10.09.2015

In Schriesheim kann die Weinlese beginnen

Sauber ernten und schnell abliefern: WG-Geschäftsführer Harald Weiss schwor Genossenschaftswinzer auf Weinernte ein - Vereine übernehmen Ausschank am Kelterhaus

Schriesheim. (cab) Nach einem Jahr harter Arbeit mit der Hege und Pflege der Weinberge sei die Zeit des Herbstens nun langsam, aber sicher, gekommen, sagte Weinkönigin Stefanie Keller in der Herbstversammlung der Winzergenossenschaft (WG). Wie gemeldet, beginnt die Lese der Genossenschaftswinzer am nächsten Montag. Von WG-Geschäftsführer Harald Weiss wurden sie im "Bacchuskeller" des Gästehauses "Weinstuben Hauser" auf die Ernte eingestimmt, die entspannter über die Bühne gehen dürfte als noch im vergangenen Jahr.

Die Weinberge sind gesund, die Oechsle-Grade hoch, die Säurewerte im grünen Bereich, und auch die Kirschessigfliege hat keinen Druck gemacht. Weiss jedenfalls äußerte die Hoffnung auf "tolle Weine", gerade auch bei den roten Sorten. Dabei kommt es jetzt aber nochmals auf die Winzer sowie auf ihre Erntehelfer an: "Sauberes Lesegut", so der Geschäftsführer, "macht es noch stressfreier." Zudem müsste jeder Einzelne seine Anlagen in Sachen Gesundheit und Reife regelmäßig überprüfen: "Bei über 1500 Parzellen zwischen Dossenheim und Großsachsen können wir das nicht leisten", sagte Weiss.
Wie immer solle gestaffelt gelesen werden. Zudem sei das Lesegut zügig am Kelterhaus abzuliefern. Bei der Vorbestellung von Bottichen seien realistische Anmeldungen gefragt, so Weiss: "Denn mehr als 80 pro Tag gehen sowieso nicht." Gebe es Reservierungen, die über diese Zahl hinaus gehen, müsse ausgewählt werden, warb der Geschäftsführer schon jetzt um Verständnis. In Sachen Spätburgunder stellte er klar, dass Rotwein das "oberste Ziel" sei - vor Rosé und Blanc de Noirs.

Wer sich an der maschinellen Lese mit dem Vollernter beteiligen möchte, der solle sich so schnell wie möglich melden, so Weiss. Auch Grauburgunder soll erstmals auf diese Weise geerntet werden. Das Angebot richte sich an Interessierte, so Weiss: "Wir wollen das mal probieren." Aber wie immer ist eine gute Vorbereitung der betreffenden Weinberge durch eine anständige Negativlese nötig. Weiss informierte darüber, dass die Maschine an Vollerntertagen bis mittags an der Annahme im Kelterhaus den Vorrang habe: "Aus Qualitätsgründen. Hier keine Standzeiten zu haben, ist das A und O." Beim Weißburgunder erinnerte der Geschäftsführer an die sortierte Lese ab 88 Grad Oechsle. Zu den Spielregeln des Herbstes gehört auch die Vollanlieferungspflicht. Haustrunk sei anzumelden, so Weiss. Trauben einfach so zurückzuhalten, sei kein Kavaliersdelikt.

Ein genossenschaftliches Raunen ging durch den "Bacchuskeller", als Weiss den Traubenbegleitschein vorstellte, auf dem vom Winzer sämtliche Flurstücksnummern einer Partie erfasst werden müssen: "Ich hab’ das nicht erfunden", sagte er zum Mehraufwand. Es gehe nicht darum, die Winzer zu schikanieren, sondern das Lesegut zurückverfolgen zu können. Bislang gab es solche Scheine nur für die Trauben der Premium-Segmente.

Über die diesjährige Bonitierung informierte Aufsichtsratschef Winfried Krämer. Gemeinsam mit Lore Jost und Karlheinz Spieß hatte er im Rahmen der Qualitätssicherung mehr als 100 Weinberge kontrolliert. Sein erfreuliches Fazit: "Wir kommen immer schneller durch." Doch in den Rebzeilen von jeweils zwei Winzern aus Schriesheim und Leutershausen habe man schwere Oidium-Schäden gefunden. Darauf werde man die Weinbauern noch ansprechen, so Krämer. Neben der Menge gelte es grundsätzlich immer, die Qualität im Auge zu behalten, mahnte er noch.

Zum Schluss ergriff WG-Vorstandschef Friedrich Ewald erneut das Wort, nachdem er die Versammlung auch eröffnet hatte. Mit Erfreulichem beschloss er den Abend. So würden die Sportvereine SVS, TVS und KSV an drei Wochenenden während der Ernte für einen Ausschank an der Kelterhalle sorgen: am 19. September, am 26. und 27. September sowie am 3. und 4. Oktober. Samstags ist der Ausschank stets von 11 bis 20 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Das Angebot richte sich nicht nur an die Winzer, sondern auch an Spaziergänger sowie überhaupt an alle, die sich für die Weinlese interessieren. Am 20. September bleibt der Weinwagen geschlossen, denn an diesem Tag ist Weinwanderung. Stets offen für Gäste und Besucher, so Ewald, sei während der Lese auch das Kelterhaus: "Hier ist immer ’Tag der offenen Tür’."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung