14.03.2016

Sckerl holt Direktmandat im Wahlkreis Weinheim: "Das ist ein epochaler Tag"

Sckerl holt Direktmandat im Wahlkreis Weinheim: "Das ist ein epochaler Tag"Grüner gewinnt fast alle Kommunen des Wahlkreises – Zweitmandate für Wacker und Kleinböck

Der Sieger reckt die Faust: Erstmals seit seinem Einzug in den Landtag im Jahr 2006 schaffte es Uli Sckerl, seinem CDU-Herausforderer Georg Wacker das Direktmandat zu nehmen. Sckerls Sohn ist gestern Abend in Schriesheim der erste Gratulant. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Weinheim/Schriesheim. Um 20.30 Uhr betritt Uli Sckerl den Festsaal des Gasthauses "Zum Goldenen Hirsch" in Schriesheim und reckt die Faust. Tosender, rhythmischer Applaus seiner vielen grünen Parteifreunde, die hier Sonntagabend die Auszählungen der Landtagswahl verfolgen.

Schon 20 Minuten zuvor kommen die letzten Zahlen aus dem Wahlkreis Weinheim. Sckerl ist auch in Hemsbach vorne. Nur in Laudenbach hat Georg Wacker (CDU) mehr Stimmen bekommen – und das Direktmandat an Sckerl verloren. Dieser gewinnt den Wahlkreis mit 29,19 Prozent vor Wacker, der auf 25,82 Prozent kommt. Gerhard Kleinböck (SPD) liegt mit seinen 15,32 Prozent nur hauchdünn vor AfD-Kandidat Michael Ott (15,18). Wacker und Kleinböck ziehen dennoch über Zweitmandate ins Parlament ein. Nicht so Andrea Reister von der FDP, die auf 8,77 Prozent kommt. Matthias Hördt von der „Linken“ landet abgeschlagen bei 3,02 Prozent.
Doch die Grünen brauchen in diesem Moment keine Zahlen mehr. Sie wollen feiern: „Das ist ein epochaler Tag“, sagt Sckerl: „Dass wir Erste im Stammland der CDU werden, wer hätte das gedacht? Das sind wir heute! Das ist ein Riesenerfolg für uns.“ Und auch der größte im Wahlkreis Weinheim seit Gründung der Grünen im Jahr 1980. Die Grünen, so Sckerl, seien die neue „Baden-Württemberg-Partei“, zumal sie den Wahlsieg nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum geholt hätten. Zudem sei es ein Erfolg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Dieser habe in schweren Zeiten Werte vermittelt, die die Gesellschaft in ihrem Kern zusammenhalten. Auch im Wahlkreis Weinheim habe sich die besonnene, klare Politik ausgezahlt – gerade in der Flüchtlingsthematik, die den Wahlkampf beherrscht habe, wie Sckerl später im Gespräch mit der RNZ sagt. Seinen Parteifreunden ruft er zu, dass sich das Ergebnis der Landtagswahl auch in der Kommunalpolitik niederschlagen werde.

Doch auch Sckerl kommt an diesem Abend um die AfD nicht herum. Ihr Wahlerfolg mache ihn betroffen. Aber: „Jetzt müssen wir sie zu einer harten politischen Auseinandersetzung zwingen.“ Doch das kann zumindest warten bis zum nächsten Tag. Jetzt ist für die Grünen erst mal feiern angesagt und für Sckerl das Danken. Zunächst seiner Zweitkandidatin und Wahlkampfmanagerin Fadime Tuncer: „Ohne dich“, sagt der Wahlkreis-Gewinner, „wäre das so nicht möglich gewesen.“ Dann seiner Familie, die im Wahlkampf viel ertragen habe. Und zuletzt dem grünen Kreisverband Neckar-Bergstraße für die Unterstützung: „Ich verneige mich vor euch.“
Dass der 64-Jährige im dritten Anlauf das Direktmandat holt, freut auch Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer: „Das ist eine Belohnung seiner Arbeit im ganzen Wahlkreis.“ Schriesheims Grünen-Ortsvorsitzender Wolfgang Fremgen freut sich ebenfalls – zumal in der Weinstadt jeder Dritte Grün und Sckerl gewählt hat. Doch dass es zur Fortsetzung von Grün-Rot nicht reicht, ist auch für ihn eines der beiden weinenden Augen – neben dem AfD-Erfolg. GLH-Vorstand Egon Müller aus Hirschberg findet es auch schade, dass die Koalition nicht fortgesetzt wird, möchte sich die Freude aber ebenfalls nicht verderben lassen: „Denn der Uli ist kompetent, fleißig und hat im Wahlkampf richtig geackert.“ Ob es jetzt eine Regierung gebe, in der Uli Sckerl Minister werde, will die RNZ abschließend vom Sieger im Wahlkreis wissen. Sckerl lächelt und antwortet: „Ich werde an den Sondierungsgesprächen beteiligt sein. Dann sehen wir weiter.“

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung