07.09.2015

Schriesheim: Straßenfest blieb bisher trocken

Schriesheim feiert ein schönes Straßenfest mit ein paar Neuerungen - Eröffnungsrundgang mit Ehrengästen

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Das dichte Gedränge früherer Straßenfest-Samstage blieb diesmal aus; vielleicht lag es an den Temperaturen oder an der tief hängenden Wolkendecke. Trotzdem war das Fest gut besucht: Auf dem Flohmarkt herrschte reger Betrieb, das Weindorf war fast durchgehend gut gefüllt, und bei der Eröffnung war es voll am Stadtbrunnen.

Angeführt vom stark besetzten KSV-Fanfarenzug unter neuer Leitung zogen die Weinhoheiten und Bürgermeister Hansjörg Höfer in die Altstadt ein. Die Bühne stand erstmals in der Ecke zwischen Rathaus und Metzgerei Urban, was sich als optimal herausstellte, denn so konnte jeder mitverfolgen, was dort passierte. In der Menge sah man die Ehrenbürger Peter Riehl und Peter Hartmann, Ortschaftsräte und Ortsvorsteher sowie die Mitglieder der Strada Montana Big Band und ihr Leiter Olaf Weithäuser, die für die Eröffnung Platz machten, bevor sie fortfuhren in ihrem Programm. "Es ist etwas kühler heute Morgen", kommentierte Höfer das Offensichtliche und schloss daraus: "Das ist gut, dann kann man langsamer trinken, der Wein wird im Glas nicht gleich warm." Das sah Weinkönigin Stefanie Keller ähnlich und prostete ihrem Publikum zu, bevor die aus der Partnerstadt Uzès angereiste Régine Pascal, mittlerweile fester Programmbestandteil, mit kräftiger Stimme die Camargue-Hymne "Coupe santo" anstimmte. Höfer gab die Richtung für den weiteren Verlauf des Vormittags vor: Zum traditionellen Rundgang der Ehrengäste folgten ihm die Bundestagsabgeordneten Franziska Brantner, Karl A. Lamers und Lothar Binding, die Landtagsabgeordneten Georg Wacker, Gerhard Kleinböck und Uli Sckerl sowie der nahezu beschlussfähige Gemeinderat. Beim Sektempfang in der "Taverne d’Uzès" begrüßte Partnerschaftsvereins-Vorsitzende Claudia Ebert ihre Besucher mit Käsehäppchen, während Höfer von der Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft gerade in Krisenzeiten sprach. Pascal stimmte ein feuriges katalanisches Lied um einen Torero an, doch einer fehlte an diesem Tag: Gérard Bonneau, Vorsitzender des "Comité de Jumelage" aus Uzès, war erst in der vergangenen Woche - inoffiziell - zu Besuch in Schriesheim und ließ sich wegen des langen Anfahrtswegs diesmal entschuldigen.

Nächste Station war die "Lyra-Klause", wo ein Teil der Gruppe hängen blieb: Im schön dekorierten Innenhof war es angenehm warm, man traf Bekannte und stieß mit einem Glas Bier an. Zwar hatte Höfer bereits den Weg ins Weindorf eingeschlagen, doch in der Straußwirtschaft war trotzdem eine Art Stadtoberhaupt anwesend: Sänger und "Bürgermeister Süd" Georg Morast, der seinen Spitznamen mit Würde trägt, spülte Geschirr, während Vorsitzender Peter Kraft die Honneurs machte.

Im Weindorf hatte sich derweil die Dilsberger Trachtenkapelle warm gespielt; es gab Mettbrötchen mit Zwiebeln von Metzger Karl Forschner oder würzige Ochsenfetzen im Ciabattabrötchen mit Kräuterdip, die "Hirsch"-Wirt Jürgen Opfermann an die Tische brachte. Herunterspülen konnte man das mit einem kühlen Getränk vom Bierwagen im Oberen Schulhof. Was die Rathausmitarbeiter hier auf privater Basis organisierten, hieß "3 B". Das bezog sich zwar auf das Programm aus Bier, Burgern und Beats, die zu späterer Stunde wummern sollten.

Weil "3 B" auch an eine Grundschulklasse erinnerte, standen Tische und Stühle wie in einem Klassenzimmer, und auf der "Gedränge-Karte" hatten sich ein paar Schreibfehler eingeschlichen. Nina Marouzé, die mit ihren Kollegen am Zapfhahn stand, berichtete, dass das "Klassenzimmer" schon recht voll gewesen sei. Besonders beliebt bei den Kleinsten war die Hüpfburg, und auch das Basteln von Luftballontieren machte Spaß: Eine Neuerung, die ganz offensichtlich gut ankam.

Die nächsten Teilnehmer des Rundgangs beendeten hier ihre Tour und ließen den Tag ab 14 Uhr an der Theke ausklingen. Der Rest kehrte im "Suppentreff" ein oder in der Anglerklause, wo Angler-Vorsitzender Rainer Müller Fischbrötchen aus einer Kühl-Vitrine direkt an der Straße verkaufte. Zuvor konnte man noch beim Verkehrsverein vorbei schauen, wo es Straßenfest-Buttons und ein Gläschen Sekt gab. Ein Sonnenstrahl fiel auch am Nachmittag nicht auf Schriesheim, doch Vereins-Ehrenmitglied Karl-Heinz Schulz nahm es gelassen: "Es ist die Hauptsache, dass es trocken ist." Und trocken sollte es an diesem Wochenende auch bleiben - allerdings nicht in den Kehlen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung