15.06.2015

Ursenbacher Protestanten: Beitritt zu Schriesheim "muss wohl überlegt sein"

Ursenbacher Protestanten: Beitritt zu Schriesheim "muss wohl überlegt sein"Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller über den Wunsch der Ursenbacher Protestanten, künftig zur Schriesheimer Gemeinde zu gehören

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Ursenbach. So ein Fall komme ganz selten vor, sagte die neue Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim, Monika Lehmann-Etzelmüller. Die RNZ suchte mit ihr das Gespräch über den Wunsch der Ursenbacher Protestanten, künftig nicht mehr zur Kirchengemeinde Heiligkreuz-Oberflockenbach zu gehören, sondern zu Schriesheim.

Wie berichtet, gab es unter den evangelischen Christen im Dorf eine vom Ortschaftsrat organisierte Umfrage. An dieser sollen sich 45 der rund 60 Kirchengemeindemitglieder beteiligt haben. Rund 80 Prozent hätten sich für den Wechsel nach Schriesheim ausgesprochen, informierte Traudel Edelmann. Letzter Stein des Anstoßes für den Wunsch nach dieser Veränderung war wohl ein Beschluss des Kirchengemeinderats von Heiligkreuz, die Gottesdienste in Ursenbach ab diesem Jahr einzustellen. Aus Kostengründen.

Rein formal, so erläuterte Lehmann-Etzelmüller, gilt Ursenbach als sogenannte Predigtstelle innerhalb der Kirchengemeinde Heiligkreuz-Oberflockenbach. Zuständiger Pfarrer ist Michael Batzoni, der jedoch bei den Ursenbachern nicht den leichtesten Stand hat, wie schon bei der Gemeindeversammlung im vergangenen September zu spüren war. Die Sympathien gelten viel mehr Hans Behrendt, der als Ruheständler noch immer in Ursenbach Gottesdienste hält. Auch künftig sei er dazu bereit, freute sich Lehmann-Etzelmüller.

Sie informierte darüber, dass es sich im Falle eines Wechsels der Ursenbacher zur Kirchengemeinde in Schriesheim um eine Veränderung der Gemeindegrenzen handeln würde. Hier liege die Entscheidungsbefugnis beim Bezirkskirchenrat. Zuvor müsse ein Antrag an das Gremium gestellt werden. Wer diesen einzureichen hat, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Eine diesbezügliche Anfrage der RNZ bei der Rechtsabteilung des Oberkirchenrats in Karlsruhe wurde noch nicht beantwortet. Lehmann-Etzelmüller wollte sich in dieser Formalie nicht festlegen: "Das ist eine neue Situation. Aber wir verstehen es eigentlich so, dass Schriesheim als aufnehmende Gemeinde den Antrag stellen müsste." Aber, wie gesagt, das bedarf noch der Klärung.

Mindestens so wichtig wie die formale Seite, wer wann welchen Antrag stellt, ist die Kommunikation. Die Dekanin unterstrich, dass einem Beschluss des Bezirkskirchenrats in der Ursenbacher Zugehörigkeitsfrage zunächst zahlreiche Gespräche vorausgehen sollten. So sollte die "abgebende" Gemeinde ebenso ein Votum vorbringen, wie die "aufnehmende". Auf jeden Fall sei dieses Thema jetzt aktuell, so Lehmann-Etzelmüller: "Da müssen wir ran". Sie habe bereits versucht, mit Batzoni Kontakt aufzunehmen. Ebenso habe sie sich mit Ursenbachs Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann verabredet: "Es geht darum, was Ursenbach möchte und braucht". Gemeinsam werde nach einer "guten Lösung" gesucht.

Es müssten darüber hinaus "gewichtige Gründe" vorliegen, damit der Bezirkskirchenrat dem Wechsel zustimme. Dabei könnte in die Waagschale geworfen werden, dass die Ursenbacher Konfirmanden ihren Konfirmandenunterricht in Schriesheim erhalten. Auch die politische Zugehörigkeit Ursenbachs zu Schriesheim könne eine Rolle spielen. Lehmann-Etzelmüller sprach von einer "generellen Orientierung" der Ursenbacher nach Schriesheim: "Da scheint mir etwas gewachsen zu sein."

Die Dekanin sagte, dass eigentlich alles ganz schnell gehen könne, wenn sich alle Beteiligten einig seien. Das heißt aber nicht, dass Lehmann-Etzelmüller besonderen Wert auf das Tempo legt. Eher im Gegenteil, hat man den Eindruck: "Alles muss wohl überlegt sein. Es ist wichtig, dass wir in Ruhe sprechen, damit der Bezirkskirchenrat versteht, was hier getan werden soll. Es ist ja eine Entscheidung mit einer langfristigen Tragweite." Sollte das Gremium dem Wechsel zustimmen, so würde dieser Beschluss beim Oberkirchenrat zunächst noch kirchenrechtlich geprüft, so Lehmann-Etzelmüller zu einem weiteren formalen Aspekt.

Selbst hat sich die Dekanin noch keine abschließende Meinung zum Ursenbacher Wechselwunsch gebildet: "Dafür weiß ich noch zu wenig und möchte erst mit allen Beteiligten reden." Sie könne jedoch "absolut verstehen", dass die Protestanten auch künftig Gottesdienst im Dorf feiern wollen: "Zumal wir hier eine sehr stabile Gottesdienst-Gemeinde haben." Ob der Wechsel nach Schriesheim dafür jedoch die einzige Lösung sei, das sei noch offen, so Lehmann-Etzelmüller abschließend.

Monika Lehmann-Etzelmüller kann verstehen, dass die Ursenbacher auch weiterhin Gottesdienste im Dorf feiern wollen. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung