18.09.2015

KSV-Ringerchef Klaus Grüber: "Saison wird auf jeden Fall sehr schwer"

KSV-Ringerchef Klaus Grüber: "Saison wird auf jeden Fall sehr schwer"Klaus Grüber über die schwere Erstliga-Saison, den diesjährigen Kader und das Geld im Ringen

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Am Samstag beginnt für den Kraft-Sport-Verein (KSV) die dritte Saison in der Ersten Ringer-Bundesliga mit dem Heimkampf gegen den TuS Adelhausen. Die RNZ sprach im Vorfeld mit .

Klaus Grüber, beim Sommernachtsfest haben Sie gesagt, der KSV gehe mit seiner bislang stärksten Mannschaft in die diesjährige Runde, ringe aber gegen den Abstieg. Das muss auch für Sie paradox klingen!

Stimmt. Es ist aber so. Die Erste Bundesliga ist auf sechs Mannschaften geschrumpft, und es gibt für uns nur noch ganz starke Gegner: Meister Nendingen, Vize-Meister Weingarten, die starken Adelhausener, dann Ispringen, das dank eines Großsponsors mächtig aufgerüstet hat. Also müssen wir abwarten, wie wir gegen Aalen abschneiden. Es wird auf jeden Fall sehr schwer.

Im Sport geht das - ganz vereinfacht gesagt - eigentlich so: Der Tabellenletzte steigt ab, der Tabellenerste der Klasse darunter steigt auf. Nicht so im Ringen.

Richtig, auch dieses Jahr muss keine Mannschaft aus der Ersten Bundesliga absteigen, weil es keinen Aufsteiger aus der Zweiten Bundesliga geben wird. Aber Letzter will trotzdem keiner werden, auch wir wollen das nicht.

Verständlich, nur passieren kann es trotzdem. Haben Sie für diesen Fall schon einmal daran gedacht, dass der KSV wieder zurück in die Zweite Bundesliga geht, oder denken Sie darüber gar nicht erst nach?

Natürlich macht man sich seine Gedanken, aber ich würde nicht freiwillig in die Zweite Liga zurückgehen wollen. Das ist meine Meinung, die natürlich erst im Vorstand diskutiert werden müsste. Aber es ist doch so: Wir haben über Jahre viel Arbeit, Mühe und auch Geld investiert, um von der Oberliga bis in die Erste Bundesliga zu kommen. Das hat viel Kraft gekostet, und das gibt man nicht so einfach wieder her. Wir sind als Verein, Abteilung und Mannschaft gut aufgestellt. Und da muss man sich gar nichts vormachen: Auch die Zweite Bundesliga kostet Geld.

Aber nicht so viel wie die Erste Liga, die sich in Selbstbeherrschung üben möchte. Die Erstligisten haben die Absichtserklärung zu einer freiwilligen Ausgabenbegrenzung beschlossen. Das Budgetlimit soll für mehr Chancengleichheit auf der Matte sorgen. Ein Verein wie der KSV, der zwar treue Sponsoren, aber eben nicht den einen Mäzen hat wie etwa Ispringen, muss diese Kostendeckelung begrüßen.

Sicher kommt diese Absichtserklärung kleineren, finanziell nicht so starken Vereinen entgegen. Aber es geht ja eigentlich um viel mehr dabei. Dieses Wettrüsten zwischen den Mannschaften der Ersten Bundesliga schadet dem Ringen insgesamt. Wer will denn noch aus der Zweiten Liga hoch, wenn er sieht, dass er ohne ein Riesenbudget überhaupt nicht erst antreten muss? Daher hat man erkannt, dass es strukturell so nicht weitergehen kann. Für mich ist die Zukunft des KSV sicher auch etwas mit davon abhängig, wie solche Strukturveränderungen greifen. Das müssen wir erst mal abwarten.

Kommen wir zur diesjährigen Mannschaft - wie gesagt, wohl die stärkste, die Schriesheim je hatte. Was macht sie so stark?

Sicher, dass wir bei den Neuverpflichtungen wieder sehr gezielt vorgegangen sind. Mit Andrej Perpelita, Attila Tamas, Ionel Puscasu und Mihai Mihut sind ausländische Athleten geblieben. Sie bilden mit unseren Deutschen, Christoph Ewald, Marcus Plodek, Oldrik Wagner, René Jünger und Sascha Büchner, quasi den Rumpf der Mannschaft. Mit Dustin Scherf, Niklas Dorn und Efe Coskun im Schwergewicht haben wir unsere Deutsch-Quote sehr gut ergänzt. Wir haben viele Athleten mit großem Potenzial. Aber auch hier gibt es ein Dilemma. Die Erste Bundesliga lässt einem keine Zeit, mal über Jahre und auf lange Sicht eine Mannschaft zu formen, wenn man nicht von Anfang an auf die Ohren bekommen möchte.

Sicher auch deshalb kommen wieder ausländische Ringer, von denen Sie sich viel versprechen?

Richtig, denn auf die Mannschaft als Ganze kommt es an. Sicher ist der Olympiadritte aus Polen, Damian Janikowski, unser Topzugang des Jahres. Er wurde jetzt bei der WM in Las Vegas Siebter und hat dabei unseren ehemaligen Ringer Alexandr Kazakevich geschlagen. Auch unser Neuzugang Rares Chintoan war bei der Weltmeisterschaft, ebenso wie Andrej Perpelita übrigens. Von unseren weiteren Verpflichtungen Luca Lampis, Thomas Swierk und Valerii Borgoiakov dürfen wir ebenfalls viel erwarten. Wir freuen uns über diesen Kader und werden sicher in jedem Kampf die stärkste Mannschaft auf die Matte bringen - auch beim Saisonauftakt am Samstag.

Adelhausen bringt zwei Bekannte mit.

Richtig. Mit Pascal Eisele und Stefan Kehrer gibt es ein Wiedersehen.

Kehrer verließ den KSV nach der vergangenen Saison als Ringer und Trainer. Jetzt hat Kai Dittrich als Coach das alleinige Sagen. Eine Dauerlösung für Sie?

Kai Dittrich spricht die Athleten gut an, ist eloquent und weltgewandt. Er kann auch gut mit den Kampfrichtern umgehen, was nicht ganz unwichtig ist. Er ist akzeptiert bei der Mannschaft und für den KSV ein guter Griff mit langfristiger Perspektive. Dennoch hätte ich an seiner Seite in Zukunft noch gerne einen Trainer für den freien Stil.

Was erwartet die Fans am Samstag noch außer zwei starke Mannschaften?

Der Fanfarenzug wird dieses Jahr unsere Kämpfe musikalisch umrahmen, zudem ist eine "After Fight Party" vorgesehen. Die Cocktailbar stellt das "Kakadu" für uns auf. Im letzten Heimkampf am 14. November wird diesen Teil der Bewirtung übrigens das "Abseits" übernehmen. Beide Gastrobetriebe sind Sponsoren unserer Ringer. Außerdem wird zum Saisonausklang ein DJ von Radio Regenbogen bei uns auflegen. Zusammen mit dem traditionellen "Oktoberfest" werden wir den Fans dieses Jahr drei Events neben der Matte bieten. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich gerade hinter den Kulissen ein KSV-Fanclub gründet. Auch das ist übrigens ein Engagement, das uns auf und jenseits der Matte verpflichtet.

Info: KSV-Ringen am Samstag, 19. September, in der Mehrzweckhalle. 17.30 Uhr: KSV Schriesheim II - KG RSL 2000 (Oberliga); 19.20 Uhr: KSV Schriesheim - TuS Adelhausen (Erste Bundesliga), anschließend "After Fight Party" mit Cocktailbar.

Der KSV geht mit seiner bislang stärksten Mannschaft (unten) in die diesjährige Runde, sagte ihr "Chef" beim Sommernachtsfest, ringt aber gegen den Abstieg. Fotos (3): Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung