25.10.2015

In Schriesheim reift ein Meisterwein heran

Auf dem Weg zur Prüfung als Weinküfermeister: Michel Hofmann hat einen Merlot Rosé im Keller von Winzer Georg Bielig eingelagert, von dem er sich viel verspricht

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Selbstverständlich wurden sie Anfang Oktober in reiner Handlese geerntet. Saubere, gesunde 1200 Kilogramm Merlo-Trauben mit 95 Grad Oechsle. Danach wurden sie gepresst, blieben nicht allzu lange auf der Maische und kamen dann in Georg Bieligs Keller, um zu einem schönen Merlot Rosé zu reifen. Schon jetzt ist klar: Dieser Wein wird ein Meisterstück, genauer gesagt der Meisterwein von Michel Hofmann. Der 25-jährige Schwetzinger ist auf dem Weg zum Weinküfermeister. Bielig begleitet ihn dabei ein Stück. Denn man kennt sich.

Michel Hofmanns Bruder Adrian ist auch gelernter Winzer und hat seinerzeit sein drittes Lehrjahr bei Bielig absolviert: "Und ich bleibe ja mit allen Ex-Azubis in engem Kontakt", sagt der Winzer. Michel Hofmann kam’s gelegen. Also verbrachte er Anfang Oktober eine Woche in Bieligs Weingut, um seinen Prüfungswein einzulagern. "Ich bin ein Quereinsteiger", sagt Hofmann. Schließlich ist Schwetzingen ja auch nicht gerade für seine Weingüter bekannt. Sicher hat ihn sein Bruder inspiriert, aber Michel Hofmann macht sein eigenes Ding. Erst lernte er im Winzerkeller Wiesloch, war dann etwa eineinhalb Jahre im Weingut Adam Müller in Leimen und dann zehn Monate lang im Bio-Weingut Manincor in Südtirol. Nach einem Jahr beim Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil nahm er die Meisterschule an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg in Angriff. Zudem fand er eine Anstellung beim Aromenhersteller Wild Flavors in Eppelheim, also bei der "Capri-Sonne". Hofmann betont gerne, dass ihn sein Arbeitgeber für die Woche bei Bielig freistellte.

Dieser hat vor 15 Jahren selbst seinen Meister gemacht. Damals übrigens war ein Lemberger Rotwein aus dem Barrique das Meisterwerk des beliebten Winzers, der es mittlerweile in Eichelmanns Standardwerk zum deutschen Wein gebracht hat. Warum nicht auch Hofmann seinen Wein zu einem großen Roten ausbaut, hat ganz pragmatische Gründe: "Dafür ist zu wenig Zeit."

Nur bis März hat Michel Hofmann für die schriftliche Ausarbeitung seines Meisterwein-Projekts. Mit einem Rosé passt das: "Der kommt ins Frühjahr rein. Im Februar will ich ihn auf die Flasche bringen." Danach wird sein Merlot im Rahmen der Prüfung auch verkostet. Außerdem muss Hofmann in seiner Dokumentation so ziemlich alles zusammentragen und darstellen, was mit der Erzeugung, dem Ausbau, der Kalkulation und nicht zuletzt der Vermarktung seines guten Tropfens zu tun hat. Dass er das schafft, ist nicht zu bezweifeln. Zumal Michel Hofmann die praktische Prüfung im Keller bereits in der Tasche hat.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung