29.01.2016

Schriesheimer Mehrzweckhalle ist bis auf Weiteres gesperrt

20 Bohrlöcher wurden in der Tragkonstruktion der Hallendecke entdeckt - die Dimension des Schadens wird jetzt geprüft

Die Kinderkrippen, die KSV-Hallen, das Studio "KSVmedaktiv" und der Vereinsraum in der Mehrzweckhalle seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet, versicherte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Er will auch ermitteln lassen, wer für die Bohrlöcher verantwortlich ist. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Wie das Ganze letztlich ausgeht, soll sich nach den Faschingsferien erweisen. Die Befürchtungen können sich in Luft auflösen. Oder bewahrheiten. Fakt ist: Die Mehrzweckhalle wurde gestern bis auf Weiteres für jede Nutzung gesperrt - auch für Schulsport. Das gaben Bürgermeister Hansjörg Höfer und Stadtbaumeister Markus Foltin bekannt.

Die Stadt wollte an Trägern unter dem Dach - den sogenannten Bindern - die Möglichkeit schaffen, zusätzliches Licht und Lautsprecher aufzuhängen. Dabei bemerkte man, dass in die vier Binder zwischen den Trennvorhängen in der Mitte der Halle insgesamt 20 Löcher gebohrt und mit Haken versehen wurden.

Da der von der Stadt beauftragte Statiker nicht ausschließen konnte, dass dadurch die Tragfähigkeit der Hallendecke beeinträchtigt wurde, ging Sicherheit vor. In den kommenden Wochen soll die Dimension des Schadens so schnell wie möglich ermittelt werden.

Foltin erläuterte, dass die Mehrzweckhalle insgesamt über zehn Binder verfügt. Bei dieser Konstruktion werden Stahlseile unter enormem Zug einbetoniert. Durch diese Spannung entsteht die Tragfähigkeit. Erwischt man bei einer Bohrung eines der Stahlseile, kann die Zugkraft im schlimmsten Fall durchbrochen werden. Ob es dazu kam, wird jetzt geklärt - in einem Röntgenverfahren. Jeder Haken muss entfernt und das dazu gehörige Loch genau durchleuchtet werden. Danach wird die Stadtverwaltung klarer sehen.

Kämmerer Volker Arras, in dessen Zuständigkeit auch die Vergabe der Liegenschaften gehört, erläuterte, worin momentan die besondere Gefahr bestehen könnte: "Bei anderen Konstruktionen deutet vielleicht ein Riss im Beton auf einen Schaden hin." Sei aber ein Binder beschädigt, "dann stürzt dieser irgendwann sofort runter. Ohne Vorwarnung".

"Wir mussten also handeln", bekräftigte Höfer gestern die Entscheidung zur Sperrung. Der Statiker habe das empfohlen. Der gleiche Fachmann war es, der die Halle vor fünf Jahren planmäßig prüfte und keine Mängel fand. Ob er die Bohrlöcher einfach übersehen hat oder ob diese erst nach der letzten Kontrolle gesetzt wurden, konnte Höfer nicht sagen.

Völlig unklar ist auch, wer dafür verantwortlich ist. Höfer konnte und wollte nichts ausschließen. Es könne im Zuge der Vorbereitungen der Mehrzweckhalle auf die Feierlichkeiten anlässlich der 1250-Jahr-Feier passiert sein. Dann wäre es ein Malheur der Stadt gewesen. Möglich sei aber auch, dass ein anderer Nutzer der Halle - etwa ein Verein - die Löcher ohne Wissen der Verwaltung gebohrt habe, um hier seine Vorrichtungen aufzuhängen. Dem werde man auf jeden Fall nachgehen, so Höfer. Wer auch immer es war: Er muss zumindest einen Hubsteiger benutzt haben. Wichtiger sei im Moment aber, einen Überblick über die Beschädigung zu bekommen, um handeln zu können, sagte Höfer. Dann entscheidet sich auch, wie lange die Halle gesperrt sein wird. Fest steht, dass die Stadt von dem Schaden völlig überrascht wurde.

Vor allem für die Vereine, die dieses Jahr Großes in der Mehrzweckhalle geplant haben, beginnt jetzt das große Zittern, bis die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen. Der GV Liederkranz will hier vom 3. bis 5. Juni das Festwochenende anlässlich seines 175-jährigen Jubiläums feiern. Werner Kranz plant für den 16. Juli ein "Dinnerboxen" in der Mehrzweckhalle mit 300 geladenen Gästen, um das 50-jährige Bestehen seiner KSV-Boxabteilung zu begehen.

Nicht zu vergessen der Wahlkampfauftritt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der am 2. März vorgesehen ist. Der Landesvater könne in keine der anderen Schriesheimer Hallen ausweichen, so Höfer. Die Strahlenberger Schulturnhalle sei zwar inzwischen auch Veranstaltungsstätte, an sich aber wohl zu klein für das erwartete Publikum. Und die Schulsporthalle am Bildungszentrum darf maximal überhaupt nur mit 199 Personen belegt werden.

Trotz der jüngsten Entdeckung sah Höfer nicht die Notwendigkeit, jetzt auch die Decken in den anderen Hallen statisch prüfen zu lassen. Dem pflichtete Foltin bei. Keine der anderen Konstruktionen sei mit der Mehrzweckhalle vergleichbar oder identisch. Schließlich war dem Bürgermeister wichtig darauf hinzuweisen, dass weder die beiden Kinderkrippen, noch die KSV-Hallen samt Studio "KSVmedaktiv" oder der Vereinsraum in der Mehrzweckhalle zu irgendeinem Zeitpunkt gefährdet seien. Für den KSV ist es ein schwacher Trost. In einer kurzfristig einberufenen Sitzung entschied der Verein, den für Sonntag geplanten Kinderfasching abzusagen. Die eigene Halle sei für den erwarteten Ansturm der Kinder zu klein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung