19.10.2015

Schriesheimer Schulzentrum: "Es zieht sich noch"

"Zukunftsfähige Schularchitektur": Projektbegleiter Uwe Bellm über die Kosten und die Zeitplanung

Schriesheim. (sk) Lange war es reine Spekulation, wie teuer die Sanierung des Kurpfalz-Schulzentrums werden würde. Doch beim letzten öffentlichen Treffen der Arbeitsgruppe "Zukunftsfähige Schularchitektur" nannte Architekt Uwe Bellm vom Heidelberger Büro ap 88 erstmals konkrete Zahlen. Zustande kamen sie in Arbeitsgruppensitzungen und Workshops innerhalb der vergangenen Monate, gedacht war das Ganze als Empfehlung an den Gemeinderat.

e nach Planungsvariante könnten folgende Kosten entstehen: für die Grundschule 9,51 Millionen Euro, für die Realschule zwischen 18,22 und 23,15 Millionen, für die Stadtbibliothek 1,22 und die Außenanlagen 2,58 Millionen. Mit geschätzten 32,42 Millionen Euro dürfte das Gymnasium der dickste Brocken werden. Das heißt, die Kosten bewegen sich zwischen 63,95 und 68,88 Millionen Euro.

Abhängig sind diese Kosten von den erforderlichen Maßnahmen und vom Zustand der Gebäude. Nicht immer, so Bellm, sei eine Sanierung kostengünstiger als der Abriss. Zwar stehen Kosten von 1423 Euro pro Quadratmeter für die Sanierung 1550 Euro pro Quadratmeter für Abriss und Neubau gegenüber. Bei der ersten Alternative wird bei den Rohbaukosten gespart, dafür wird die Gebäudetechnik teurer, während es im zweiten Fall umgekehrt ist. "Investitionen in Haustechnik sind aber lohnend", sprach Bellm die "Lebenszykluskosten" an, also, was im Laufe der Jahre an Investitions- und Folgekosten auf den Schulträger zukommt. Dann präsentierte er die Vorschläge für Um- und Neubauten, getrennt nach den sechs Bauteilen der Schule. Im Gymnasium wurden Stahlbetonwände und -decken verbaut, die zum Teil erhalten bleiben könnten. Der Fachklassentrakt solle dagegen abgerissen und etwas versetzt neu gebaut werden, so Bellm. Vorteil des neuen Standorts: Es käme Licht in die düstere Aula. Die soll darüber hinaus auch erweiterbar sein, möglichst durch abteilbare Räume, ebenso wie die Mensa. Empfohlen wurde auch, einen Durchgang zu schaffen, sodass das Gebäude in Nord-Süd-Richtung durchquert werden kann.

Einen anderen Befund ergab die Untersuchung des Realschul-Gebäudes: Die spezielle Dachkonstruktion mit vielen Stahlträgern schaffe einen "Kaltraum" unterm Dach sowie Wärmebrücken, was nicht mehr den aktuellen Dämm-Vorschriften entspricht. "Eine Sanierung der Dachkonstruktion ginge ins Geld", bemerkte Bellm. Abriss und Neubau, Errichtung eines eigenen, dreigeschossigen Trakts mit Klassenräumen und Erweiterung der Fachräume gehörten zu den insgesamt sieben Planungsalternativen, zu denen der Architekt erklärte: "Wir haben uns nicht zu einer durchgerungen."

Die radikalste Lösung schlug das Gremium für die Grundschule vor: Sie soll abgerissen und etwa an der Stelle, wo heute die Container des Kindergartens "Wolkenschloss" stehen, neu gebaut werden. Die alte Grundschule könnte vor ihrem Abriss noch den Schülern von Realschule oder Gymnasium als Ausweichquartier dienen. Auch das hätte Kostenvorteile: Bellm rechnete vor, dass etwa eine Million Euro gespart werden könnten, die ansonsten für Container aufgewendet würden. Den Schluss des Vortrags bildete - mindestens ebenso wichtig - ein möglicher Zeitplan: In der Gemeinderatssitzung am 28. Oktober kommt das Thema auf die Tagesordnung. Ein förmliches Verfahren mit Vergaben an Architekten und Statiker könnte bis Juli 2017 abgeschlossen sein, die anschließenden Planungen, Genehmigungen und nicht zu vergessen die Baumaßnahmen selbst könnten bis 2022, im Falle der Grundschule bis 2020 abgeschlossen sein. Bellm stellte beim Blick in viele lange Gesichter im Publikum deshalb fest: "Es zieht sich noch."

Hintergrund

Schularchitektur: Für neue pädagogische Konzepte winken Zuschüsse

Schriesheim. (sk) Beim Infoabend zu Ergebnissen der Arbeitsgruppe Zukunftsfähige Schularchitektur (siehe weiteren Bericht) ging es nicht nur darum, was Sanierungsmaßnahmen am maroden Kurpfalz-Schulzentrum kosten könnten, sondern auch um Pädagogik und Fördermöglichkeiten.

Zwischen einigen formelhaften Sätzen zur Arbeitsweise der Gruppe tauchte in der Präsentation der Satz auf, in dem es hieß, die Gruppe empfehle dem Gemeinderat "die Diskussion über die Einführung geänderter pädagogischer Anforderungen (Ganztagesschule/Gemeinschaftsschule usw.) gerade im Hinblick auf den vom Gesetzgeber ausgesprochenen Fördertatbestand ’zwingende schulische Gründe’". Ein Konzept, das die Schriesheimer Schulen seinerzeit ablehnten. Jetzt sprach Hauptamtsleiter Edwin Schmitt die Fördermöglichkeiten an, die neuer finanzieller Anreiz sein könnten: 33 Prozent Grundförderung könnte die Stadt erhalten, maximal 66 Prozent könnten daraus werden, abhängig vom Anteil auswärtiger Schüler. Bürgermeister Hansjörg Höfer bemerkte, dass das Land ein Projekt nur einmal fördere, es sei denn, es handle sich um "neue pädagogische Konzepte."

Auch diese wurden an dem Abend von Architekt Uwe Bellm angerissen: Bei Besuchen anderer Schulen konnte sich die Arbeitsgruppe besonders erwärmen für die Vorstellung von kleineren Einheiten ohne "Durchgangsverkehr", aufgeteilt nach Jahrgängen; nicht nur für die Gymnasiasten, sondern für alle Schularten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung