29.06.2015

Schriesheim: Gemischte Gefühle auf dem Wochenmarkt

Verlegung vor das Neue Rathaus stößt bei Händlern auf geteilte Resonanz - Falschparker zieht den Zorn auf sich

Schriesheim. (sk) Die Sonne am Samstagvormittag bescheint eine Szene, die ein wenig an einen orientalischen Basar erinnert: Verkaufstische und -stände stehen auf dem Platz vor dem Neuen Rathaus, die Markisen stoßen in der Mitte des Durchgangs beinahe aneinander. Tagesthema an den Ständen und bei den Käufern ist die Verlegung des Wochenmarkts wegen der Baustelle in der Heidelberger Straße. Es zeigt sich, dass es dazu keine einhellige Meinung gibt.

"Ich habe die Schilder in der Kirchstraße gelesen", sagt ein Mann. Er meint die Hinweise auf den neuen Standort, von denen seine Begleiterin nichts mitbekam. "Das stand auch nicht im Amtsblatt", behauptet sie. Doch täuscht sie sich, wie auf Seite 20 der aktuellen Ausgabe nachzulesen ist. Außerdem stand der Hinweis längst in der RNZ.

Sabri Baskaya macht die Runde und bietet allen dünnes, mit Schafskäse gefülltes Fladenbrot von der heißen Platte an. Seit 2002 ist der Frankenthaler Feinkosthändler beim Wochenmarkt dabei, stand schon in der Heidelberger und der Kirchstraße und ist über den vorübergehenden Umzug gar nicht entzückt: "An diesem Platz sieht mich keiner." Er hofft, dass sich das nächste Woche ändert, ansonsten spielt er mit dem Gedanken, bis zum Ende der Baustelle eine Pause einzulegen und erst zum ersten Advent - dem angekündigten Baustellen-Ende - wiederzukommen.

Silke und Katharina, die beim "Weilerhöfer Bauernladen" hinter dem Verkaufstresen stehen, sehen das anders. Sie haben viele Stammkunden gesehen, aber auch neue Gesichter. Dass am Vormittag ein großes Gewitter niederging, wirkte sich erst mal auf den Kundenstrom aus, doch danach kehrte der Alltag ein. "Wir haben uns hier wohlgefühlt", sagt Silke. Für Elvira Hetterich vom Käseladen hat der Morgen dagegen mit einem Schrecken begonnen: Ihr Chef setzte den Wagen beim Rangieren in der schmalen Zufahrt an den dort aufgestellten Beton-Blumenkübel. Noch immer steht der Waschbeton-Quader ein wenig schräg.

Auch ihre Kollegin Ute Thurner hatte in den Morgenstunden wenig Spaß: "Es war katastrophal." Schuld daran war ein Auto, das da parkte, wo eigentlich ihr Eier-Verkaufswagen stehen sollte. Weil das Fahrzeug die Durchfahrt blockierte, mussten die Händler ihre Transporter umständlich daran vorbeirangieren.

Ihre Stand-Nachbarinnen Silke und Katharina packten mit an, und gemeinsam wuchtete das Trio den mächtigen Wagen an einen anderen Platz. Nach dem Platzregen seien alle "nass bis auf die Haut" gewesen. Als später der Fahrer sein Auto wegfuhr, sorgte seine ungerührte Reaktion - "ich parke immer hier" - auch nicht gerade für Freudestrahlen. "Dabei hat er Glück gehabt, dass wir nicht die Polizei geholt haben", meint Thurner.

Der spätere Vormittag versöhnte sie mit der Mühe, denn ihr Eindruck ist: "Es kommen noch mehr Leute als in der Kirchstraße." Sie vermutet, dass das so ist, weil das Einkaufen durch den benachbarten Parkplatz bequemer ist. Sie weiß, dass die Ladeninhaber in der Kirch- und in der Heidelberger Straße den Wochenmarkt-Umzug "aufs Äußerste" bedauern: "Denn da bleibt das Laufpublikum weg."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung