu" war noch fremdvergeben, doch starb der Pächter plötzlich. "Ich habe es dann wieder verpachtet, aber es lief nicht so. Da habe ich es für vier Jahre wieder selbst übernommen und auf die Füße gebracht", schildert Rauh.

Als der "Kakadu" wieder glänzte, vergab er die Kneipe erneut. Ein Fehler offenbar, denn aus dem "Kakadu" wurde eher ein kleiner Dreckspatz, ein Ort, der zum Stammtisch, zur "Fußball-Kneipe", wie Rauh formuliert, verkam. Vor einem Jahr nun sprang er erneut zurück hinter den Tresen, wobei es allein mit "Bierausschenken" nicht getan sei: "Das Geschäft ist viel schwieriger geworden. Zwischen Ausgaben und Einnahmen die Balance zu halten, ist nicht einfach." Zu organisieren und anständig zu wirtschaften sei unabdingbar.

Konsequent führte Rauh das "Kakadu" zurück zu seinen Wurzeln. Seine vielfältigen Kontakte als Kameramann, demnächst wieder im Einsatz bei "Rock im Park", lockten schon immer die Besonderen nach Schriesheim. "Wir hatten Konzerte mit Bands aus Wien oder Magdeburg, Konzerte mit Jugendbands oder andere spezielle Sachen", erklärt der Wirt, der bis auf AC/DC ("andere Firma") alles filmt, was in Deutschland auf die Bühne geht. Jetzt, zum 30-jährigen Jubiläum im Mai spielten wieder "Dirty Deeds" ihren High-Voltage-Rock’n’Roll im "Kakadu". Frontmann "BC" schaut beim Pressegespräch mit Rauh ebenfalls vorbei: Die Bar ist eben Treffpunkt für eine große Familie an Musikern und anderen Künstlern - und auch wieder, zu Rauhs Freude, für frühere Stammgäste. Die Küche ist zwar nach wie vor kalt (Raucherkneipe), aber die Kleinigkeiten auf der Karte sind immer frisch und hausgemacht aus regionalen Erzeugnissen. Für die Hochzeit neulich im "Kakadu" bereitete Rauh Hunderte von Tapas zu.

Logisch auch, dass Cocktails in einer Bar nicht fehlen dürfen, und selbstverständlich, dass das Musikprogramm weiterläuft: Am heutigen Samstag gibt’s ab 21 Uhr eine "DJ-Night", unter anderem mit dem Schriesheimer Charly Batuka, Eintritt frei. Im Juni stehen eine 70er-Jahre-Disco-Party mit DJ und eine Salsa-Night im Kalender. Zum Straßenfest im September reisen "Cornerstone" aus Wien an. Und dazwischen gibt’s einfach mal wieder eine "Youtube-Night", eine Art Wunschkonzert fürs Publikum, das an diesem Abend seine persönliche Hitliste diktiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung