05.06.2015

Seelsorgeeinheit Dossenheim/Schriesheim feierte Fronleichnam mit Prozession

Eine Demonstration für den Glauben - Pfarrer Baier thematisiert die Flüchtlingslage in Europa

Dossenheim/Schriesheim. (ebe) Gesang ertönte bei der gestrigen Fronleichnamsprozession in den Straßen von Dossenheim. Mehr als 300 Christen bildeten den Zug, in dessen Mitte Pfarrer Ronny Baier mit der Monstranz, dem Allerheiligsten, lief.

Der Geruch von Weihrauch erfüllte die Luft, und das Sonnenlicht spiegelte sich im Gold der Monstranz wieder. Die Straße war eingenommen von Mitlaufenden, und man sah, wie der Dirigent seinen Stab über die Menge hob. Der Kirchenchor und die Pfarrmusik begleiteten die Feiernden von St. Pankratius zum Rathausplatz, wo am Wegkreuz bei der Familie Merkel innegehalten wurde, bevor es wieder Richtung Kirche ging.

"Dieser Weg ist Tradition", so der Pfarrer. Alle zwei Jahre feiert die Seelsorgeeinheit das Fronleichnamsfest in Dossenheim. Die Straßen waren geschmückt mit zahlreichen gelb-weißen Fahnen. "Das sind die Farben der katholischen Kirche", erklärte Michaela Marcolini, zweite Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Die Bewohner Dossenheims, die an der Prozessionsstrecke wohnen, schmückten ihre Häuser aus eigener Initiative. An jeder Ecke waren große Fahnen zu sehen, und in vielen Blumenkästen und Beeten steckten kleinere Versionen aus Papier.

Einige Bewohner beobachteten den Festzug von ihren Balkonen aus. Feuerwehrautos sperrten die Strecke ab, und Einsatzkräfte leiteten den Verkehr um, bis die Prozession beendet war. Das Fest erregte Aufmerksamkeit. Genau das ist die Absicht einer Prozession, sagte Baier. Eine "Demonstration des Glaubens" zu schaffen sei das Ziel, denn "was im Inneren der Kirche passiert, ist auch außerhalb von Belang".

Zudem thematisierte der Geistliche die aktuelle Lage von Flüchtlingen in Europa. Er rief dazu auf, sie zu unterstützen und ihnen eine Heimat zu bieten.

Knapp 20 Ministranten aus Dossenheim und Schriesheim wirkten im Gottesdienst und bei der Prozession mit. Schließlich mussten Glocken getragen werden, Fahnen, Weihrauch, ein Kreuz und auch der Lautsprecher des Mikrofons für die Station am Rathausplatz. Ein junger Messdiener stand, fast geblendet von der Sonne, neben den Kirchenmitgliedern und hielt den Lautsprecher, damit jeder das Gesagte verstehen konnte. Die Kommunionskinder waren auch Teil des Zuges, sie liefen vor dem Baldachin, unter dem der Pfarrer die Monstranz trug. Fast alle Ministranten seien seit ihrer eigenen Kommunion mit dabei, sagte Hyeun-Jee Song. Die 19-Jährige kümmerte sich am Vormittag um den Weihrauch und begleitet die Gottesdienste der Gemeinde bereits seit zehn Jahren.

Ronny Baier lud nach der Rückkehr zur Kirche alle Anwesenden zum Mittagessen ins Augustinusheim ein. Dort organisierte die Pfarrgemeinde Eintöpfe und Kuchen, die Bühne war von der Pfarrmusik besetzt und Groß und Klein traf sich, um den Feiertag zu genießen. Der Erlös der Speisen ging an alle Gruppen der Kirchengemeinde, die in die Kinder- und Jugendarbeit involviert sind. "Wir hoffen, dass es reicht, um allen eine Kugel Eis zu spendieren", sagte Marcolini. Doch sie war optimistisch, denn nach kurzer Zeit füllten sich die 200 Plätze des Augustinusheims.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung