05.12.2015

Schriesheim ist jetzt "Fairtrade Town"

"TransFair"-Ehrenbotschafter Manfred Holz überreichte der Stadt die Urkunde - Stadt erfüllte Anforderungen "mit Bravour

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Für die Stadt sei es ein Imagegewinn: Darin waren sich alle einig, die bei dem kleinen Festakt im Alten Rathaus sprachen. Dieser Gewinn bestand im Siegel "Fairtrade Town", zu Deutsch "Fairhandelsstadt", das Manfred Holz, Ehrenbotschafter der Initiative "TransFair", an Bürgermeister Hansjörg Höfer übergab. Bevor darauf mit Sekt angestoßen wurde, spielte das Saxofon-Ensemble der Musikschule unter Leitung von Olaf Weithäuser noch eine dreiteilige Suite von Johann Christian Bach, und Dankesreden wurden gehalten.

Deutschland ist der dynamischste Markt

Höfer dankte der Steuerungsgruppe, - die Einsetzung einer solchen gehörte zu den Voraussetzungen für das Zertifikat - den Schriesheimer Gewerbetreibenden und nicht zuletzt der Organisation "TransFair", die die Menschen über fairen Handel informiere. Damit könne den Erzeugern eine Zukunft in ihren Heimatländern ermöglicht werden. Man müsse sich schon überlegen, ob es noch zeitgemäß sei, dass ein T-Shirt schon für wenige Cent zu haben sei.

Wolfgang Fremgen, neben den Stadträten Fadime Tuncer und Marco Ginal, BDS-Chef Rolf W. Edelmann und Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger Mitglied der Steuerungsgruppe, dankte seinen Mitstreitern und ließ die gemeinsame Arbeit, die vor zwei Jahren begann und von Sitzungen, Anschreiben und anschließendem "Klinkenputzen" geprägt war, Revue passieren. Schriesheim, so der Grünen-Stadtrat, sei nunmehr die 383. deutsche Stadt und die 86. in Baden-Württemberg, die das Siegel tragen dürfe. Er dankte auch den Unterstützern und betonte: "Alle haben Vorteile, wenn sie fairen Handel betreiben und fördern." Holz schließlich dankte allen in der "sympathischen und kinderfreundlichen Stadt", die sich für das Projekt einsetzten und damit einen Beitrag für Solidarität und gegen Armut leisteten.

Er lobte die Kirchen, Schulen, das Rathaus und die Geschäfte, die fair gehandelte Produkte konsumierten oder in ihr Sortiment aufnahmen: "Die Stadt hat mit Bravour alle Anforderungen geschafft." Alle zwei Jahre, so kündigte er an, würden die Kriterien für die Zertifizierung erneut überprüft. Holz betonte deren Gewicht: 95 Prozent der Käufer hielten das Siegel "Fairtrade" für vertrauenswürdig. Allerdings betrage der Anteil etwa von fair gehandeltem Kaffee nur drei Prozent in Deutschland. Mit Wachstumsraten von 26 Prozent sei Deutschland aber weltweit der dynamischste Markt: "Soziale und ökologische Aspekte beeinflussen immer mehr unsere Kaufentscheidungen."

Die "Wachstumstreiber" seien Kaffee, Bananen und Rosen, es gebe aber auch Eis, Bälle, Tee, Süßigkeiten, Wolle, Fernreisen und sogar fair gehandelte Eheringe. Und, gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingskatastrophe, könne fairer Handel dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen, bevor sie entstehen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung