22.06.2015

Einzelhandel in Schriesheim: Die Grünen haben sich viel notiert

Vor dem heutigen Baustart: GL-Stadträte fragten Geschäftsleute im Baustellenbereich der Heidelberger Straße nach Nöten und Wünschen

Wohin mit der Auslage? Ruhije Görgülü (2. v. l.) mit den Stadträten Christian Wolf, Fadime Tuncer und Wolfgang Fremgen (v. l.) vor ihrem Lebensmittelgeschäft in der Heidelberger Straße. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Heute soll die Kanal-, Leitungs- und Pflastersanierung in der Heidelberger Straße zwischen Tal- und Kirchstraße mit dem ersten Abschnitt beginnen. Am Samstag zur Marktzeit schaute die Grüne Liste bei Geschäftsleuten im Baustellenbereich vorbei, um nach deren Sorgen und Bedürfnissen bezüglich der Bauarbeiten zu fragen und Anregungen aufzunehmen.

An der Kreuzung zur Oberstadt trafen die Stadträte Christian Wolf, Fadime Tuncer und Wolfgang Fremgen auf "Hirsch"-Wirt Jürgen Opfermann: "Mit etwas mehr Vorlauf hätte man die Baustelle vielleicht schneller durchziehen können." In zwei Mal sechs Wochen intensiver Arbeit, jeweils in diesen und in den Sommerferien des kommenden Jahres. Fünf Monate Bauzeit würden dagegen Schwierigkeiten für Wirte und Ladenbesitzer bedeuten. Kunden, die mal verloren seien, kämen so schnell nicht wieder. Zwar sei angekündigt worden, dass alle Geschäfte jederzeit zu Fuß zu erreichen seien: "Aber wenn es regnet, kann man die Gummistiefel gleich dazu stellen", so Opfermann.

Vielleicht könne man als Anregung aufnehmen, überlegte Wolf, dass in den Sommerferien intensiver gearbeitet wird: "Wir notieren das mal." Tuncer schrieb mit. Grundsätzlich wies Wolf darauf hin, dass mit der Baumaßnahme ja auch eine Stärkung der Innenstadt verbunden sein solle. Schließlich werde auch das Pflaster neu gemacht, und wie künftig die Parkplätze zwischen Tal- und Kirchstraße gestaltet würden, sei auch noch zu diskutieren. Dazu hörten die Grünen unterschiedliche Ansichten. Aufgeschlossen gegenüber gemeinsamen Aktionen während der Bauphasen zeigten sich alle. "Da muss der Bund der Selbstständigen federführend sein", so Tuncer.

Opfermann appellierte an Kunden und Gäste, der Gastronomie und dem Einzelhandel in den kommenden Monaten die Treue zu halten. Der Wirt fragte sich darüber hinaus, wo Feuerwehr und Rettungswägen während der Bauzeit fahren sollen und wie es mit dem Verkehr zur Schule aussieht. "Wir sollten mal mit der Strahlenberger Grundschule reden", überlegte Wolf.

Danach ging es weiter ins Schreibwaren-Geschäft von Gerda Keck: "Ich kann’s nicht mehr hören". Man dürfe die Baustelle nicht dramatisieren: "Es muss ja gemacht werden, und ich sage unseren Kunden: Wenn sie nicht mehr bei uns einkaufen, dann sieht es hier bald so aus wie in Leutershausen und Dossenheim." Es sei wichtig zu sagen, dass die Einbahnstraßenregelung in der Heidelberger Straße in Richtung Schulgasse während der Bauzeit aufgehoben sei. Den Erhalt von Parkplätzen würde sie begrüßen. Weniger Reiz hat für sie die Idee, die Geschäfte durch Auslagen vor den Ladentüren mehr "nach draußen zu holen": "Wir können nichts rausstellen. Außerdem kaufen dann viele, ohne zu bezahlen". Sprich: Es wird geklaut. Ein Problem, das auch Ilse General vom "Kinderlädchen" kennt. Zu den Infos im Vorfeld der Baumaßnahme sagte sie, dass die Stadt das insgesamt schon gut gemacht habe, aber: "Ich habe sechs Monate Vorlauf für Bestellungen. Hätte ich von der Baustelle früher gewusst, hätte ich 30 Prozent weniger bestellt. Das wird das Problem sein."

Sie regte in der Heidelberger Straße Kurzzeitparkplätze mit Parkuhren für den schnellen Einkauf an: "Die 50 Cent erstatte ich den Kunden dann gerne." Allerdings müsste das Parken dann auch von Seiten der Stadt kontrolliert werden. Außerdem regte sie an, dem Festplatz gerade im Hinblick auf seine Parkplätze einen "schönen Namen" zu geben: "’Festplatz’: Wie klingt denn das?". Auch das notierten die Grünen.

Schlaflose Nächte hat Ruhije Görgülü vom Lebensmittelladen "G. Yasmin": "Ich bin total unglücklich. Dieses Jahr ist es besonders ruhig, und ich fürchte, es wird noch schwieriger, wenn ich während der Baustelle meine Auslage nicht nach draußen stellen kann." Wohin also mit Obst und Gemüse? "Vielleicht könnte sie in die Hofeinfahrt nebenan ausweichen? Da müssen wir mal fragen und eine Lösung suchen", so Tuncer. "Ich wünsche mir einfach mehr Kundschaft, und dass bei uns auch während der Bauzeit eingekauft wird", so Görgülü.

Im "Divino" äußerte Inhaber Christian Reinhard, was auch die anderen bewegt: "Es geht um die Anlieferungen, darum, dass man ans Geschäft kommt." Ein paar Tische für Gäste würde er künftig ja gerne vor die Tür stellen. Dafür werde in der Heidelberger Straße aber zu schnell gefahren: "Man müsste mal den fahrenden Verkehr mehr kontrollieren als den ruhenden." Auch er wäre bei einem "Baustellenfest" oder einer ähnlichen Aktion dabei, denn Einschränkungen werde es schon geben fürs Geschäft.

Auch bei Angrenzern der Baustelle fragten die Grünen nach. Für mehr als weniger Parkplätze plädierte Renate Heiss: "Das ist jetzt ja eine Katastrophe." Ansonsten sei sie entspannt. Ihre Bäckerei sei erreichbar. Anders sah es Metzger Alexander Urban. Die Baumaßnahme werde weh tun: "Umso wichtiger ist eine gute Beschilderung an der Talstraße." Damit die Kunden wissen, wie sie zu den Geschäften kommen. Anders als Ilse General sprach er sich gegen ein Kurzzeitparken in Zukunft aus: "Selbst eine Stunde ist schnell vorbei, wenn ich in mehrere Geschäfte gehen möchte."

Wie also wird die Heidelberger Straße im Baustellenbereich künftig ausgestaltet - auch in Bezug auf das Parken und die Auslagen der Geschäfte? "Das müssen wir bald mal breiter diskutieren", so Wolf. Für die Grünen hat sich die Umfrage in den Geschäften jedenfalls gelohnt. Tuncer hatte viel notiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung