29.09.2015

Schriesheim: Zehntkeller soll für 714.000 Euro saniert werden

Schriesheim: Zehntkeller soll für 714.000 Euro saniert werdenVerwaltung will Bau des zweiten Notausgangs im Zehntkeller für Sanierung und Neuordnung des Gewölbes nutzen

Im Zehntkeller müssen die Theke, das Podest, die Kühlräume und das Fass auf der rechten Seite für den neuen Fluchtweg ausgebaut werden. Die Stadt sieht darin eine gute Gelegenheit, die Theke innerhalb des Raums zu verlegen, eine feste Bühne einzubauen und die Elektrik zu erneuern. Das wiederum zieht weitere Baumaßnahmen nach sich. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Nachdem das Foyer und der "Probierkeller" neu gestaltet wurden, soll nächstes Jahr auch der große Zehntkeller komplett saniert werden. Dem Gemeinderat liegt in seiner Sitzung am morgigen Mittwoch die Bewilligung der Mittel für dieses Bauprojekt vor. Diese sollen im Haushalt 2016 berücksichtigt werden. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von rund 714 000 Euro - ohne neue Theke, Mobiliar und Bühnentechnik. Bürgermeister Hansjörg Höfer ging gestern im Pressegespräch davon aus, dass der Zehntkeller zwischen den Mathaisemärkten 2016 und 2017 zur Baustelle wird, sollte der Gemeinderat der Empfehlung des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) folgen und den Umbau im großen Stil mittragen.

Dieser bietet sich an, da mit der bereits beschlossenen Fluchttreppe vom großen Keller in den oberen Schulhof ohnehin bauliche Veränderungen verbunden sind. Denn der zweite Fluchtweg soll in der nordöstlichen Ecke des Gewölbes eingerichtet werden. Hier steht momentan ein Fass zwischen Kellermauer und Theke. Dieses muss für den neuen Notausgang ebenso weichen wie die Theke selbst, das Podest unter der Kellerdecke sowie die Kühlräume. Auch der Verteilerkasten kommt weg, zumal er an dieser Stelle auch wenig Sinn macht. So muss man heute erst quer durch den dunklen Keller gehen, um das Licht überhaupt einschalten zu können. Außerdem ist die Elektrik in die Jahre gekommen. Schließlich hat sich bei Veranstaltungen gezeigt, dass die Theke genau gegenüber ihres heutigen Standorts viel besser aufgehoben wäre.

Höfer berichtete von einer Ortsbegehung mit den Fraktionen. Diese hätten angesichts der ohnehin nötigen Veränderungen für die große Lösung plädiert, sagte Höfer. Der Schriesheimer Architekt Manfred M. Fischer stellte dem ATU schon im Juli hinter verschlossenen Türen die Planungsvarianten mit Kostenschätzungen vor. Im jetzigen Thekenbereich könnte demnach eine fest installierte Bühne samt Stahlträgern für Licht- und Tontechnik entstehen.

Die Theke käme dafür direkt rechts neben den Haupteingang. Dafür müssten die Anschlüsse für Wasser, Abwasser sowie für Licht und Sound komplett neu verlegt werden - inklusive der elektrischen Verkabelung. Schon deshalb sei die umfassende Sanierung sinnvoll, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Also sollen unter anderem auch der Boden, die Beleuchtung und der Wandanstrich erneuert werden. Auf den Putz hat Franz Piwa einst in zwei Motivbändern historische Szenen aus dem Winzeralltag gemalt: "Diese werden wir mit Sicherheit nicht in ihrer Gesamtheit erhalten können", sagte Höfer, weil der Putz schon jetzt an vielen Stellen abplatze oder brüchig sei. Der Bürgermeister betonte, dass die Winzergenossenschaft die Pläne als Pächterin des Zehntkellers gutheiße. Sollte dieser mal saniert sein, werde man jedoch über eine neue Pacht nachdenken müssen, so der Rathauschef auf Nachfrage. Er unterstrich auch, dass die Stadt mit dem zweiten Fluchtweg einer Forderung des Landratsamts nach komme. Die Genehmigungsbehörde hatte die maximale Gästezahl bei den vergangenen beiden Mathaisemärkten auf jeweils 300 Personen beschränkt. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern wohl auch, weil laut Verwaltungsvorlage keine Genehmigung als Veranstaltungsstätte vorlag. Inzwischen hat das Rathaus den Bauantrag für die Fluchttreppe beim Landratsamt eingereicht. Würde sich der Gemeinderat morgen für die Komplettsanierung entscheiden, würde die Verwaltung die geänderten Planungsabsichten beim Rhein-Neckar-Kreis vorbringen.

Geht es nach Höfer, dann wird es so kommen. Im Zuge der Foyer-Sanierung hatte er es vor zwei Jahren noch abgelehnt, den großen Keller gleich mit in Angriff zu nehmen. Dafür habe die Stadt keine Mittel, hatte er damals gesagt. Heute sei die Ausgangssituation eine andere. Die Stadt müsse für den Notausgang ohnehin Geld in die Hand nehmen, "also können wir es auch gleich richtig machen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung