01.06.2015

Ringen: Selbst mit einer "Supermannschaft" ringt Schriesheim gegen den Abstieg

Der KSV hat sich gut verstärkt - doch die Konkurrenz hat noch mehr aufgerüstet - 12:14-Niederlage im Pokal-Viertelfinale beim ASV Ladenburg

Von Claus Weber

Ladenburg. Es klingt paradox: Der KSV Schriesheim kann in der nächsten Saison die beste Mannschaft in seiner 112-jährigen Vereinsgeschichte aufbieten - und kämpft trotzdem gegen den Abstieg. "Es ist wie in den Jahren zuvor auch", glaubt Abteilungsleiter Klaus Grüber, "wir haben uns gut verstärkt - aber die anderen noch mehr."

Das Wettrüsten in der Ringer-Bundesliga geht weiter. Nach der Öffnung Kubas ringt künftig mit Mijain Nunez Lopez sogar der derzeit beste Ringer der Welt auf deutschen Matten. Der fünffache Weltmeister und zweimalige Olympiasieger verstärkt den ohnehin fast unschlagbaren ASV Nendingen. "Die Schere geht immer weiter auseinander", verfolgt Willi Ullrich die Entwicklung kritisch. Der frühere nordbadische Landestrainer und ehemalige Vereinscoach des KSV Schriesheim ist ein Experte. Der 65-Jährige sagt: "Eigentlich hat Schriesheim eine Supermannschaft, aber gegen die großen Vier hat es keine Chance."

Die großen Vier sind neben Meister Nendingen der deutsche Vizemeister SV Weingarten, der TuS Adelhausen, der sich gerade mit dem Ex-Schriesheimer Stefan Kehrer und weiteren Assen verstärkt hat, sowie der finanzkräftige Aufsteiger KSV Ispringen.

Da die Bundesliga Süd auf sechs Teams reduziert wurde, weil ausgerechnet Schriesheims Derbygegner VfK Schifferstadt in die Nordgruppe musste, bleibt wohl nur der KSV Aalen, mit dem sich die Bergsträßer messen können.

Selbst der letzte Platz in der Südgruppe würde aber nicht gleich den Abstieg bedeuten. Die Fünft- und Sechstplatzierten aus Nord- und Südgruppe treffen ab Mitte November in einer Playoff-Abstiegsrunde aufeinander.

Der bisherige Co-Trainer Kai Dittrich, der nach dem Abgang von Stefan Kehrer, künftig alleiniger Chef am Mattenrand ist, weiß um die Schwere seiner Aufgabe, verbreitet aber auch Optimismus. "Die anderen sind stärker geworden", sagt er, "aber wir haben Ende der letzten Runde mit unseren Siegen über Adelhausen und Schifferstadt und dem Unentschieden gegen Weingarten bewiesen, dass mit uns zu rechnen ist."

Die herausragenden Neuzugänge an der Bergstraße sind die beiden Polen Damian Janikowski (86 kg/klassischer Stil) und Thomas Swierk (66 kg/klassischer Stil), die zuletzt für Adelhausen bzw. Köllerbach in der Bundesliga kämpften. Janikowski war Olympiadritter 2012. Auch der Franzose Luca Lampis (75 kg/Freistil), der 2013 den "Golden Grand Prix" gewann, wird eine Verstärkung sein.

Ebenso wie der Rumäne Rares Chintoan, der im Freistill-Schwergewicht zuletzt zweimal seinen Vorgänger Stefan Kehrer bezwingen konnte.

Mit dem Ex-Aalener Coskun Efe (120 kg/klassischer Stil), der 2010 Dritter bei der Junioren-WM war, dem deutschen Juniorenmeister Niklas Dorn (61 kg/Freistil) aus Köllerbach und mit dem Leipziger Dustin Scherf (61 kg/klassisch) hat Schriesheim auch drei deutsche Spitzenringer unter Vertrag genommen.

Nicht mehr an der Bergstraße kämpfen werden neben Stefan Kehrer auch Alexander Kazakevic (nach Aalen) und Benny Hofmann (nach Mömbris). Bantamgewichtler Emil Sundberg aus Schweden und Schwergewichtler Vilnius Laurinaitis aus Litauen sind nicht mehr im Kader vorgesehen. Und auch den Russen Artem Gebekov wird man wohl nicht mehr an der Bergstraße sehen. "Er hat Probleme mit der Freigabe", bedauert Abteilungsleiter Klaus Grüber.

Die neue Saison beginnt für Schriesheim wegen der Weltmeisterschaften erst am 19. September mit dem Heimkampf gegen Adelhausen.

Falls nicht noch ein Freundschaftskampf ausgemacht wird, müssen sich die Ringerfans so lange gedulden. Am Wochenende flog der KSV durch eine 12:14-Niederlage beim ASV Ladenburg schon im Viertelfinale aus dem nordbadischen Pokal. Die Bergsträßer hatten beim Oberligisten mit Oldrik Wagner, Rene Jünger und Sascha Büchner nur drei Athleten aus dem Bundesligakader aufgeboten. "Schade, dass Christoph Ewald wegen einer Verletzung und Sebastian Schmidt wegen eines Turnierbesuchs in Polen fehlten", bedauerte Klaus Grüber, "sonst hätte es sicher zum Sieg gereicht."

Matchwinner für Ladenburg waren die Brüder Shamil und Dzhambulat Gadziev, die die spannenden Schlüsselkämpfe gegen Felix Losmann bzw. Sascha Büchner mit 7:6 bzw. 3:3 hauchdünn gewannen.

Ringer-Pokal, Viertelfinale

ASV Ladenburg - KSV Schriesheim 14:12. 52 kg GR: Riefling - N. Siegmund 4:0 (19:2); 130 kg F: Mieslinger - Wagner 0:4 (Schultersieg); 57 kg F: S. Gadzhiev - Losmann 1:0 (7:6); 98 kg G: Karakus - Jünger 0:4 (Schultersieg); 61 kg G: Dobrea - Hartmann 0:4 (Übergewicht); 86 kg F: D. Gadziev - Büchner 1:0 (3:3); 66 kg F: Sobczak - M. Siegmund 4:0 (16:0); 75 kg G: Balaban - Steffan 4:0 (23:7).

Der Schriesheimer Kader, 57 kg Freistil: Christoph Ewald; 57 kg Griechisch-römisch: Sergej Borgojakov (Russland); 61 kg F: Niklas Dorn (KSC Hösbach); 61 kg G: Dustin Scherf (KFC Leipzig); 66 kg: F: Andrej Perpelita; 66 kg G: Mihael Mihut, Thomas Swierk (KSV Köllerbach); 75 kg F: Luca Lampis (Frankreich), Sascha Büchner; 75 kg G: Ionel Puscasu; 86 kg F: Markus Plodeck; 86 kg G: Attila Tamaz, Damian Janikowski (TuS Adelhausen); 98 kg F: Oldrik Wagner; 98 kg G: Rene Jünger; 130 kg F: Rares Chintoan (KSV Triberg); 130 kg G: Coskun Efe (ASV Blindlach).

Die Vorentscheidung in Ladenburg. Oskar Sobczak (rotes Trikot) schlug Schriesheims Marcel Siegmund überhöht mit 16:0 Punkten. Foto: vaf

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung