23.07.2015

IHK-Standortumfrage: Firmen geben Schriesheim die Note 2,7

Lob gab es für Familienfreundlichkeit und Sicherheit, Kritik dagegen für Internet und Platz

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Zufrieden zeigte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer im Vorfeld der gestrigen Gemeinderatssitzung mit dem Ergebnis der Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar (IHK). Diese wurde den Stadträten gestern Abend vorgestellt. Vor der Presse betonte Höfer zuvor angesichts der ermittelten Daten: "Die Schaffung der Stelle eines Wirtschaftsförderers und andere Maßnahmen haben sich bezahlt gemacht",.

Alle vier Jahre befragt die IHK die in Schriesheim ansässigen und der Handelkammer angehörenden Unternehmen. "Wir haben 209 IHK-Mitgliedsunternehmen einen Fragebogen zugesandt", erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Nitschke die Vorgehensweise. 32 Unternehmen hätten den Fragebogen zurückgesandt, eine Rücklaufquote, die Nitschke als "normal" bezeichnete.

Das Ergebnis der Umfrage kann sich durchaus sehen lassen, denn die Unternehmen sind mit den allgemeinen Rahmenbedingungen am Standort Schriesheim größtenteils zufrieden. In Schulnoten ausgedrückt ist das eine 2,7. Damit liegt die Weinstadt nur knapp über dem Durchschnitt von 2,5 der in diesem Jahr befragten Unternehmen an sieben Standorten in der Region. Bei der Durchschnittsnote müsse man berücksichtigen, dass Standorte wie Walldorf und St. Leon-Rot dabei waren, die aufgrund ihrer Finanzkraft gute Bedingungen für die dort ansässigen Unternehmen bieten können, so Nitschke.

"Im Vergleich zur Umfrage von vor vier Jahren wird die Schriesheimer Verwaltung und Wirtschaftsförderung heute als unternehmensnäher wahrgenommen", ging der IHK-Hauptgeschäftsführer detaillierter auf die Ergebnisse der Standortumfrage ein. Dabei hob er die Bedeutung eines Wirtschaftsförderers für die Kommune und das Gewerbe hervor. "In Gemeinden, die keinen Wirtschaftsförderer haben, macht dies meist der Bürgermeister", wusste Nitschke. Da ein Verwaltungschef jedoch mit anderen Aufgaben bereits ausgelastet sei, stehe er den Unternehmen als Ansprechpartner nicht jederzeit zur Verfügung, was sich negativ auf die Kommunikation zwischen Gewerbe und Verwaltung auswirke.

Positiv wurde von den Unternehmen auch die Sicherheit und die Familienfreundlichkeit am Standort Schriesheim bewertet. Den größten Sprung nach oben machte bei der Umfrage allerdings der Faktor Innovationskraft der Gemeinde, der sich gleich um 0,4 Notenpunkte verbesserte. Es gab aber auch Kritik von Seiten des Gewerbes am Standort Schriesheim.

So stellten die Erweiterungsmöglichkeiten für Firmen entweder auf ihrem eigenen Gelände oder auf zuzukaufenden Grundstücken ein Problem dar. "Schriesheim ist aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage ein gefragter Standort,", wusste Axel Nitschke. Das spiegele sich auch in der Preisentwicklung für Gewerbeflächen wider. Bürgermeister Höfer war dieses Problem durchaus bewusst. "Wir haben keine Möglichkeit unser Gewerbegebiet zu erweitern", sagte er. So seien beispielsweise Flächen entlang der Autobahn nicht ohne weiteres als Gewerbegebiet auszuweisen, da diese als Frischluftschneisen dienten oder zu einem Wassereinzugsgebiet gehörten.

Verbesserungen seien nach Ansicht vieler Firmen auch im Bereich der Internetverbindungen notwendig. "Die Ansprüche der Unternehmen sind in dieser Hinsicht in den letzten Jahren rasch angestiegen", erläuterte Nitschke. Außerdem sei dies ein Kritikpunkt, der in kleineren Städten und Gemeinden sehr häufig genannt würde, da diese nicht über schnelle Internetverbindungen verfügten. Bis in Schriesheim schnelle Internetverbindungen, etwa über Glasfaserkabel existieren, wird es aber noch eine Weile dauern und es wird, laut Hansjörg Höfer, die Stadt einige Millionen kosten, je nachdem wie weit diese Verbindungen ausgebaut werden.
Schriesheims Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger, Ralf Schlindwein (IHK), Bürgermeister Hansjörg Höfer und IHK-Hauptbeschäftsführer Dr. Axel Nitschke (v. l.). Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung