04.01.2016

Der Schriesheimer Jahresrückblick 2015

Von Altenbachs Ortsmitte bis zum Zehntkeller

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Das Jahr 2015 hielt für die Weinstadt einiges bereit: Grund zur Trauer, zur Freude und zum Staunen, prägende Einschnitte, große Aufgaben, Diskussionen und Momente zum Innehalten. Der (sicher unvollständige) Jahresrückblick im Schriesheimer ABC:

A wie Altenbacher Ortsmitte. Im Jahr 2010 wird sie angeschoben, am 14. April festlich vollendet: Die Altenbacher feiern die gelungene Neugestaltung ihrer Ortsmitte. Ein Treffpunkt entsteht. Vor allem der Bouleplatz wird in den warmen Monaten eifrig genutzt. Auch ein weiterer Platz wird eingeweiht. Am 28. März sprudeln erstmals die Fontänen auf dem Schillerplatz am Bahnhof. An der Gestaltung mit den Cortenstahltoren und den Wasserspielen scheiden sich die Geister. Den Kindern ist es egal. Sie nutzen im Sommer die willkommene Abkühlung ausgiebig. Hier entsteht ein Generationen übergreifender Aufenthaltsort, zu dem auch das Bistro "Doppio Gusto" beiträgt.

B wie Begegnungszentrum. Am 27. März wird das Begegnungszentrum "mittendrin" der evangelischen Kirchengemeinde in der Kirchstraße eröffnet. Im Laufe des Jahres wird es zum familiären Treffpunkt, in dem es auch Veranstaltungen gibt. Die Ehrenamtlichen verwöhnen ihre Gäste mit einem kleinen, feinen kulinarischen Angebot. Die selbst gebackenen Kuchen sind jedes Mal eine Überraschung. Geleitet und im Ort vernetzt wird die Einrichtung von Kathleen Kampes.

C wie Charlie Hebdo. Die Neujahrsmatinee des Partnerschaftsvereins steht im Januar unter dem Eindruck des Attentats gegen das Pariser Satiremagazin. Bürgermeister Hansjörg Höfer spricht von einem "Anschlag auf unsere Werte". Im November der nächste Schock: Nach den Terrorangriffen in Paris liegen im Rathaus und im Begegnungszentrum Kondolenzbücher auf. Höfer spricht von "menschenverachtenden Taten". Schriesheim stehe an der Seite seiner französischen Freunde.

D wie "Dok-Tor". Außergewöhnlich wie die Architektur ist der Name für das neue Ärztehaus, das auf dem ehemaligen "Pfalz"-Gelände entsteht. Das Traditionsgasthaus wird abgerissen. Für viele wird es ein schwerer Abschied. Inzwischen ist der Rohbau des "Dok-Tor" gewachsen, und auch nebenan entsteht Neues: Am 16. April ist Spatenstich für weitere sieben Häuser auf dem OEG-Areal. Der Immobilienentwickler BPD (ehemals Bouwfonds) investiert 14 Millionen Euro. Es ist hier die letzte große Bauphase. Wenn sie vollendet ist, fehlt zum Schluss nur noch die Gestaltung des Platzes an der Unterführung.

E wie Ewald, Friedrich. Zum 31. Dezember scheidet er aus dem Berufsleben aus - nach 37 Jahren in leitender Funktion bei Volks- und Raiffeisenbanken in der Region. Seinen Abschied feiert er mit vielen Gästen in der Heidelberger Print Media Lounge und erhält für seine Verdienste in diesem Rahmen die Ehrennadel in Gold des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken. Sein allerletzter geschäftlicher Termin führt Ewald freilich wieder zurück nach Schriesheim. Am 29. Dezember gibt er bekannt, dass die Filiale der Volksbank Kurpfalz in der Bismarckstraße nicht abgerissen und neu gebaut, sondern im Bestand saniert wird.

F wie Flüchtlinge. Im Januar spricht Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) beim Neujahrsempfang der Kreis-Grünen. Das Flüchtlingsthema bleibt auch in Schriesheim das ganze Jahr auf der Agenda. Widerstände regen sich gegen geplante Erstunterkünfte. In der Carl-Benz-Straße soll ein alter Gewerbebetrieb umgebaut werden. Das erste Nein im Bauausschuss mit Veto des Bürgermeisters macht eine Sondersitzung nötig. In der Straße In den Fensenbäumen will die Baugenossenschaft Familienheim ab Februar 2016 Wohnungen errichten und an den Rhein-Neckar-Kreis vermieten. Einigkeit herrscht im Gemeinderat bezüglich der Anschlussunterbringung, die Sache der Stadt ist. So soll am Wiesenweg geeigneter Wohnraum geschaffen werden. Auch Anmietungen schließt die Stadt nicht aus.

G wie Ganztagesschule. Die Kurpfalz-Grundschule wird mit dem Schuljahr 2015/16 zur Ganztagesschule. Dazu passt, dass schon am 19. April der neu gestaltete Schulhof eingeweiht wird. Insgesamt 124 Ganztageskinder werden angemeldet. An sie richtet sich das Essensangebot in der Mittagszeit. In ihrem Speiseraum wird ab Januar ein bargeldloses Bezahlsystem eingeführt.

H wie Heidelberger Straße. Diese wird zwischen Talstraße und Kirchstraße vom 22. Juni bis zum 16. November saniert. Neue Kanäle und Leitungen werden eingezogen, die Fahrbahn frisch gepflastert. Leicht ist die Baustelle nicht - auch nicht für die davon betroffenen Geschäftsleute und die Anwohner an der Umleitungsstrecke. In der Zentgrafenstraße kommt es teilweise zu chaotischen Zuständen.

I wie IHK-Standortumfrage. Diese liegt im Juli vor. Die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar hat wieder ihre Mitgliedsunternehmen befragt. Diese geben der Stadt die Durchschnittsnote 2,7. Die Verwaltung wird unternehmensnäher als vor vier Jahren bewertet. Lob gibt es auch für die Innovationskraft, die Familienfreundlichkeit und Sicherheit. Kritisiert werden dagegen die oft langsamen Internetverbindungen sowie die räumlich begrenzten Möglichkeiten bei der Firmenerweiterung.

J wie Johanneskirche. Am zweiten Mathaisemarktsonntag haben Altenbachs Protestanten noch einen ganz anderen Grund zum Feiern: Ihre innen und außen so gut wie neue Kirche wird eingeweiht und bekommt einen Namen. Johanneskirche heißt sie seitdem - nach dem Apostel der Liebe. Möglich wird der umfangreiche Umbau der Kirche vor allem durch eine großzügige Spende von Sabine Plattner. Sie habe Altenbach etwas zurückgeben wollen, sagt sie an diesem Tag.

K wie "Kinderschachtel". Aus dem Realisierungswettbewerb für den Neubau des Kindergartens in der Kurpfalzstraße gehen im März zwei Entwürfe hervor, die in der Bewertung nur hauchdünn auseinanderliegen. Der Gemeinderat beschließt, dass sich beide Büros noch einmal vorstellen dürfen. Letztlich erhalten die Klinkott-Architekten aus Karlsruhe den Zuschlag. Im Jahr 2016 soll die alte "Kinderschachtel" abgerissen werden.

L wie Laubelt. Es gibt eine Machbarkeitsstudie. Der "Arbeitskreis 2. Erschließung Branich" trommelt für eine zweite Abfahrt vom Berg, die neu gegründete IG Laubelt hält mit 1794 Unterschriften dagegen. Bei einer Bürgerinfo im Februar prallen die Meinungen aufeinander. Am Ende bleibt es dabei: Der Laubelt wird zwar nicht komplett geschlossen, darf aber nur als Notabfahrt benutzt werden. Der Gemeinderat verhängt eine einjährige Probezeit.

M wie "Mahnmale von unten". Anfang Februar verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig fünf weitere "Stolpersteine" für Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Sie erinnern vor dem Anwesen in der Oberstadt 12 an Levi, Jette und Alfons Schlösser, in der Kirchstraße 8 an Valentin Bock und in der Mannheimer Straße 2 an Maria Katharina Fürderer. Insgesamt liegen in Schriesheims Straßen und Gehwegen inzwischen 26 dieser kleinen Gedenksteine.

N wie Neuanfang. Etliche Personen sorgen im Jahr 2015 für Schlagzeilen, weil sie für Neuanfänge stehen. Markus Foltin wird neuer Stadtbaumeister und beerbt Astrid Fath. Stefanie Brenner komplettiert das städtische Trio der Jugend- und Schulsozialarbeit. Jürgen Sollors übernimmt die Direktion des Kurpfalz-Gymnasiums von Matthias Nortmeyer und Olaf Weithäuser die Leitung der Musikschule von Richard Trares. Bernd Molitor rückt für Heinz Waegner in die Gemeinderatsfraktion der Grünen nach. Ilona Böhm wird als neue Festzeltwirtin des Mathaisemarkts vorgestellt, nachdem "HP" Küffner das Handtuch wirft. Zäsuren auch bei den Vereinen: Irmgard Mohr folgt auf Karl-Heinz Schulz als Verkehrsvereinschefin, Sascha Gernold wird neuer Vorsitzender der Naturfreunde und Nachfolger von Lilo Ortmann. Beim KSV scheidet Klaus Grüber aus dem Amt und übernimmt die Ringer-Abteilung, neuer Vorsitzender wird Sven Witteler.

O wie Orgeln. Gleich drei Instrumente werden eingeweiht. Im Januar baut die Waldkircher Orgelbaufirma Jäger & Brommer die sanierte Weigle-Orgel in die evangelische Stadtkirche in Schriesheim ein. Am 12. April erklingt das Instrument erstmals wieder im Gottesdienst zur Orgelweihe, drei Konzerte runden die Freude ab. Ganz neu ist die Orgel, die im Februar in der evangelischen Kirche in Altenbach von der Freiburger Orgelbaufirma Späth eingebaut wird. Auch die Friedhofskapelle in Schriesheim erhält im Juni ein neues Instrument.

P wie "Phase 0". Die Vorüberlegungen zur Zukunft des Schulzentrums werden abgeschlossen. Am Ende der sogenannten "Phase 0" empfiehlt die Arbeitsgruppe Zukunftsfähige Schularchitektur eine Bestandssanierung mit teilweisem Neubau des Gymnasiums (Kalkulation: 32 Millionen Euro) und einen Neubau der Grundschule (zehn Millionen Euro). Bei der Realschule gibt es noch keine Festlegung. Zahlen zwischen 18 und 23 Millionen Euro je nach Variante stehen aber im Raum. Zweifel werden erstmals hörbar, ob sich die Stadt ein runderneuertes Schulzentrums jemals wird leisten können.

Q wie Qualität. Im November feiert die Schriesheimer Winzergenossenschaft (WG) ihren elften Ehrenpreis bei der Badischen Gebietsweinprämierung als punktbester Betrieb der Badischen Bergstraße. 18 Gold- und elf Silbermedaillen gibt es. Dazu den extra prämierten Weißburgunder als "Frühlings- und Sommerwein". Die Auszeichnung wird bei der WG als Bestätigung des Qualitätskurses angesehen - und als Ansporn, in diesem Bestreben nur nicht nachzulassen.

R wie "Raubritter". Schriesheims Baseballer feiern ein Jahr lang ihr 25-jähriges Bestehen - und erfreuen damit nicht nur die Vereinsmitglieder. So lädt der Club zum "Winterwonderland" ein, rettet den Abend des Mathaisemarktmontags mit einer irren Festzeltsause, organisiert ein Laienturnier und lässt das Jahr mit einer Silvesterparty im Zehntkeller ausklingen. Jubiläumsbilanz: ein Home Run!

S wie Sonnenfinsternis. Am 20. März, gegen 9.30 Uhr, beginnt der Mond, sich vor die Sonne zu schieben. Die Sonnenfinsternis wird in der Christian-Mayer-Volkssternwarte zum Event. Über 100 große und kleine "Sofi-Gucker" wollen das kosmische Schauspiel an den Teleskopen verfolgen.

T wie Tunnel. Im Mai führt der Bauleiter des Branichtunnels, Ralph Eckerle, die RNZ exklusiv durch den Rohbau des neuen Betriebsgebäudes am Westportal. Im Sommer wird die Tunneltechnik installiert, und gegen Jahresende legt sich Eckerle erstmals fest: Der Tunnel soll im Juli oder August 2016 eröffnet werden.

U wie Urkunde. Eine solche erhält die Stadt am 28. November im Alten Rathaus vom Verein "Transfair". Schriesheim darf sich fortan "Fairtrade-Town" nennen und ist die 383. Stadt in Deutschland, die sich der Zertifizierung unterzogen hat, welche das Bemühen um die Förderung des Verkaufs und Gebrauchs von Produkten aus fairem Handel anerkennt.

V wie "Vielfalt in der Einheit". 62 Zugnummern stellen am 9. März im Mathaisemarkt-Festzug das Motto dar, das an 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung erinnert. 40 000 Zuschauer säumen den Weg und sehen liebevoll gestaltete Wagen und Fußgruppen. Sie zeigen das Charakteristische der Bundesländer, und auch Trabis fahren mit.

W wie Waldbrandübung. Eine solche verfolgt eine Delegation der Schriesheimer Feuerwehr bei ihren Kameraden in Uzès. Im Rahmen des Besuchs in Südfrankreich unterzeichnen beide Feuerwehren einen Freundschaftsvertrag. Künftig will man sein Wissen austauschen und sich regelmäßig auch zu sportlichen Begegnungen treffen. Gerade die Jugendwehren sollen diese Bereicherung der Städtepartnerschaft in die Zukunft tragen.

Y wie Yoko kekomi. Der Fußaußenkantenstoß ist eine Technik im Karate, die am 18. April in der Mehrzweckhalle zu bestaunen ist. Über 200 Karateka aus dem In- und Ausland kommen zum Lehrgang mit Sensei Silvio Campari. Nachmittags gibt es eine öffentliche Präsentation von Kampfkünsten. Die Zuschauerränge sind bestens gefüllt.

Z wie Zehntkeller. Eigentlich soll der zweite Fluchtweg im Zehntkeller schon dieses Jahr gebaut werden. Der Gemeinderat stoppt aber die Pläne, um über eine "große Lösung" beraten zu können - zumal die Theke sowieso zurückgebaut werden muss. Im September findet sich dafür eine Mehrheit: Nach dem nächsten Mathaisemarkt wird nicht nur der zweite Rettungsweg geschaffen, sondern das komplette Gewölbe samt Elektrik und Leitungen saniert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung