30.07.2015

Schriesheim: "Granit-Boller" soll Einbiegen erschweren

Vor der Boutique "Impuls" wird probeweise ein so genannter "Granit-Boller" aufgestellt, um den Autos das Einbiegen in die Heidelberger Straße zu erschweren - Architekt Götz: Autofahrer "nicht schutzbedürftig"

Thema des Ausschusses für Technik und Umwelt war auch, was aus den Parkplätze in der Heidelberger Straße nach den Kanalbauarbeiten wird. Geht es nach dem Planer der Altstadtsanierung, Prof. Lothar Götz, dann sollen hier keine mehr ausgewiesen werden. Foto: Dorn

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Wie soll die Heidelberger Straße aussehen, wenn die Kanal-Sanierungsarbeiten beendet sind? Architekt Professor Lothar Götz stellte im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) seine Pläne für die Straßen- und Gehweggestaltung vor. Bei der Boutique "Impuls" an der Kreuzung Heidelberger Straße/Talstraße könnte man die untere Stufe vor dem Eingang entfernen und das Pflaster angleichen: Damit wäre vor dem Geschäft mehr Platz. Das Gebäude, erinnerte er an die Altstadtsanierung, sei das erste gewesen, dessen Fachwerk freigelegt wurde. Allerdings werde es immer wieder beschädigt, so Götz: "Es steht dauernd unter Beschuss, wir müssen dieses Haus schützen."

Das stellte er sich so vor: Auto- und Lastwagenfahrer müssten zum langsamen Fahren gezwungen werden, für die großen Fahrzeuge sollte es unmöglich gemacht werden, von der B 3 kommend rechts in die Heidelberger Straße abzubiegen. Lieber sollten sie an der Schmalen Seite wenden und von links in die Straße fahren. Wo heute ein Pfosten steht, soll nach der Vorstellung des Architekten eine Granitsäule als Hindernis aufgestellt werden. Das hörbare Schnaufen aus den Reihen von Ausschuss und Publikum verhieß keine allzu euphorischen Reaktionen auf diesen Vorschlag.

Heinz Kimmel (FW) sah in dem "Granit-Boller" einen Gefahrenpunkt: "Dann lassen wir doch lieber diesen Pfosten, auch wenn er nicht so gut aussieht." "Wen wollen Sie denn schützen", fragte Götz, worauf Kimmel antwortete, "die Autofahrer." Götz’ Antwort sorgte für Proteste und aufgebrachtes Raunen: "Autofahrer sind in der Altstadt nicht schutzbedürftig!" Kopfschüttelnd hielt Kimmel daran fest: Es werde eine Gefahr geschaffen.

Michael Mittelstädt ergänzte: "So eine hohe Säule nimmt den Blick in die Straße." Man könne beim Einbiegen nicht die Fahrradfahrer sehen, die - verbotswidrig - entgegen der Einbahnstraße fahren. Für den CDU-Stadtrat war es rätselhaft, wie die Feuerwehr mit einem Drehleiterfahrzeug hier durchkommen sollte. Darauf Bürgermeister Hansjörg Höfer: "Die fahren heute schon durch die Kirchstraße und müssen dann ,falsch’rum in die Heidelberger Straße."

Er erklärte, dass man sich als Fußgänger manchmal "ausgeliefert" fühle und dass Autofahrer auch auf Gehwegen fahren würden; er schlug vor, den Granitpfeiler "probeweise" bis zur Verkehrstagesfahrt aufzustellen und dann "zu sehen", ob er sich bewähre. Damit war der ATU einverstanden. Einzig Sebastian Cuny (SPD) fand Gefallen an der Stele. "Das kann ein Hingucker werden und für Aufmerksamkeit sorgen", zog er die Möglichkeit in Betracht, dort Werbung für die Geschäfte anzubringen.

Götz’ nächstes Thema waren die Parkplätze: Der Stellplatz vor dem ehemaligen Schreibwarenladen Keck soll verschwinden, ebenso die dicken weißen Markierungen auf der Straße, die durch teurere, aber hübschere Linien aus dunklerem Stein ersetzt werden sollten. Das fand im ATU ungeteilten Beifall, im Gegensatz zum nächsten Vorschlag: Nach Götz’ Vorstellung soll es in dem gesamten Bereich nämlich keine ausgewiesenen Stellplätze mehr geben. Allerdings musste er zugeben, dass das nicht der Wunsch der dort ansässigen Gewerbetreibenden sei. Christian Wolf (GL) und CDU-Stadtrat Frank Spingel befürworteten auch den Vorschlag, Fahrradfahrern das Fahren gegen die Einbahnstraße zu erlauben, Wolf war aber skeptisch, was das Ausstellen von Waren auf dem Gehweg betraf: "Bei unserer Umfrage haben wir festgestellt, dass die meisten Ladenbesitzer das nicht wollen, weil sonst viel geklaut wird."

Ob vor den Geschäften Fahrradständer stehen und welches Aussehen sie haben sollen, wurde an diesem Abend nicht entschieden. Das soll, so die einhellige Meinung, mit den Gewerbetreibenden abgestimmt werden. > Kommentar

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung