08.12.2015

Schriesheims Ringer bekennen sich zur Bundesliga

Der KSV Schriesheim verpasst es, vorzeitig die letzten Zweifel am Klassenerhalt auszuräumen

Von Claus Weber

Schifferstadt. Klaus Grüber hatte ein Déjà-vu-Erlebnis. Wieder einmal fehlten seinem KSV Schriesheim nur Kleinigkeiten zum Sieg. Mit 13:17 mussten sich die Ringer von der Bergstraße in der Bundesliga-Abstiegsrunde beim VfK Schifferstadt geschlagen geben und verpassten es damit, vorzeitig die letzten Zweifel am Klassenerhalt auszuräumen.

Grüber rechnet vor dem Abschlusskampf am Samstag beim KAV Mansfelder Land aber ohnehin nicht mehr mit dem Schlimmsten. "Ich glaube nicht, dass wir in Eisleben so hoch verlieren werden, wie wir daheim gewonnen haben", sagte der KSV-Abteilungsleiter. Schriesheim hatte die Staffel aus Sachsen-Anhalt im Hinkampf mit 26:2 deklassiert.

Nach dem Ausfall von René Jünger (Kreuzbandriss) und Niklas Dorn (Meniskus) musste KSV-Trainer Kai Dittrich in Schifferstadt improvisieren, um die Deutsch-Quote zu erfüllen. Oldrik Wagner und Attila Tamas stiegen um eine Gewichtsklasse und Dustin Scherf musste stilartfremd ringen. "Vor diesem Hintergrund ist das ein sehr achtbares Ergebnis", sagte Dittrich und war überzeugt: "In Bestbesetzung hätten wir gewonnen!"

Auch mit der Notstaffel war mehr drin. Aber Attila Tamas (3:4 gegen Sever) und Ionel Puscasu (0:3 gegen Bolkvadze) verloren die Schlüsselkämpfe knapp. Da half auch nichts, dass Oldrik Wagner den 25 Kilogramm schwereren Ralf Böhringer mit 7:6 knapp schlug und dass Valerij Borgojakov, Mihut Mihat und Andrej Perpelita technisch überhöhte Punktsiege gegen überforderte Pfälzer feierten.

Schade, ein dritter Saisonsieg hätte den Bergsträßern noch einmal Auftrieb gegeben. Aufgrund der wenigen Erfolgserlebnisse sind in Schriesheim nicht alle davon überzeugt, dass sich der große Aufwand für die Bundesliga wirklich lohnt. "Bei uns gab es auch Stimmen, die fragten: Warum steigen wir nicht in die Zweite Liga ab?", gab Grüber zu.

Doch der Ringer-Chef hält nichts davon. Die zweithöchste deutsche Klasse ist unattraktiv, der SRC Viernheim der einzige Verein aus der näheren Umgebung. "Und so viel Abstand nach oben hatten wir ja auch gar nicht‘", sagt Grüber. Gegen Adelhausen, in Ispringen und zweimal gegen Schifferstadt waren Siege greifbar nahe. "Wir müssen uns auf jeden Fall verstärken und variabler werden", sagt der Schriesheimer Ringer-Chef. Er weiß aber auch: "Die anderen sind auch nicht untätig."

Immerhin sollten die Bergsträßer den Stamm ihrer Mannschaft halten. "Die, die schon länger da sind, haben zugesagt, zu bleiben", sagt Grüber. Mit Puscasu, Wagner, Tamas, Perpelita, Plodek und Mihut kann der KSV also wohl weiter planen. Auch die Neuen Scherf, Swierk und Janikowski sind dazu bereit. Der Russe Borgojakov ebenfalls.

Als Abgänge stehen bislang erst Christoph Ewald und Luca Lampis fest. Beide beenden ihre Karriere und haben Trainerjobs angenommen. Ewald beim Frauenstützpunkt in Dormagen, Lampis wird Jugendnationalcoach in Frankreich. "Sie müssen wir durch starke Leute ersetzen", sagt Grüber.

Noch allerdings ist völlig unklar, wie die Bundesliga im nächsten Jahr aussehen wird. Mansfelder Land wird wohl von seinem Abstiegsrecht Gebrauch machen. Doch ob Burghausen (Süd), Witten (West) oder Aue (Nord) aufsteigen werden, ist unklar. Sie müssen es nicht.

Denkbar wäre bei nur noch elf Mannschaften sogar wieder eine eingleisige Liga. Klaus Grüber hält diese Lösung nicht für das Schlechteste. "Wegen der Fahrten hätte ich keine Bedenken. Nur Luckenwalde in Brandenburg liegt weit weg", sagt er, "aber mit Köllerbach, Mainz, Mömbris und Schifferstadt hätten wir attraktive Gegner, die fast vor der Haustür liegen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung