21.07.2015

Flüchtlingsunterkunft Schriesheim: Treffen mit Kreis und Familienheim-Chef angeregt

Die CDU sprach mit Bürgern am Grundstück der geplanten Unterkunft in den "Fensenbäumen" - "Rein baurechtlich können wir nichts tun, wenn sich die Familienheim an den Bebauungsplan hält"

Gut 30 Nachbarn kamen zu dem Ortstermin, den die CDU initiiert hatte. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am Ende war es Landtagsabgeordneter und Nachbar Georg Wacker, der vorschlug, dass eine kleine Gruppe von Anwohnern das Gespräch mit Landrat Stefan Dallinger und Familienheim-Chef Gerhard Burkhardt sucht. Um "Möglichkeiten" auszuloten. Um vielleicht zumindest durchzusetzen, dass keine Einzelpersonen, sondern nur Familien in die Flüchtlingsunterkunft einziehen, die die Baugenossenschaft auf ihrem Grundstück in der Straße In den Fensenbäumen 22 plant. Mitten im Wohngebiet. Viel mehr Ergebnis war von dem gestrigen Termin vor Ort nicht zu erwarten, zu dem Stadtverband und Gemeinderatsfraktion der CDU die Bürger eingeladen hatte. Denn Vorsitzender und Stadtrat Daniel Schneegaß gab schon eingangs zu: "Unsere Einflussmöglichkeiten sind begrenzt." Und sein Kollege Frank Spingel bedauerte: "Wir hängen in der Luft wie Sie."

Immerhin wolle man "Sorgen, Wünsche und Anregungen" aufnehmen und diese dann "so gut wir können" im Rathaus und im Landratsamt vorbringen, sagte Schneegaß vor gut 30 Bürgern. Sachlich und vorsichtig argumentierten sie über, so Schneegaß, ein "sensibles Thema, das viele Menschen bewegt." Und bei dem schon "eine falsche Nuance" in der Wortwahl reiche, um in eine bestimmte politische Ecke gedrängt zu werden, meinte der CDU-Stadtverbandschef.

Wackers Vorschlag kam insofern an, als dass es schon eine Bürgergruppe gibt, die sich des Themas annimmt. Dazu gehört Bernd Böttinger, der nicht nur Nachbar, sondern auch Sozialarbeiter beim Roten Kreuz ist und auch schon mit den Syrern im Kleinen Mönch zu tun hatte. Er habe gedacht, so Böttinger, dass es an Bürgermeister Hansjörg Höfer sei, die Kontakte zum Kreis und zur Familienheim Rhein-Neckar herzustellen. Höfer müsse sich der Flüchtlingsthematik, beispielsweise auch der Prüfung dezentraler Unterbringungsmöglichkeiten endlich annehmen, forderte Schneegaß.

Auch Wacker sah den Rathauschef "in der Pflicht", die Akteure an einen Tisch zu holen: "Wegducken nützt nichts." Der Kreis stand ebenfalls in der Kritik. Schneegaß monierte, dass auch die CDU einen "Großteil" über das Fensenbäume-Projekt nur aus der Zeitung kenne: "Da gab es keine Bürgerbeteiligung oder -information. Die Bürger müssen in solchen Fällen aber einbezogen werden."

Doch mit welchem Ergebnis? "Rein baurechtlich können wir nichts tun, wenn sich die Familienheim an den Bebauungsplan hält", sagte Wacker. Die Stadt würde nicht mal mit dem Thema befasst, weil alles über das Landratsamt liefe: "Steuern kann also nur Burkhardt selbst", so Wacker. Gerade deshalb müsse man mit dem Familienheim-Chef reden: "So schwer es vielleicht fällt. Und wenn es nichts bringt, können Sie immer noch schimpfen", so Wacker zu den Bürgern.

Diese hatten einiges auf dem Herzen. Ob es bei 60 Flüchtlingen im Familienheim-Bau bleibe oder ob es noch mehr werden könnten, fragte eine Anwohnerin. Eine andere schilderte ihre Angst. Sie werde ihre Töchter dann nicht mehr auf den Spielplatz lassen. Und was sei mit ihrer Kleidung? Eines der Mädchen sei schon in der Pubertät, das andere bald. Ein Bürger fand bedenklich, "dass ein privater Bauträger entscheidet, wo Flüchtlinge hinkommen." Das sei "aufgebürdete Integration". Und gerade, weil hier vor Ort integriert werden müsse, sollte die Stadt doch mehr Einfluss haben, ergänzte ein anderer. Ein junger Vater brachte ins Spiel, dass seine Kinder den Kindergarten "Wolkenschloss" besuchen. Dieser sei als "Provisorium" aus Containern gebaut: "Und hier werden Fakten aus der Not heraus geschaffen. Die Flüchtlinge bekommen einen Neubau. Das hat ein Geschmäckle." Eine Anwohnerin fürchtete die Dimensionen der Flüchtlingsunterkunft: "Für 60 Personen wird das dreigeschossig. Da müssen Sie genau hinschauen", gab sie den Stadträten mit auf den Weg.

Schneegaß hatte eifrig mitgeschrieben und verwies auf die Gemeinderatssitzung am morgigen Mittwoch: "Eventuell bringen wir Ihre Anregungen schon in den ’Anfragen aus dem Gemeinderat’ vor."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung