07.09.2015

"Geocacher" haben Weinheim und die Bergstraße entdeckt

Die RNZ hat drei von ihnen getroffen - Vom Hobby "infiziert"

Von Stefan Kern

Weinheim. Sie sind mitten unter uns. Es sind viele - und es werden immer mehr. Schon jetzt gibt es allein in Deutschland deutlich über zwei Millionen von ihnen. Sie sind auf der Suche nach einem Schatz, nutzen dafür Satelliten und GPS-Geräte. Sie sitzen neben uns auf der Bank im Wald oder auf dem Marktplatz. Aber sie sind zugleich ganz woanders.

Denn wo der gewöhnliche Besucher eine Kirche oder einfach einen Baum sieht, erkennt der Geocacher Längen- und Breitengrade, Hinweise auf den Schatz oder vielleicht sogar das Versteck selbst. Geocacher, das sind die Schatzsucher des digitalen Zeitalters. Wenn man so will die Indiana Jones oder Jim Hawkins in 2.0-Version.

Was nicht heißt, dass sie bei ihrer Suche hinterm Computerbildschirm verschwinden. Im Gegenteil: Ausgerüstet mit GPS oder Smartphone entdecken die Geocacher Ecken in der Stadt oder in der Natur, die vor ihnen wahrscheinlich noch nicht allzu viele so gesehen haben. Zwar tun sich ihnen keine Parallel-Universen auf. Aber doch eine etwas andere Welt voller kleiner und großer Abenteuer auf der Jagd nach verborgenen Schätzen.

Für die drei Weinheimer Thomas Schäfer, Kerstin Dreier und Walter Knapp ist Geocaching fast ein kleines Wunder. Immerhin ist es ihnen dank ihres Hobbys gelungen, Teile ihrer Kindheit in die Erwachsenenwelt zu retten.

Vor allem Schäfer, in der Geocacher-Welt unter dem Namen "Tom 66" bekannt, zeigte sich im Gespräch mit der RNZ vom Geocaching begeistert: Als ehemaliger Pfadfinder und begeisterter Schnitzeljäger ist die moderne Version der Schatzsuche sein persönliches Eldorado.

Ihren Anfang hat seine Geocacher-Geschichte vor rund sieben Jahren genommen. Damals war Weinheim für die modernen Schatzsucher noch Niemandsland. Das sollte sich ändern: Schäfer suchte sich einige markante und besonders schöne Plätze in der Zweiburgenstadt und ihrer Umgebung aus und vergrub einen Schatz.

In der Geocacher-Welt heißt das, ein sogenannter "Cache" - ein Schatzversteck - wird angelegt. Meist eine Tupperdose mit einem Logbuch. Im Internet werden anschließend die Geokoordinaten sowie eine Beschreibung des jeweiligen Verstecks veröffentlicht. Anhand dieser Daten kann sich nun jeder mit seinem GPS auf die Suche begeben. Wer den Schatz findet, vermerkt dies zum einen im Logbuch an Ort und Stelle sowie im Internet.

Damit ist das Ziel erreicht, und der Schatz gilt als "gelogged". Unschwer zu erkennen, dass hier - anders als bei Indiana Jones oder eben dem jungen Hawkins im Roman "Die Schatzinsel"-, nicht der Fund des Schatzes sondern der Weg zu ihm das Ziel ist.

Die Weinheimerin Dreier ist unter Geocachern als "Fredda*" bekannt und sieht in dieser Suche den eigentlichen Beweggrund für das Geocaching. Vor einigen Jahren war sie für knapp drei Wochen in Schottland. Ohne Reiseliteratur oder gar Reiseführer. Da kam ihr die Idee, Schottland anhand der Caches zu bereisen. Ein Einfall, der sie zu den schönsten und geheimnisvollsten Plätzen des Landes führte: "Einen besseren Reiseführer hätte ich nicht finden können." Das gelte auch für die eigene Heimat. Auch hier fand sie den einen oder anderen Flecken, den sie in Weinheim so zuvor noch nie gesehen hatte.

Und genau hier wird die Idee in den Augen Schäfers interessant für die Stadt. Immer mehr Touristen nutzen auf ihren Reisen auch Caches, um eine Region kennenzulernen. Schäfer glaubt, dass dies zunehmen wird. Er und Dreier betonten, dass nur sehr wenige eine Region ausschließlich wegen der Caches besuchen. Aber sehr viele nutzen Caches, wenn sie mal da sind.

Und so könnte ein Besucher Heidelbergs bei der Recherche nach Caches durchaus auf die Idee kommen, nach Weinheim zu fahren, um hier einige der Schätze zu loggen. Im Bereich der Innenstadt - in rund einem Kilometer Umkreis - liegen immerhin 50 Schätze verborgen; 50 Schätze, die auch die Geschichte Weinheims beleuchten, zu den Sehenswürdigkeiten führen und darüber hinaus ein paar Geheimtipps bergen.

In einem Umkreis von drei Kilometern von der City aus sind es 150 Schätze, und rund zehn Kilometer um die Stadt herum verteilen sich schon 1000 verborge Geheimnisse. Versteckt mitten unter uns, aber nur der kundige GPS-Schatzsucher kann sie finden. Es ist kein Hexenwerk, zu diesen Kundigen zu gehören. Ein GPS-Gerät oder ein Smartphone mit der Geocacher-App und etwas Neugierde genügen, um sich die neue Schatzsucherwelt zu erschließen.

Die Schwierigkeitsniveaus reichen dabei übrigens von der barrierefreien Suche, über das Programm für Kinder und Ideen für spontane Stadtbesichtigungen - bis hin zu mehrtägigen Touren durch die Berge oder ans Wasser.

Egal welche Schwierigkeitsstufe man wählt, so die Schatzsucher, dass "kribbelnde Gefühl" stelle sich jedes Mal ein. Walter Knapp, alias "Trashy Honc", ist vom Geocaching genauso "infiziert" wie Schäfer und Dreier. Er kann sich eine Welt ohne Geocaching kaum noch vorstellen. Das Hobby schlage so viele Fliegen mit einer Klappe: Man ist draußen unterwegs, in Städten, in Dörfern, auf Feldern, in Wäldern oder in den Bergen und manchmal geht es sogar unter Wasser.

Dabei lernt der Suchende die Gegend anhand der Schätze sehr intensiv kennen. "Es ist eine gigantische, globale Schnitzeljagd, die genauso viel Spaß macht wie die kleine Schnitzeljagd in der Nachbarschaft in Kindertagen." Na, dann mal los.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung