08.09.2015

Schriesheim: Verkaufsoffener Straßenfestsonntag

Mundart-Jazz zur besten Einkaufszeit – zwischen "Soggewäscherblues" und Modenschau in Elas Modeatelier

Schriesheim. (sk) "Wann’s kää Fraue gäb, des wär net schää": Dieter Reinberger hat den Frauen ein eigenes Lied gewidmet und freut sich, dass es sie gibt, denn "sonscht wäre die Männer unner sisch." Und wer würde dann würdigen können, wie hübsch sich die "Bluesgosch" für diesen Auftritt gemacht hat? Eine äußerst bunte Weste, sicherlich ein Modestatement, ziert den Sänger ebenso wie die weißen, spitz zulaufenden Lackschuhe mit Kroko-Einsätzen, ohne die er die Bühne in der Oberstadt wohl nie betreten würde. Das alles gehört zum Straßenfest-Sonntag wie die selbst geschriebenen Mundartstücke, die derben Sprüche, das Glas Schriesecco und die Fest-Buttons, die der Verkehrsverein neben der Bühne des "Jazzpoint" verkauft.

Auch Jürgen "Mojo" Schultz gehört dazu mit seinen Gitarren, denen er wunderbare Akkorde und prächtige Läufe entlockt. Im Stück vom "Wasserkessel" kann man das hören, als er sich ein reich mit Metall verziertes Instrument schnappt und loslegt. Die "Bluesgosch"-Fans sitzen oder stehen in einem großen Halbkreis um die Bühne, klatschen oder singen mit, als Reinberger den "Soggewäscherblues" anstimmt, einen Ohrwurm über streng riechende Strümpfe. "Do kräuseln sisch die Achselhaar’ und rolle sisch die Fußnägel uff", findet Reinberger und kündigt weitere 42 Strophen an. Immer wieder zieht er auch seine Bluesharp hervor, der er schräge Töne entlockt, und langsam treibt der Vormittag auf seinen unvermeidlichen Höhepunkt zu. Der "Hoina" ist zugleich traditioneller Abschluss: das vermutlich einzige Kurpfälzer Lied auf einen erigierten Penis, der seinen Besitzer ab und zu in peinliche Situationen bringt.

Beim Suppentreff gibt es dazu Kurpfälzer Spezialitäten wie Hausmacher Kartoffelsuppe mit Dampfnudeln oder Markklößchen in Brühe, als Nachtisch empfehlen sich die Kuchen und Torten im "Café Cäcilia" der katholischen Kirche.

Während auf der Jazz-Bühne erst einmal Schweigen herrscht, kann man den Nachmittag nun für einen Einkaufsbummel nutzen. Scharen von Besuchern sind in der Heidelberger und der Kirchstraße unterwegs. Beim Schuhhaus Kimmel und bei Optik Pfister gibt es Straßenfest-Rabatte, vor letzterem verlockt auch ein Zauberer zum Stehenbleiben. Das Schmuck- und Geschenklädchen "Opus", Utes Bücherstube und das Kinderlädchen sind geöffnet. BDS-Vorsitzender Rolf W. Edelmann findet es wichtig, dass die Einzelhändler im Baustellenbereich mitmachen beim Verkaufsoffenen Sonntag. Schon wegen des "Baustellen-Strahlers", der Schriesheimer Einkaufswährung mit Baustellen-Rabatt. "Er hatte eine ganz gute Resonanz", sagt Edelmann und freut sich, dass auch die Boutique "Impuls" und Feinkosthändler "Divino" geöffnet haben. Den Rundgang beschließt ein lohnender Abstecher zu "Elas Modeatelier". Chefin Ela Riebel hat eine kleine Modenschau organisiert, und die Models zeigen "Boyfriend-Hosen" zu Schoko- und Minttönen und warmen Schals für den Herbst.

Am Nachmittag geht es auf der Oberstadtbühne bis in die Abendstunden weiter mit Dixieland und Jazz-Standards von "Piano Five", garniert mit virtuosen Soli der Musiker um "Jazz-Bischof" Eugen Fallmann. Der sitzt mit strahlendem Lächeln am Schlagzeug und freut sich wie ein Schneekönig über den zaghaften, schräg in die Gasse einfallenden Sonnenstrahl, der sich früh am Abend durch die Wolkendecke wagt. Ein gelungener Abschluss des Straßenfest-Sonntags.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung