30.03.2016

Eier schwimmen um die Wette

Buntes Treiben im Kanzelbach für neuen Basteltisch in der "Kinderschachtel"

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Vom eigentlichen Ereignis ist nicht viel zu sehen - ein dichter Pulk Menschen belagert den Kanzelbachsteg und den Durchgang oberhalb der Ölmühle. Selbst das Klatschen, als die Ostereier zu Wasser gelassen werden, ist eher zu erahnen als zu hören, und dann verdeckt ein dichter Wald von Handys und gezückten Kameras noch den letzten Blick auf das Ostereierrennen.

Das findet zum zehnten Mal statt, organisiert vom Förderverein der "Kinderschachtel" im Allgemeinen und Marc Waldenmayr im Besonderen. Er macht in der Menge Bürgermeister Hansjörg Höfer aus, der sich am schönen Wetter freut und auch am Besuch aus dem fernen China: Zwei Studenten haben sich, fasziniert von dem Brauch, gleich zwei Ostereier gekauft und verfolgen nun deren Weg den Bachlauf abwärts. Jedes Ei ist mit einer Nummer versehen. 200 Preise warten auf die ersten Eier, die ins Ziel kommen. Das ist beim Eiscafé Ferrario, wo eine Art Trichter keine Zweifel aufkommen lässt, wer Erster war.

Kaum schwimmen die Eier, setzt sich die Menge in Bewegung. Nun schieben sich dichte Kolonnen Kinderwagen den Bachsteg hinunter, während die ersten Eltern mit ihren Sprösslingen bereits auf dem Festplatz sind. Waldenmayr baut derweil Kabel und Mikrofone ab. Er sagt: "Das war jetzt mein letztes Ostereierrennen, ich bin müde." 40 bis 50 Stunden, schätzt er, hat er in die Vorbereitung investiert, hat Einzelhändler und Gastronomen angesprochen, die Spiele, Restaurantgutscheine, Tassen, Geldbeutel, Mäppchen und große Kisten mit Playmobil-Feen oder -Bauarbeitern gestiftet haben. Hauptgewinn bei den Preisen im Gesamtwert von 3000 Euro ist ein Kindergeburtstag im Heidelberger Hallenspielplatz "Jump Inn", doch vor allem profitiert der Kindergarten vom Ostereierrennen. Die Erzieherinnen haben sich einen 2000 Euro teuren Basteltisch gewünscht, und das Event soll helfen, diesen Wunsch zu erfüllen.

Es war ein schäbiger Spielplatz auf dem "Kinderschachtel"-Gelände, der vor zehn Jahren den Anstoß zum ersten Rennen gab: Mit dem Erlös konnten die Eltern aus dem heruntergekommenen Stück Land wieder einen schönen Garten machen. Seither fand jedes Jahr ein Rennen statt, seit sechs Jahren unter Regie Waldenmayrs, dessen jüngstes Kind nun aber bald in die Schule kommt.

Mit den Jahren wuchs und gedieh die Veranstaltung, bis sie fast die Ausmaße eines kleinen Volksfests annahm mit Kinderkarussell, Musikvorführungen, Waffeln, Kuchenbuffet, Kinderschminken und einem Luftballonkünstler. Nachdem der Ostersamstag voriges Jahr ins Wasser fiel, ist er diesmal frühlingshaft und warm. Im Bach sind Helfer in Gummistiefeln unterwegs, die verirrte Eier einfangen und zurück in die "Fahrrinne" schubsen. Leider, sagt Waldenmayr, seien es zu wenig: "Wir bräuchten zehn Leute mehr."

Am Bachufer gibt es eine Vorführung der "Eintracht"-Kinder. Mit Reigen und Rundtänzen sorgt die Kinder- und Jugendvolkstanzgruppe für noch mehr gute Laune.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung