15.06.2015

Schriesheim: "Die Rebläuse" zeigten "Acht Frauen"

Die Theatergruppe präsentiert eine wunderbar eingespielte Frauenmannschaft bei der Krimikomödie von Robert Thomas

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Ein wenig verloren steht das Bäumchen in der Kulisse; zwar ist Weihnachten, aber der bunt geschmückte Christbaum wird nicht etwa Zeuge eines traulichen Fests, sondern eines buchstäblich mörderischen Familiendramas. Oberflächlich betrachtet mag das daran liegen, dass Hausherr Marcel am frühen Morgen mit einem Messer im Rücken aufgefunden wird. Doch im weiteren Verlauf der Ereignisse dümpelt der dahingeschiedene Geschäftsmann ebenso unbeachtet am Rand des Geschehens dahin wie die Plastiktanne.

Robert Thomas’ Krimikomödie "Acht Frauen" dreht sich ausschließlich um die weiblichen Bewohner einer Villa irgendwo in Frankreich. So sehr, dass auch auf der Besetzungsliste der Theatergruppe "Die Rebläuse" kein einziger Mann steht. Dafür aber eine wunderbar eingespielte Frauenmannschaft unter Leitung von Regisseurin Tanja Götemann, die dem Publikum im "Goldenen Hirsch" trotz sommerlicher Hitze einen unvergesslichen Weihnachtsabend beschert.

Die Fäden zieht die schöne Hausherrin Gaby (Susanne Beier), frisch gebackene und nicht eben untröstliche Witwe von Marcel, die ihre ältere Tochter Susanne, gespielt von der 15-jährigen Imogen Hüsing, gerade vom Bahnhof abgeholt hat, als das Drama seinen Lauf nimmt und Susanne sich auf die Suche nach dem Mörder macht. "Keiner verlässt das Haus" ist das Motto in schönster Agatha-Christie-Manier. Es stellt sich heraus, dass das auch keiner kann: Das Tor ist verriegelt, die Autoreifen durchstochen und die Telefonleitung gekappt.

Nun sind sie einander ausgeliefert, die seltsamen und etwas schrulligen Bewohnerinnen, die umeinander herumschleichen wie Katzen mit ausgefahrenen Krallen. Da ist die treu sorgende Haushälterin Madame Chanel (Angelika Strelow-Reichardt), die vielleicht doch kein so braves Heimchen ist, wie man denkt. Ihr zur Seite steht das bockige Dienstmädchen Louise, dem Anja Filler eine wunderbar trotzige Schmollmund-Attitüde verleiht; sie ist nicht nur für die Zimmer der Herrschaft verantwortlich, sondern auch für die Spritzen, die die malade Schwester Gabys stets braucht.

Waltraud Zinselmeier mimt überzeugend die altjüngferliche Augustine, die dem Hausherrn heimlich Liebesbriefe schreibt: Ihre hysterischen Szenen sorgen für Lacher im ausverkauften "Hirsch"-Saal. Trotzdem bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken, wenn sie mit entwaffnender Offenheit davon spricht, dass sie eine "vertrocknete Frucht" ist und völlig auf sich gestellt.

Die Hausgesellschaft wird komplettiert durch die geizige, heimlich trinkende Großmutter Mamy (Irmgard Mohr) und die jüngste Tochter Catherine, die die 15-jährige Birte Beier als kaltschnäuziges Gör darstellt, zugleich aber auch als kleine Akrobatin, die mit ihren Rollschuhen geschmeidig durch die Kulissen und den ganzen Saal gleitet. Wie ihre Mitstreiterinnen singt und tanzt sie in kurzen Sequenzen, was der Truppe immer wieder begeisterten Applaus einbringt.

Dazwischen verdichtet sich die Handlung: Vergiftete Hunde, gestohlenes Geld und eine geladene Waffe sorgen für Spannung. Und nicht zuletzt der Auftritt der achten Frau: Im dramatischen Scheinwerferlicht betritt Marcels Schwester Pierrette die Bühne - Gela Maurer ist die Rolle der undurchsichtigen Lady auf den Leib geschneidert.

Zunächst fällt der Verdacht auf Pierette, doch sie schafft es immer wieder, der Familie den Spiegel vorzuhalten. Ob sie die Mörderin des Hausherrn ist, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Die Lösung des Rätsels überrascht fast alle Zuschauer. Der lang anhaltende Applaus am Ende der Vorstellung dagegen niemanden.

Info: Das Stück "Acht Frauen" wird noch dreimal aufgeführt: Am Freitag, 19., Samstag, 20., und Sonntag, 21. Juni, jeweils um 19 Uhr im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch". Karten kosten 13 Euro.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung