02.10.2015

Windkraft war Thema im Schriesheimer Gemeinderat

Weiß, riesig und unübersehbar glänzen sie in der Sonne: Das dürfte der Blick auf die Windkraftanlagen sein, den man eines Tages vom OEG-Bahnhof in Richtung Weinberge hat oder haben könnte.

Schriesheim. (sk) Weiß, riesig und unübersehbar glänzen sie in der Sonne: Das dürfte der Blick auf die Windkraftanlagen sein, den man eines Tages vom OEG-Bahnhof in Richtung Weinberge hat oder haben könnte. Einstweilen existiert dieses Bild nur als Fotomontage, wie auch die Landschaften bei Altenbach, Ursenbach und die Ansicht vom westlichen Ortsrand nach Norden. Trotzdem ging ein hörbares Raunen durch die Reihen von Gemeinderat und Publikum, als Martin Müller, Geschäftsführer des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim, die Montagen vorstellte.

Voraus schickte er die Bemerkung, dass es bei der Teilflächennutzungsplanung "Windenergie" weder um technische Daten oder Erträge gehe: "Nur darum, welche Standorte im Verbandsgebiet bereitgestellt werden und welche nicht." Ohne die Flächennutzungsplanung wären die Windräder nämlich als privilegierte Vorhaben generell überall zulässig. Nach Abzug von Wohn- und Schutzgebieten, unter Berücksichtigung von entgegenstehenden rechtlichen Belangen und eigenen Kriterien des Verbands, zu dem Heidelberg, Mannheim und 16 Nachbargemeinden gehören, blieben von 487 noch 26 Quadratkilometer übrig. In und um Schriesheim kommen drei Flächen infrage: Ein Gebiet im Norden oberhalb Leutershausens mit Platz für maximal sechs Windräder, eines westlich von Ursenbach für fünf Anlagen und eines östlich des Weißen Steins für vier Windkraftanlagen. Dass die Flächen allesamt zum Landschaftsschutzgebiet gehören, sorge nicht für deren Ausschluss, betonte Müller.

Dass der Gemeinderat im Anschluss keine Stellungnahmen zum Thema abgab, sondern nur Fragen stellte, begründete Bürgermeister Hansjörg Höfer mit einem Beschluss des Gremiums. Einzig Wolfgang Fremgen (GL) hielt sich nicht daran und lobte: "So eine Fotomontage ist eine tolle Sache. Was die Ästhetik angeht: Ich finde die Windanlagen ästhetisch schön." Dazu zog er den Vergleich zu Atom- oder Kohlekraftwerken. "Wenn wir verabredet haben, keine Stellungnahmen abzugeben, erwarte ich auch, dass man keine abgibt", rügte CDU-Stadtrat Anselm Löweneck seinen Ratskollegen. Er fragte nach den Eigentümern der fraglichen Flächen, Höfer antwortete: "In der Regel ist das die Stadt Schriesheim." Er spann den Gedanken weiter: Die Stadt könnte ja beschließen, dass auf ihren Grundstücken keine Windräder stehen dürften. Doch dem räumte Müller keine Chancen ein: "Eine verkappte Verhinderungsplanung ist nicht zulässig." Auf Frage Höfers nach den Abständen zur Wohnbebauung antwortete Müller ebenso kategorisch: Wenn der Nachbarschaftsverband einheitliche Abstände festlege - 1000 statt der vorgeschriebenen 700 Meter -, dann müssten sich die Kommunen auch daran halten.

Die Erhaltung von "Blick-Beziehungen" war ein weiteres Kriterium, das FW-Fraktionssprecher Heinz Kimmel ansprach. Er wollte wissen, wie die "Verschandelung der Strahlenburg" verhindert werden könne. "Eine Blick-Beziehung muss besonders begründet werden", antwortete Müller und bezog sich auf den Fall einer weiteren Fläche, die deshalb verhindert wurde: Wenn die Einwohner von Wilhelmsfeld nämlich aus dem Fenster schauten, hätten sie eine Gruppe von 200 Meter hohen Windrädern genau auf Augenhöhe: "Und das wäre nicht zumutbar." Auf Nachfrage von SPD-Fraktionssprecher Rainer Dellbrügge nannte er schließlich noch ein weiteres mögliches Kriterium: den Schutz der Hangkante.

Info: Die Fotomontagen von Windrädern an möglichen Standorten kann man sich im Internet ansehen unter www.nachbarschaftsverband.de.

Schriesheim teilt sich mögliche Zonen für Windräder mit Hirschberg (9/10) und Dossenheim (11). Plan: Nachbarschaftsverband

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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