09.07.2015

Schriesheim: Familienheim überrascht Stadt

Mit Planung von Flüchtlingsunterkunft in Baugebiet "Fensenbäume" - Kreis wusste früh Bescheid - "Es gab nichts Konkretes", so Bürgermeister Höfer

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Was als Zehn-Familien-Haus geplant war, soll nun eine Flüchtlingsunterkunft für 60 Personen werden: Wie die Baugenossenschaft Familienheim Rhein-Neckar am gestrigen Dienstag auf RNZ-Anfrage bestätigte, plant sie den Bau einer Immobilie zur Flüchtlingsunterbringung auf ihrem Grundstück in der Straße In den Fensenbäumen 22. Die Bauzeit soll nach Angaben der Genossenschaft rund acht Monate betragen. Die Planung dafür soll noch in dieser Woche beim Landratsamt eingereicht werden.

Beim Rhein-Neckar-Kreis weiß man seit einem "allerersten Kontakt" im Februar von dem Vorhaben, das die Familienheim bereits in ihrem Geschäftsbericht 2014 ankündigt. Die Genossenschaft habe sich Anfang des Jahres für die Rahmenbedingungen einer Flüchtlingsunterbringung interessiert, so Kreissprecherin Silke Hartmann auf RNZ-Anfrage. Vergangene Woche sei dann das Ordnungsamt des Rhein-Neckar-Kreises von der Familienheim Rhein-Neckar über deren Planungen im Schriesheimer Baugebiet informiert worden. "Wir werden nun Vertragsverhandlungen aufnehmen", so Hartmann. Im Raum steht, ebenso wie bei der Flüchtlingsunterkunft in der Carl-Benz-Straße 23, eine Miete für zehn Jahre nach Fertigstellung. Die Plätze in der Straße In den Fensenbäumen 22 seien für die Belegung im Sommer nächsten Jahres eingeplant, teilte Hartmann mit.

So orientiert sich das Landratsamt über das Vorhaben der Familienheim Rhein-Neckar zeigte, so überrascht war man von der Entwicklung im Schriesheimer Rathaus. Entsprechend äußerte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern auf Nachfrage. Der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) habe das Baugesuch für das Haus mit zehn Parteien seinerzeit abgelehnt, da es zu vieler Befreiungen vom dort gültigen Bebauungsplan bedurft hätte.

Dass die Familienheim plane, "etwas für Flüchtlinge zu bauen", so Höfer, sei ihm "irgendwann mal" zugerufen worden: "Aber Gespräche gab es da nicht. Es gab nichts Konkretes." Das hat sich jetzt geändert. Laut Familienheim werde sich die Planung der Immobilie an die baurechtlichen Vorgaben des Bebauungsplans halten. Daher solle eine Genehmigung im Kenntnisgabeverfahren erteilt werden. Das heißt: Eines Beschlusses des ATU bedürfte es nicht mehr.

Das bestätigte Höfer theoretisch: "Die Familienheim ist Eigentümerin des Grundstücks, und in allgemeinen Wohngebieten können soziale Einrichtungen geschaffen werden." Allerdings sei das in fester Bauweise etwas komplizierter. Wenn sich die Planung an die baurechtlichen Vorgaben halte, sei ein Kenntnisgabeverfahren zwar möglich: "Aber ich will da nicht spekulieren."

Fadime Tuncer vom Schriesheimer Runden Tisch Integration zeigte sich irritiert, dass die Pläne der Baugenossenschaft so spät öffentlich wurden: "Ich frage mich, warum die Familienheim so lange gewartet hat. Es stand ja schon lange fest." Im Gemeinderat müsse man darüber intern noch einmal diskutieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung